15.11.07
„Das Fernsehen ist zu einer gefährlichen Droge geworden“ - Interview mit Hans Weingartner über seinen Film „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“
Kinostart:
01.01.2004
Schon vor seinem Start in den deutschen Kinos sorgt Hans Weingartners neuer Film Free Rainer – Dein Fernseher lügt! für reichlich Gesprächsstoff in der Presse und unter jenen Zuschauern, die den Film bereits gesehen haben. www.kino-zeit.de traf den Regisseur bei der Vorpremiere seines Films in Mannheim zum Gespräch über seinen neuen Film, die Macht der Quoten und die Schwierigkeiten beim Dreh.
Ich weiß, dass Sie den Vergleich mit Die fetten Jahre sind vorbei nicht mögen, aber Free Rainer - Dein Fernseher lügt! scheint mir vor allem aber in seiner Haltung eine Weiterführung Ihres zweiten Filmes zu sein. Das legt den Schluss nahe, dass sich in dieser Haltung viel von Ihnen selbst zeigt. Wie viel Hans Weingartner ist denn tatsächlich in Free Rainer?
Wenn man Autorenfilm macht, dann fließt die eigene Haltung gegenüber der Welt immer mit in die Filme ein. Es geht immer darum, was ich glaube oder empfinde und was mich bewegt. Bei Free Rainer ist es so, dass ich davon überzeugt bin, dass unsere Kultur dabei ist den Bach runter zu gehen, dass wir dabei sind, unseren Geist aufzugeben. Das Fernsehen ist zu einer gefährlichen Droge geworden.
Woran haben Sie das gemerkt, dass die Entwicklung in diese Richtung geht? Gab es da einen konkreten Auslöser für den Entschluss, aus diesem Thema einen Film zu machen?
Der Punkt war sicher damals, als es anfing mit den ganzen „Big Brother“-Shows, da wurde es dann langsam für mich richtig ekelig. Dann kamen noch diese ganzen Promi-Shows dazu, von den Promis auf der Alm bis zum Dschungel-Camp, bei denen man diese unglaublich dummen und affektierten Menschen vorgeführt bekommt. Da fühlt man sich als Zuschauer mit Dreck beworfen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht der Einzige bin, dem es so geht.
Wie ist dann die Idee entstanden, konkret etwas über die Quotengeilheit der Fernsehsender zu machen?
Ich habe dann angefangen, eine ganze Menge darüber zu lesen, wie das Fernsehen funktioniert und dabei wurde mir klar, dass allein die Quoten bestimmen, was im Fernsehen läuft. Das bedeutet, dass das genau der Punkt ist, wo man den Hebel ansetzen muss. Das war die Initialzündung für diesen Film.
Sie hatten ursprünglich geplant, den Film etwas anders zu drehen und eher eine Verschwörungsgeschichte um wissentlich manipulierte Quoten von Seiten der Sender zu machen, was im Film auch mal ganz kurz anklingt. Warum sind Sie von dieser Idee abgekommen?
Ja richtig, ursprünglich wollte ich einen Thriller machen über eine Verschwörung aus Politik und Wirtschaft, von denen die Quoten manipuliert werden. Doch so einfach funktioniert die Welt leider nicht. Es ist in der Realität dann doch eher eine passive Duldung dieser Entwicklung, mit der wir es zu tun haben. Die Politik macht nichts dagegen, weil sie hoch zufrieden damit ist, dass sie in Ruhe regieren können, während das Volk vor sich hinblödelt. Und der Wirtschaft ist es auch recht, denn Intelligenz verträgt sich halt nicht so gut mit Konsum. Und wenn die Leute nachdenken, kommen sie vielleicht drauf, dass sie nur verarscht werden, wenn sie Werbespots vorgeführt bekommen, in denen die Menschen nur glücklich sind, wenn sie ein bestimmtes Produkt kaufen. Und dann tun die Zuschauer genau das und merken schließlich, dass sie immer noch nicht glücklich sind. Und genau deshalb wollte ich diesen Film machen, um ein wenig Sand ins Getriebe dieser Verblödungsmaschinerie zu werfen.
War es schwer, Geld für den Film aufzutreiben? Ich könnte mir vorstellen, dass beispielsweise die Fernsehanstalten, die ja auch in den Vergabekommissionen der Filmförderungen sitzen, wenig begeistert von dem Stoff waren?
Stimm, die Fernsehsender waren nicht gerade besonders kooperativ, aber zum Glück hatte dann der ORF den Mut, mit einzusteigen. Der Sender hat kein Wort gesagt zum Drehbuch und hat sich in keiner Phase des Films eingemischt. Im deutschen Fernsehen ist das anders, da üben die Sender oft massiven Druck aus und beeinflussen die Drehbücher massiv. Die Redakteure sitzen in den Vergabegremien und schleifen die Skripte so lange ab, bis es „sendbar“ ist. Alles, was radikal oder extrem oder schräg ist oder nicht zur Zielgruppe passt, wird herausgestrichen.
