08.11.07

„Ich fühle mich schuldig“ – Interview mit Andrew Garfield zu „Von Löwen und Lämmern“

Kinostart: 01.01.2004
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Welcher Nachwuchsschauspieler wünscht sich nicht, gleich in seinem ersten Kinofilm an der Seite von Robert Redford zu spielen. Andrew Garfield, geboren in den USA und aufgewachsen in Großbritannien, hatte das Glück und wurde für die Rolle des gleichgültigen Studenten Todd in Von Löwen und Lämmern / Lions for Lambs gecastet. Bislang stand der 24-jährige hauptsächlich auf der Theaterbühne. Im Interview mit Katrin Knauth spricht er über sein Filmdebüt.

Andrew, in Von Löwen und Lämmern / Lions for Lambs spielst du deine erste Kinorolle. Wie war die Zusammenarbeit mit Robert Redford als Regisseur und Schauspieler?

Es war so vieles auf einmal: zunächst beängstigend und erschreckend. Aber als ich ihn getroffen habe und wir mit dem Arbeiten angefangen haben, fühlte ich mich sofort wohl in seiner Gegenwart. Er ist ein ausgesprochen gutmütiger Mensch. Er gab mir nie das Gefühl, irgendetwas falsch zu machen. Er achtete, immer darauf, dass es mir gut ging, ich mich gut aufgehoben und entspannt vor der Kamera fühlte und dass die Crew Respekt vor mir hat. Ihm war klar, dass es meine erste Kinorolle war und ich zuvor Theater gespielt habe. Wir hatten viel Spaß und eine sehr gute Beziehung zueinander. Da ist schon ein großer Traum von mir in Erfüllung gegangen, denn er ist ein großartiger Schauspieler.

Robert Redford spielt einen idealistischen Soziologieprofessor, der im Film zu einer Art Vorbild für Todd wird, dem antriebslosen Studenten, den du spielst. Ist Redford in Wirklichkeit auch ein Lehrer bzw. ein Vorbild für dich?

Keine Frage, das ist er. Ich habe soviel von ihm gelernt, über das Leben, die Karriere. Er interessiert sich sehr für andere Leute. Er ist kein großer Hollywood-Star, der den Boden zur Realität verloren hat. In dieser Branche und diesem Beruf vergisst man manchmal schnell, wo man her kommt und wie alles angefangen hat. Und da hilft es, Leute zu beobachten, die eben nicht so sind.

Du hast inzwischen in einem weiteren Kinofilm mitgespielt, Boy A unter der Regie von John Crowley. Konzentrierst du dich jetzt auf eine Filmkarriere?

Ich hoffe, dass ich weiterhin als Filmschauspieler arbeiten kann. Ich habe ja mit Theater angefangen und das ist hoffentlich immer etwas, zudem ich zurückkehren kann. Ich glaube, Theater- und Kinoschauspiel sind sich sehr ähnlich, obwohl Kino letztendlich eine Nummer größer ist und man mit viel mehr Leuten zusammenarbeitet als im Theater. Es ist wundervoll, auch in anderem Medium zu arbeiten.

Was hat dich an deiner Rolle begeistert? Du musstest ja einen ziemlich gelangweilten Typen spielen, der die ganze Zeit im Büro seines Professors sitzt, zuhört und redet.

Wie oft sieht man das denn im Film, dass soviel geredet wird? Nicht sehr oft und gerade deswegen, war es eine ganze besondere Herausforderung für mich, diese Debatte über Ideen und Ideologien zu führen. Und das was man nur mit der Sprache ausdrücken kann, auch irgendwie zu visualisieren. Diese Ideen, für die Robert Redford und Meryl Streep in ihren Rollen kämpfen, sind sehr große, wichtige Ideen und Vorstellungen wie man sein Leben lebt. Das auf der großen Leinwand zu zeigen, kann sehr kraftvoll und schlagkräftig sein. Ich bewundere diesen Mut.

Stehst du hinter diesen Ideen?

Ich denke, in dem Film stecken viele ausgewogene Argumente. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Am Ende bleiben viele Fragen offen. Die Zuschauer sollen schon selbst entscheiden, auf welche Seite sie sich stellen oder ob sie überhaupt mit jemandem konform gehen. Letztendlich geht es darum, herauszufinden, warum wir in den Krieg gezogen sind und dass wir mit der Realität junger Männer konfrontiert werden, die für diese Gründe sterben mussten. Das Thema anzugehen, ist meiner Meinung nach sehr mutig. Was mich betrifft, ich bin kein Politiker, ich bin ein Schauspieler und ich bin noch dabei, mir über meine politische Meinung klar zu werden und etwas zu finden, über dass ich eines Tages mit viel Leidenschaft ohne Einschränkung reden kann. Ich hoffe auch, dass der Film andere Leute dazu anspornt, in sich zu gehen und zu überlegen, was man machen und verändern kann.

Wie viel von Todd steckt in dir?

Eigentlich nicht viel. Es war ein Schock, für diese Rolle besetzt zu werden, obwohl ich sehr glücklich darüber bin. Meine Apathie und mein Desinteresse an Politik, das ich übrigens mit vielen jungen Leuten teile, ist immer sehr einfach für mich gewesen. Nachdem ich den Film gemacht habe, fühle ich mich richtig schuldig. Ich habe mich schon vorher schuldig gefühlt, aber mir immer gesagt, dass ich daran ohnehin nichts ändern könne. Aber sobald man mit den Dingen involviert wird, vor allem mit der Geschichte im Film um die beiden Jungs, die nach Afghanistan gehen, ist Ignoranz nur noch Missachtung. Sich nicht damit zu befassen, ist geradezu unverantwortlich. Was die Identifikation mit meiner Rolle betrifft, dann trifft das zu auf die Abnabelung von der Realität zu. Manchmal hätte ich gern mehr gesagt und hätte in das Gespräch eingegriffen. Die ganze Zeit so zurückhaltend zu sein, war sehr schwierig für mich.
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Bisherige Kommentare (Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: harald Dr. Schubärth am: 10.11.07
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