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09 05/02

Die 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin 2009 – Die Berlinale in Zeiten der Krisen

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"The International" eröffnet die Bärenjagd

Während der Begriff der Krise in diesen Tagen äußerst nachhaltig und bedrohlich in vielerlei Hinsicht die Medienwelten bevölkert, werden am heutigen Donnerstag die Pforten der 59. Berlinale geöffnet. Ein kulturelles Großereignis beginnt, das alle Jahre wieder ein gewaltiges Spektrum an mittlerweile nahezu 400 Filmen aus 60 Ländern in verschiedenen Sektionen präsentiert, den Wettbewerb um den begehrten Goldenen sowie die Silbernen Bären veranstaltet und dabei eine internationale Filmprominenz in der deutschen Hauptstadt versammelt, die den roten Teppich am Berlinale Palast mit Glanz und Gloria übersät.

Doch dass insbesondere die diesjährige Berlinale vom 5. bis zum 15. Februar keineswegs nur ein luxuriöses, gar weltfremdes Event einer vermeintlich auf pure Unterhaltung fokussierten Filmindustrie darstellt, zeigt bereits der Eröffnungsfilm The International von Tom Tykwer, der mit Clive Owen, Naomi Watts und Armin Mueller-Stahl in den Hauptrollen als rasanter politischer Thriller daherkommt, der mafiöse Machenschaften im internationalen Bankwesen anprangert – ein Thema, dessen aktuelle Brisanz beinahe prophetisch anmutet.

Im Programm des Wettbewerbs werden insgesamt 26 Filme zu sehen sein, von denen 18 um die renommierten Trophäen konkurrieren. Mit im Rennen dabei sind unter anderen sehr ernsthafte Beiträge wie London River von Rachid Bouchareb, eine algerisch-französisch-britische Koproduktion um die Terroranschläge in London vom 7. Juli 2005, The Messenger als Regiedebüt des gebürtigen Israelis Oren Moverman aus den USA, der sich mit dem Thema der Familien von gefallenen Soldaten beschäftigt, und Sturm von Hans-Christian Schmid, der sich mit den Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien auseinander setzt. Eher auf heitere Unterhaltung setzen Filme wie Ricky von François Ozon, der die Geschichte einer ungewöhnlichen Familie erzählt, und Gigante von Adrián Biniez, eine Liebeskomödie der skurrilen Art. Außer Konkurrenz läuft der Kompilationsfilm Deutschland 09 von Regisseuren wie Fatih Akin, Hans Weingartner und Nicolette Krebitz, der eine dokumentarische wie fiktive Bestandsaufnahme der deutschen Gesellschaft im Jahre 2008 liefert.

In der Sektion Panorama, die ihr 30. Jubiläum feiert und als Auftakt das Spielfilmdebüt Human Zoo der Dänin Rie Rasmussen zeigt, werden insgesamt 48 Filme präsentiert, darunter die Gewinner der letzten zehn Jahre. Die Kategorie Panorama Dokumente beschäftigt sich mit Filmen wie The Yes Men Fix The World von Mike Bonanno, Andy Bichlbaum und Kurt Engfehr, The Shock Doctrine von Michael Winterbottom und Mat Whitecross und Garapa von José Padilha speziell mit dem Themenkomplex der Globalisierung.

Ebenfalls 48 Beiträge sind im Bereich Forum zu sehen, wobei Deutschland innerhalb der international vielfältigen Produktionen mit vier Dokumentationen von Hans-Christian Schmid, Ulrike Ottinger, Harun Farocki und Thomas Heise und einem Spielfilm von Sebastian Schipper vertreten ist. Aus Thailand stammt die Dokumentation Citizen Juling der Filmemacherin Ing K, aus Israel Defamation von Yoav Shamir und aus Tschechien Letters to the President von Petr Lom – ein (kosmo)politisches Spektrum, das zweifellos einigen Zündstoff transportiert.

Die Kinder- und Jugendsektion Generation mit den Kategorien Kplus und 14plus veranstaltet ganz eigene Wettbewerbe, bei denen im Bereich Kplus mit Los herederos von Eugenio Polgovsky aus Mexiko erstmals eine Dokumentation unter den insgesamt 27 langen und 30 Kurzfilmen an den Start geht, um einen Gläsernen Bären zu gewinnen. Es ist bemerkenswert, dass auch die Filme für das junge Publikum nicht mehr überwiegend auf Spannung und Humor konzentriert sind, sondern sich zunehmend mit sehr ernsthaften sozialen und politischen Fragestellungen auseinander setzen, wie beispielsweise die Beiträge Afterschool und Unmade Beds, der 14plus eröffnet, illustrieren.

In der Sektion Perspektive Deutsches Kino ist es eine siebenköpfige junge deutsch-französische Jury aus engagierten Cineasten zwischen 21 und 26 Jahren, die den Preis "Dialogue en perspective" vergeben wird, der die interkulturelle Komponente eines ausgewählten Beitrag prämieren soll. Eröffnet wird diese Kategorie mit Distanz von Thomas Sieben, und unter anderem werden Filme wie Höllenritt von Martin Busker und Gitti von Anna Deutsch in diesem Wettstreit antreten.

Auch auf den Territorien Berlinale Special, Berlinale Shorts, Retrospektive, Special Presentations, auf dem Berlinale Talent Campus und beim Kulinarischen Kino werden wieder interessante Events und spannende Filmvorführungen stattfinden, so dass allein die Frage offen bleibt, was die Internationalen Filmfestspiele Berlin 2010 noch an Innovationen werden bieten können, die mit der 60. Veranstaltung der Berlinale ein rundes Jubiläum markieren werden.

Zusätzlich zur Präsentation der Filme im Wettbewerb um die ganz großen Preise wird kino-zeit.de auch wieder interessante Werke aus den anderen Sektionen der diesjährigen Berlinale vorstellen, die zweierlei scheinbar allzu gegensätzliche Tendenzen in den Fokus rückt: den Glamour der Filmwelten mit dem Schwerpunkt alltagsferner Unterhaltung und die teils fiktive, teils dokumentarische Auseinandersetzung mit den brennend aktuellen sozialpolitischen Krisen und Katastrophen der durch die unterschiedlichsten Konflikte zugespitzten Weltgesellschaften. Ausreichend Anregungen, die Schwierigkeiten der modernen Zeiten nicht nur passiv als Meldungen in den Nachrichten zu konsumieren, sondern durch filmische Problematisierungen aus einem ganz anderen Blickwinkel zu reflektieren oder gar zu diskutieren, hält dieses bedeutende Event der Filmbranche allemal bereit. Doch auch der scheinbar schlichte, häufig recht abschätzig als Eskapismus eingestufte Aspekt des gewaltigen Vergnügens, den harten Realitäten für eine kleine Weile ins Kino zu entfliehen, liefert bereits einen guten Grund, die Veranstaltungen der Berlinale zu besuchen und sich gut unterhalten oder gar bezaubern zu lassen, was hiermit herzlichst empfohlen wird.

(Marie Anderson)

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