06.10.05
"Es sind nur Pinguine" - Regisseur von "Die Reise der Pinguine" wehrt sich gegen Vereinnahmungen
Leipzig - Der weltweite Erfolg der Naturdokumentation Die Reise der Pinguine weckt Begehrlichkeiten unerwarteter Art. Kurz bevor der Film über die antarktischen Kaiserpinguine am 13. Oktober auch in die deutschen Kinos kommt, versuchen in den USA Konservative und gläubige Christen ebenso wie liberale Aktivisten, die polaren Frackträger für ihre politischen Ziele einzuspannen. Nun reagiert Regisseur Luc Jacquet und weist die Vereinnahmungsversuche zurück. In Deutschland erhielt der Film mittlerweile das Prädikat "besonders wertvoll" von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW).
Die FBW lobt Die Reise der Pinguine als "atemberaubend beeindruckenden Dokumentarfilm" und ergänzt: "In dieser Geschichte ist alles enthalten, was ein großes humanes Drama ausmacht: Liebe, Tod, Heldenmut, Aufopferung, Verbrechen, Einsamkeit, Sehnsucht und Schönheit." Diese Einschätzung könnte Wasser auf die Mühlen derer sein, die in dem Film mehr sehen als eine spannende Dokumentation. Journalisten, Prediger und Lebensschützer in Amerika loben bei den Pinguinen ihren Hang zur Monogamie oder vergleichen die langen Märsche der Pinguine mit Moses’ Auszug aus Ägypten.
Andrew Coffin, Filmkritiker des christlichen World Magazine, sieht in der Lebensgeschichte der Kaiserpinguine gar ein Argument gegen Darwins Evolutionstheorie. Das Überleben der Eier sei ein Beweis für die Lehre vom "intelligent design", nach der hinter den Phänomenen der Natur der Wille eines Schöpfers stecken soll. Es sei traurig, "dass der Film diese seltsamen und wunderschönen Tiere untersucht, ohne die Existenz eines Schöpfers anzuerkennen."
Weniger gläubige Zeitgenossen nehmen die Kaiserpinguine gegen derlei Vereinnahmungsversuche in Schutz, um sogleich ihre eigenen Ansichten zu promoten. Sheerly Avni räumt auf www.alternet.org zwar ein, dass Kaiserpinguine sich jeweils für ein Jahr binden. Insgesamt führten sie aber ein äußerst abwechslungsreiches Sexualleben. Auch Homosexualität sei unter Pinguinen recht verbreitet, wie Berichte aus mehreren Zoos zeigten. In Bremerhaven watschelten sechs Pinguin-Männchen vor kurzem als homosexuelle Paare balzend herum und bebrüteten Steine in Ermangelung selbst gelegter Eier. Als der Zoo weibliche Pinguine zum "Sex-Test" einfliegen wollte, hagelte es wütende Proteste von Homosexuellen-Gruppen aus aller Welt. "Die Pinguine kommen herum", lautet Sheerly Avnis lapidares Fazit.
Nun hat sich Regisseur Luc Jacquet zu Wort gemeldet – auf der Titelseite von Le Monde. "Mir ist es sehr wichtig, zu dieser Diskussion Stellung zu beziehen", sagt der Biologe und Tierfilmer, der "als Wissenschaftler mit der Milch Darwins aufgezogen" worden sei. Jacquet: "Ich bin gegen jede Form des Bekehrungseifers und ich muss daran erinnern, dass es in diesem Film um Pinguine geht. Ihn jetzt religiös zu deuten wäre so, als würde man Superman nach Verteidigungsstrategien analysieren".
Der Filmemacher wurde sogar von Feministinnen in Singapur beglückwünscht, die in dem Film eine Unterstützung für alleinerziehende Eltern sahen. "Ich warte jetzt nur noch darauf, dass mich die Anhänger der Trennkost vereinnahmen", lacht er. Was ihn beruhige sei jedoch, dass man Alles behaupte und davon das Gegenteil. Letztlich belege die ganze Aufregung nur, welch große Faszination die Pinguine auf den Menschen ausübten. Philosophisch fügt er hinzu: "Alle diese Neubekehrten sollten einen Winter auf dem Packeis verbringen. Danach wird ihr Standpunkt zum Film ein anderer sein."
