07.05.04

Deutsche Kinolandschaft in der Krise

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Mannheim - Der Insolvenzantrag der UFA Theater AG am 6.5.2004 war nicht der erste Konkurs eines Kinobetreibers in diesem Jahr und wird es wohl leider auch nicht bleiben. Die deutsche Kinolandschaft wird bereinigt oder bereinigt sich selber. Zwar ist von der Insolvenz der UFA Theater AG nur ein Kino direkt betroffen, der UFA-Palast in Stuttgart. Doch die Zeichen in der deutschen Kinolandschaft stehen auf Sturm. Auch bei Cinemaxx brodelt und schwelt es, liegt man doch dort mit der Hausbank im Clinch und hat sicher auch an der Insolvenz des Teilhabers Senator Entertainment AG zu knabbern.

Woran liegt es, dass in Deutschland ein Kinosterben einsetzt, dass dazu führt, dass selbst in manchen Großstädten immer mehr Kinos schließen? Sicherlich dazu beigetragen hat der Cineplex-Boom der neunziger Jahre. Nun in Zeiten der Zuschauerrückgänge werden eben Überkapazitäten abgebaut, schließlich hatten die deutschen Kinos im letzen Jahr rund neun Prozent weniger Zuschauer.

Doch die Krise ist nichts Neues. Seit Jahren ist die Kinolandschaft so sehr in Bewegung, so sehr dass selbst Eingeweihte allmählich die Orientierung verlieren. Als Beispiel mag hier die nun insolvente UFA Theater AG dienen.

Bis einschließlich 1998 gehörten die UFA Theater AG, die Olympic Filmtheaterbetriebe Heinz Riech und Sohn, die Filmtheaterbetriebe Goldermann und die UFA-Multiplex GmbH Stuttgart Volker Riech. An der UFA Multiplex Stuttgart (UFA-Palast Stuttgart) waren die Palastbetriebe Schmidt und Theile zu 50% beteiligt.

Am 1.1.1999 ging der Betrieb aller Kinos (außer dem UFA-Palast Stuttgart) in die neu gegründete UFA Theater GmbH + Co.KG über. Diese gehörte zu 80% Volker Riech, zu je 10% den Beteiligungsgesellschaften Apax und Pricoa. Die Immobilien, in welchen sich Kinos der GmbH + Co.KG befanden, verblieben in der UFA Theater AG. Der neue Betreiber wurde somit Mieter.

Im Jahr 2001 gingen 10% der UFA-Theater GmbH + Co KG an die Cinemaxx AG. Apax und Pricoa erhöhten Ihre Anteile auf je 20%.

Im Oktober 2002 musste die UFA-Theater GmbH und Co KG Insolvenz anmelden. Zuvor hatte sie in der vorrangegangenen latenten Zahlungsunfähigkeit mehrere Monate ihrem Teilhaber, der UFA Theater AG, keine Miete mehr überwiesen. Die AG, vertreten durch Volker Riech, reichte Räumungsklage gegen die GmbH + Co KG ein. Auf einer Gesellschafterversammlung wurden die noch verbliebenen Anteile der AG an der GmbH + Co KG durch Apax übernommen. Eine Verbindung zwischen der GmbH + Co KG und der AG (außer den Mietverhältnissen) bestand ab diesem Moment nicht mehr.

Im April 2003 übernahmen die Filmtheaterbetriebe Kieft + Kieft die Kinos der UFA-Theater GmbH + Co KG vom Insolvenzverwalter und brachten diese in die neu gegründete Neue Filmpalast GmbH + Co KG ein. Die 10 % Beteiligung der Cinemaxx AG wurde von dieser abgeschrieben. Wegen unklarer Mietverträge werden das Eden in Aachen und der Royal Palast in Berlin nicht fest übernommen, und mittlerweile durch den Insolvenzverwalter abgewickelt. Auch Volker Riechs UFA Theater AG hatte sich zusammen mit dem Werbemittler RoWo um die Übernahme seiner ehemaligen Kinos bemüht, kam jedoch nicht zum Zuge. Im Rahmen der Insolvenz waren die UFA-Filmpassage in Osnabrück und die Kurbel in Berlin bereits an Volker Riech zurückgegangen. Letztere wurde alsbald geschlossen (und mittlerweile von einem neuen Betreiber wiedereröffnet). Die Filmpassage betreiben die Filmtheaterbetriebe Riech.

Nun meldet die UFA Theater AG Insolvenz an. Diese Firma besitzt die Immobilien, in welcher die Neue Filmpalast GmbH Mieterin ist und ist Betreiber des UFA-Palast Stuttgart. Die ehemalige Beteiligung der Fa. Palastbetriebe Schmidt und Theile, war zwischenzeitlich an die UFA Theater AG zurückgegangen.

Bleibt zu hoffen, dass die deutschen Kinos bald wieder zur Ruhe kommen und nur noch wegen ihrer guten Programme in die Schlagzeilen kommen. Ansonsten könnte die filmische Grundversorgung Deutschlands bald flächendeckend von durch die FFA geförderten Videoautomaten übernommen werden.
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