Ich hatte aber auch das Glück, dass ich seit Die fetten Jahre sind vorbei ziemlich viel Geld für meinen neuen Film übrig hatte. Deswegen und aufgrund des Einstiegs von Kinowelt war es überhaupt nur möglich, ohne Beteiligung deutscher Fernsehsender zu drehen.
Wie kamen Sie denn auf Moritz Bleibtreu als Hauptdarsteller? Ursprünglich war ja die Rolle des Fernsehproduzenten wesentlich introvertierter angelegt.
Moritz hat mich beim Casting einfach überzeugt, so dass ich mich dazu entschlossen habe, die Rolle auf ihn umzuschreiben. Die Arbeit mit den Schauspielern ist heutzutage recht schwierig geworden: Entweder sind sie durch das Fernsehen verbraucht oder sie arbeiten viel am Theater und stehen dort jeden Tag auf der Bühne, so dass sie nicht oft nur sehr schwer für einen Dreh zu bekommen sind. Außerdem ist es dann auch schwer, die Schauspieler für die anschließende Promotion zu bekommen, auch das gibt es wieder das gleiche Zeitproblem. Das macht das Arbeiten schon ziemlich schwer, dass die Theater heute so unflexibel sind.
Und wie kamen Sie auf die Hauptdarstellerin Elsa Sophie Gambard?
Das war Zufall. Ich habe Elsa Sophie Gambard im Urlaub in Spanien getroffen, so haben wir uns kennen gelernt –also eher auf einer privaten als auf einer professionellen Ebene. Hinzu kam dann auch noch, dass mir eine Freundin, die Regisseurin Maggie Peren, Elsa empfohlen hat, dass sie wusste, dass ich auf der Suche nach einer Schauspielerin bin, die etwas Mysteriöses ausstrahlt. Außerdem hatte ich große Lust, mal wieder mit einem neuen Gesicht zu arbeiten. Und das hat dann alles perfekt zusammen gepasst. Außerdem hat mir gefallen, dass sie sich dem Zuschauer nie so ganz öffnet, wenn sie spielt, was ihre Figur immer ein wenig geheimnisvoll erscheinen lässt. Und das entspricht genau meiner Vorstellung von Pegah.
Die Bilder am Anfang des Films, als Moritz Bleibtreu mit dem Jaguar durch die Straßen Berlins heizt, das sieht sehr imposant aus…
War es auch, das ist die Leipziger Straße, eine der Hauptverkehrsachsen zwischen West und Ost, die haben wir für einen ganzen Sonntag sperren lassen, von fünf Uhr in der Früh bis acht Uhr abends.
… und das ging so einfach? War es nicht schwierig, dafür eine Drehgenehmigung zu bekommen?
Einfach war das nicht, aber der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat sich persönlich dafür eingesetzt, dass das möglich ist. Überhaupt ist es toll in Berlin zu drehen, die Stadt entwickelt sich immer mehr zu einer richtigen Medienmetropole und die Stadt unterstützt das auch. Sie tut aber auch gut daran, denn der Mediensektor ist die Wachstumsbranche in Berlin, die in den letzten Jahren die meisten Arbeitsplätze geschaffen hat. Und das zahlt sich jetzt aus, denn immer mehr Firmen verlegen ihren Sitz dorthin.
War der Dreh schwierig? Im Film sieht das doch alles recht locker und auch harmonisch aus.
Der Dreh war die Hölle, wir hatten dann letzten Endes doch ein sehr knappes Budget und hätten mindestens doppelt so viel Geld gebraucht. Wir hatten extrem viele Locations, was logistisch eine Menge Probleme bedeutet hat. Es ging schon ziemlich häufig an die Schmerzgrenze – für alle Beteiligten. Was es auch noch enorm anstrengend gemacht hat, war die Tatsache, dass es im Prinzip drei Hauptdarsteller und sieben wichtige Nebendarsteller gab, die zudem alle noch eine Wandlung durchmachen. Und das Skript war beim Dreh an manchen Stelle noch nicht bis ins letzte Details ausgearbeitet, so dass ich da manchmal an meine Grenzen gestoßen bin.
Haben die Schauspieler sehr viel Einfluss beim Dreh gehabt?
Ja, definitiv, mit Moritz und Elsa habe ich sehr lange geprobt. Vor allem Moritz hat sehr viel mitgestaltet, sowohl an seiner Figur wie auch an der ganzen Geschichte. Von ihm stammt beispielsweise die Idee mit dem leeren Schwimmbad, und weil Pegah eine begeisterte Schwimmerin ist, schenken die Jungs ihr dann später das gefüllte Schwimmbad.