Die Reise der Pinguine startet am 13.10.2005 bundesweit in den Kinos. In Frankreich lockte der Film bis heute über 1,8 Millionen Menschen in die Kinos, in den USA ist er der erfolgreichste französische Film aller Zeiten.
Die FBW lobt Die Reise der Pinguine als "atemberaubend beeindruckenden Dokumentarfilm" und ergänzt: "In dieser Geschichte ist alles enthalten, was ein großes humanes Drama ausmacht: Liebe, Tod, Heldenmut, Aufopferung, Verbrechen, Einsamkeit, Sehnsucht und Schönheit." Diese Einschätzung könnte Wasser auf die Mühlen derer sein, die in dem Film mehr sehen als eine spannende Dokumentation. Journalisten, Prediger und Lebensschützer in Amerika loben bei den Pinguinen ihren Hang zur Monogamie oder vergleichen die langen Märsche der Pinguine mit Moses’ Auszug aus Ägypten.
Andrew Coffin, Filmkritiker des christlichen World Magazine, sieht in der Lebensgeschichte der Kaiserpinguine gar ein Argument gegen Darwins Evolutionstheorie. Das Überleben der Eier sei ein Beweis für die Lehre vom "intelligent design", nach der hinter den Phänomenen der Natur der Wille eines Schöpfers stecken soll. Es sei traurig, "dass der Film diese seltsamen und wunderschönen Tiere untersucht, ohne die Existenz eines Schöpfers anzuerkennen."
Weniger gläubige Zeitgenossen nehmen die Kaiserpinguine gegen derlei Vereinnahmungsversuche in Schutz, um sogleich ihre eigenen Ansichten zu promoten. Sheerly Avni räumt auf www.alternet.org zwar ein, dass Kaiserpinguine sich jeweils für ein Jahr binden. Insgesamt führten sie aber ein äußerst abwechslungsreiches Sexualleben. Auch Homosexualität sei unter Pinguinen recht verbreitet, wie Berichte aus mehreren Zoos zeigten. In Bremerhaven watschelten sechs Pinguin-Männchen vor kurzem als homosexuelle Paare balzend herum und bebrüteten Steine in Ermangelung selbst gelegter Eier. Als der Zoo weibliche Pinguine zum "Sex-Test" einfliegen wollte, hagelte es wütende Proteste von Homosexuellen-Gruppen aus aller Welt. "Die Pinguine kommen herum", lautet Sheerly Avnis lapidares Fazit.
Nun hat sich Regisseur Luc Jacquet zu Wort gemeldet – auf der Titelseite von Le Monde. "Mir ist es sehr wichtig, zu dieser Diskussion Stellung zu beziehen", sagt der Biologe und Tierfilmer, der "als Wissenschaftler mit der Milch Darwins aufgezogen" worden sei. Jacquet: "Ich bin gegen jede Form des Bekehrungseifers und ich muss daran erinnern, dass es in diesem Film um Pinguine geht. Ihn jetzt religiös zu deuten wäre so, als würde man Superman nach Verteidigungsstrategien analysieren".
Der Filmemacher wurde sogar von Feministinnen in Singapur beglückwünscht, die in dem Film eine Unterstützung für alleinerziehende Eltern sahen. "Ich warte jetzt nur noch darauf, dass mich die Anhänger der Trennkost vereinnahmen", lacht er. Was ihn beruhige sei jedoch, dass man Alles behaupte und davon das Gegenteil. Letztlich belege die ganze Aufregung nur, welch große Faszination die Pinguine auf den Menschen ausübten. Philosophisch fügt er hinzu: "Alle diese Neubekehrten sollten einen Winter auf dem Packeis verbringen. Danach wird ihr Standpunkt zum Film ein anderer sein."
Die Reise der Pinguine startet am 13.10.2005 bundesweit in den Kinos. In Frankreich lockte der Film bis heute über 1,8 Millionen Menschen in die Kinos, in den USA ist er der erfolgreichste französische Film aller Zeiten.
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