09.10.07

„Ich bin jetzt nicht übergeschnappt“ – Interview mit Mennan Yapo zu Die Vorahnung

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Bereits seine erste Regiearbeit, der Kurzfilm Framed (2000), weckte die Aufmerksamkeit eines einflussreichen US-Agenten. Als Mennan Yapo, Sohn türkischer Eltern, vier Jahre später sein Langspielfilmdebüt Lautlos präsentierte, brachte ihm das zahlreiche Einladungen nach Hollywood ein. Dort traf er auf begeisterte Produzenten und Studiomanager. Bevor er seinen ersten US-amerikanischen Film Die Vorahnung / Premonition abdrehte, lehnte er jedoch sehr viele Drehbücher ab. Im Interview mit Katrin Knauth sprach der 41-jährige Regisseur über den Film, den er sich schon lange zu drehen gewünscht hatte.

Herr Yapo, kaum haben Sie mit Lautlos Ihren ersten Spielfilm in Deutschland inszeniert, ruft Hollywood an. Hat Sie das überrascht?

Ich hatte großes Glück. Das geht ja schon auf meinen Kurzfilm Framed zurück, der 2000 auf dem Festival in Palms Springs lief. Da war ein hochdotierter Hollywoodagent, der ganz begeistert davon war. Der meinte zu mir: "Ich habe deinen Film zwar nicht verstanden, der ist mir zu europäisch, aber du bist talentiert. Mach doch bitte einen Langspielfilm in der Qualität, dann kann ich für dich tätig werden." Als ich ihm dann Lautlos präsentiert habe, war er ebenfalls begeistert.

Und dann kam schon das Angebot für Die Vorahnung / Premonition?

Erstmal schickte er mir mehrere Drehbücher und ich hatte um die 120, 130 Termine mit Produzenten und Studiomanagern in L.A. Alle waren begeistert von meinem Film. Dann kamen die ersten konkreten Angebote, was erstmal nur Auftragskiller waren, die ich abgelehnt habe. Fast exakt ein Jahr nach der ersten Lautlos-Vorführung bei den Agenten in Hollywood bekam ich dann das Drehbuch von Die Vorahnung zugeschickt, nur für mich bestimmt, mit einer Geldsumme dahinter. Dann ging alles ziemlich schnell.

War das eine gewisse Genugtuung für Sie? Lautlos kam in Deutschland ja nicht so gut an.

In der Presse kam er eigentlich recht gut an, jedoch nicht bei den Besuchern. Genugtuung? Weiß ich nicht. Ich denke nicht in solchen Kategorien. Es war natürlich spannend, als Hollywood angerufen hat. Es gab so absurde Situationen: Ich saß pleite und arbeitslos in meiner Wohnung und eine Woche später werde ich First Class nach Amerika eingeflogen, mit einer Limousine vom Hotel abgeholt und bekomme drei Filme für 100, 60 und 40 Millionen Dollar angeboten. Eines davon war das Drehbuch von The Ambassador für 60 Millionen, an dem ich auch gerade aktiv arbeite. Wahrscheinlich drehen wir nächstes Jahr in Berlin.

Was hat Sie an dem Drehbuch von Die Vorahnung gereizt?

Vor zehn Jahren, als ich in der Vorbereitung für meinen Kurzfilm Framed steckte, hatte ich die Idee für einen Film, der sieben Tage erzählt, aber diese ganz wirr durcheinander, eher mit einer emotionalen als einer kausalen Logik. Ich hatte jedenfalls diese Idee, aber keinen Plot dazu. Als dann dieses Drehbuch kam, war ich völlig überrascht. Das war genau der Film, den ich zu meiner Idee gesucht hatte. Außerdem hatte ich mal eine Phase, in der ich so intensiv geträumt habe, dass ich nach dem Aufwachen nicht mehr wusste, was Traum und was Realität war. Das war das erste Buch, von dem ich sagen konnte, dass ich dazu einen Bezug habe und die Figuren verstehe. Wer meinen Kurzfilm kennt, kann das nachvollziehen.