Gibt es für Sie eine Parallele zwischen dem Fernsehen in Deutschland und der Kinolandschaft in Deutschland? Denn gerade Filme, die kritisch sind, haben es in den Kinos oft nicht einfach.
Das Problem ist derzeit, dass gerade für anspruchsvolle und kritische Filme kein junges Publikum nachwächst. Das ist ja genau das, was ich in meinem Film moniere – dass wir dabei sind zu verblöden. Irgendwann haben wir vielleicht Verhältnisse wie in Amerika –da gibt es nur noch einen ganz kleinen Zirkel einer Bildungselite. Und der große Rest sitzt vor der Glotze. Immerhin aber sind die Besucherzahlen in den Kinos noch real und werden nicht hochgerechnet wie im Fernsehen.
Nehmen Sie doch nur mal einen Film wie Volker Schlöndorffs Der neunte Tag – meiner Meinung nach ein absolutes Meisterwerk, das ein wichtiges historisches Thema spannend umsetzt. Der Film lief auf etlichen Festivals rund um den Globus und wurde überall gefeiert. In Deutschland wird dieser Film dann mitten in der Nacht gezeigt. Das finde ich einen Skandal und das ist das, was mich am allermeisten aufregt. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat einen Auftrag, und den nimmt es nicht mehr wahr. Und es ist nicht nur so, dass sie diesen Bildungsauftrag vergessen haben, sie ignorieren ihn mit einer unglaublichen Arroganz. Da frage ich mich schon, warum die Politiker und die Vertreter der Bundesländer in den Rundfunkräten nichts dagegen unternehmen. Ich bin der Meinung, dass für die öffentlich-rechtlichen Sender gar keine Quoten mehr erhoben werden dürfen.
Sie geben am Ende Ihres Films einen optimistischen, vielleicht zu optimistischen Ausblick auf die Gesellschaft, indem Sie Rainer sagen lassen: "Ich bin zuversichtlich, dass die Menschheit intelligent genug ist, die Kurve zu kratzen." Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?
Stimmt, eigentlich bin ich ja ein pessimistischerer Mensch, aber ich bin eben auch ein Mensch, der nicht kapituliert. Da liegt vielleicht auch daran, dass ich aus einer Großfamilie mit achtsieben Geschwistern Kindern komme. Und da heißt es eben immer: „Wenn du deine Probleme nicht selber löst, löst sie auch niemand anderes für dich.“ Und so kommt das eben, dass ich in dem Sinne optimistisch bin, dass es möglich ist, den geistigen Niedergang aufzuhalten.
Ich weiß, dass Sie den Vergleich mit Die fetten Jahre sind vorbei nicht mögen, aber Free Rainer - Dein Fernseher lügt! scheint mir vor allem aber in seiner Haltung eine Weiterführung Ihres zweiten Filmes zu sein. Das legt den Schluss nahe, dass sich in dieser Haltung viel von Ihnen selbst zeigt. Wie viel Hans Weingartner ist denn tatsächlich in Free Rainer?
Wenn man Autorenfilm macht, dann fließt die eigene Haltung gegenüber der Welt immer mit in die Filme ein. Es geht immer darum, was ich glaube oder empfinde und was mich bewegt. Bei Free Rainer ist es so, dass ich davon überzeugt bin, dass unsere Kultur dabei ist den Bach runter zu gehen, dass wir dabei sind, unseren Geist aufzugeben. Das Fernsehen ist zu einer gefährlichen Droge geworden.
Woran haben Sie das gemerkt, dass die Entwicklung in diese Richtung geht? Gab es da einen konkreten Auslöser für den Entschluss, aus diesem Thema einen Film zu machen?
Der Punkt war sicher damals, als es anfing mit den ganzen „Big Brother“-Shows, da wurde es dann langsam für mich richtig ekelig. Dann kamen noch diese ganzen Promi-Shows dazu, von den Promis auf der Alm bis zum Dschungel-Camp, bei denen man diese unglaublich dummen und affektierten Menschen vorgeführt bekommt. Da fühlt man sich als Zuschauer mit Dreck beworfen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht der Einzige bin, dem es so geht.
Wie ist dann die Idee entstanden, konkret etwas über die Quotengeilheit der Fernsehsender zu machen?
Ich habe dann angefangen, eine ganze Menge darüber zu lesen, wie das Fernsehen funktioniert und dabei wurde mir klar, dass allein die Quoten bestimmen, was im Fernsehen läuft. Das bedeutet, dass das genau der Punkt ist, wo man den Hebel ansetzen muss. Das war die Initialzündung für diesen Film.
Sie hatten ursprünglich geplant, den Film etwas anders zu drehen und eher eine Verschwörungsgeschichte um wissentlich manipulierte Quoten von Seiten der Sender zu machen, was im Film auch mal ganz kurz anklingt. Warum sind Sie von dieser Idee abgekommen?