Auffallend in Ihrem Film sind sehr viele Hitchcock-Zitate, z.B. die Szene mit der Taube oder als man die ältere Tochter von hinten auf der Schaukel sieht? Dienten seine Filme als Vorbilder?

Nicht wirklich. Ich habe den einen oder anderen Hitchcock-Film zwar mal gesehen, aber das ich schon lange her. Ich habe ein ziemliches Kurzzeitgedächtnis bei Filmen. Es gibt viele Klassiker, die schaue ich mir hin und wieder an, aber andere habe ich schon seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Da merke ich mir nur gewisse Momente, aber keine Details.

Wie haben Sie sich auf Ihren Film vorbereitet?

Ich schaue mir immer mit meinem Kameramann zwei Wochen lang alle möglichen Filme an, die mit dem Thema zu tun haben. Ein Film, der so ein bisschen in die Richtung von Die Vorahnung ging, war Wenn die Gondeln Trauer tragen / Don’t look now (1973, Regie: Nicolas Roeg). Visuell hat mich der sehr beeindruckt. Was ich aber hauptsächlich mit dem Filmsichten bezwecke ist, dass ich nicht unterbewusst etwas kopiere.

Sie bereiten sich aber auch musikalisch vor?

Ich war in meiner ersten Karriere Disc Jockey. Im Verlauf des Films stelle ich ein Mix-Tape zusammen mit verschiedenen Liedern und Soundtracks, gebe den Stücken Titel, die mit dem Film korrespondieren und gebe das dann zur Vorbereitung den Hauptdarstellern.

Wie viel Kontrolle hatten Sie während der Dreharbeiten? Wurde Ihnen viel reingeredet?

Kaum. Ich hatte sehr viel Freiraum. Es war ein independent finanziertes Projekt, das vom Studio (Sony) nur vertrieben wurde. Diese normale Einmischung vom Studio hatte ich nicht. Die hatten natürlich Mitspracherecht, aber das war eine ganz gedämpfte Form von Einmischung. Erst bei den Press Screenings war das Studio umso mehr involviert. Aber so etwas ist ganz normal.

Die Geschichte ist nicht linear strukturiert. Welche Herausforderungen stellt das bei den Dreharbeiten dar?

Wir haben chronologisch nach Drehbuch gedreht, aber nicht nach den Tagen. Das Drehbuch war natürlich "Out of Order", aber wir mussten so drehen. Normalerweise dreht man ja nach Locations, also man legt z.B. vier Szenen im Wohnzimmer zusammen, d.h. man dreht kreuz und quer durch das Drehbuch. Das konnte ich aber Sandra Bullock nicht antun. Sie ist viermal im Wohnzimmer, hätte viermal das Kostüm wechseln und jedes Mal einen komplett anderen Zustand spielen müssen. Deshalb haben wir gedreht, wie es im Drehbuch steht. Bis auf einige Ausnahmen im Außenbereich haben wir das auch durchgezogen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Sandra Bullock?

Sie ist ein Star, aber sie hat sich überhaupt nicht so aufgeführt. Die ist wie du und ich, spricht Deutsch, ist lustig, läuft barfüßig, hat zwei Hunde – überhaupt keine Starallüren. Wir haben auch zusammen Deutsch gesprochen. Sie war offen für alles, was mein Kameramann und ich mit ihr vorhatten.

Sehen Sie Ihre Zukunft nun als Filmemacher in den USA?

Nein. Ich bereite gerade wieder etwas mit Lars-Olav Beier vor, mit dem ich auch schon das Drehbuch zu Lautlos verfasst habe. Ich will in Zukunft beides machen, also sowohl in Deutschland als auch in den USA arbeiten. Ich bin auch gerade in Verhandlung für eine Filmproduktionsfirma, die ich hier gründen will. Ich bin jetzt auch nicht übergeschnappt. Ich habe das jetzt gemacht, das lief gut, aber deswegen habe ich mir noch keine Villa gekauft. Ich fühle mich noch wohl in Berlin und München. Ich freue mich darauf, bald wieder auf Deutsch zu drehen.
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