Ja richtig, ursprünglich wollte ich einen Thriller machen über eine Verschwörung aus Politik und Wirtschaft, von denen die Quoten manipuliert werden. Doch so einfach funktioniert die Welt leider nicht. Es ist in der Realität dann doch eher eine passive Duldung dieser Entwicklung, mit der wir es zu tun haben. Die Politik macht nichts dagegen, weil sie hoch zufrieden damit ist, dass sie in Ruhe regieren können, während das Volk vor sich hinblödelt. Und der Wirtschaft ist es auch recht, denn Intelligenz verträgt sich halt nicht so gut mit Konsum. Und wenn die Leute nachdenken, kommen sie vielleicht drauf, dass sie nur verarscht werden, wenn sie Werbespots vorgeführt bekommen, in denen die Menschen nur glücklich sind, wenn sie ein bestimmtes Produkt kaufen. Und dann tun die Zuschauer genau das und merken schließlich, dass sie immer noch nicht glücklich sind. Und genau deshalb wollte ich diesen Film machen, um ein wenig Sand ins Getriebe dieser Verblödungsmaschinerie zu werfen.
War es schwer, Geld für den Film aufzutreiben? Ich könnte mir vorstellen, dass beispielsweise die Fernsehanstalten, die ja auch in den Vergabekommissionen der Filmförderungen sitzen, wenig begeistert von dem Stoff waren?
Stimm, die Fernsehsender waren nicht gerade besonders kooperativ, aber zum Glück hatte dann der ORF den Mut, mit einzusteigen. Der Sender hat kein Wort gesagt zum Drehbuch und hat sich in keiner Phase des Films eingemischt. Im deutschen Fernsehen ist das anders, da üben die Sender oft massiven Druck aus und beeinflussen die Drehbücher massiv. Die Redakteure sitzen in den Vergabegremien und schleifen die Skripte so lange ab, bis es „sendbar“ ist. Alles, was radikal oder extrem oder schräg ist oder nicht zur Zielgruppe passt, wird herausgestrichen.
Ich hatte aber auch das Glück, dass ich seit Die fetten Jahre sind vorbei ziemlich viel Geld für meinen neuen Film übrig hatte. Deswegen und aufgrund des Einstiegs von Kinowelt war es überhaupt nur möglich, ohne Beteiligung deutscher Fernsehsender zu drehen.
Wie kamen Sie denn auf Moritz Bleibtreu als Hauptdarsteller? Ursprünglich war ja die Rolle des Fernsehproduzenten wesentlich introvertierter angelegt.
Moritz hat mich beim Casting einfach überzeugt, so dass ich mich dazu entschlossen habe, die Rolle auf ihn umzuschreiben. Die Arbeit mit den Schauspielern ist heutzutage recht schwierig geworden: Entweder sind sie durch das Fernsehen verbraucht oder sie arbeiten viel am Theater und stehen dort jeden Tag auf der Bühne, so dass sie nicht oft nur sehr schwer für einen Dreh zu bekommen sind. Außerdem ist es dann auch schwer, die Schauspieler für die anschließende Promotion zu bekommen, auch das gibt es wieder das gleiche Zeitproblem. Das macht das Arbeiten schon ziemlich schwer, dass die Theater heute so unflexibel sind.
Und wie kamen Sie auf die Hauptdarstellerin Elsa Sophie Gambard?
Das war Zufall. Ich habe Elsa Sophie Gambard im Urlaub in Spanien getroffen, so haben wir uns kennen gelernt –also eher auf einer privaten als auf einer professionellen Ebene. Hinzu kam dann auch noch, dass mir eine Freundin, die Regisseurin Maggie Peren, Elsa empfohlen hat, dass sie wusste, dass ich auf der Suche nach einer Schauspielerin bin, die etwas Mysteriöses ausstrahlt. Außerdem hatte ich große Lust, mal wieder mit einem neuen Gesicht zu arbeiten. Und das hat dann alles perfekt zusammen gepasst. Außerdem hat mir gefallen, dass sie sich dem Zuschauer nie so ganz öffnet, wenn sie spielt, was ihre Figur immer ein wenig geheimnisvoll erscheinen lässt. Und das entspricht genau meiner Vorstellung von Pegah.
Die Bilder am Anfang des Films, als Moritz Bleibtreu mit dem Jaguar durch die Straßen Berlins heizt, das sieht sehr imposant aus…
War es auch, das ist die Leipziger Straße, eine der Hauptverkehrsachsen zwischen West und Ost, die haben wir für einen ganzen Sonntag sperren lassen, von fünf Uhr in der Früh bis acht Uhr abends.
… und das ging so einfach? War es nicht schwierig, dafür eine Drehgenehmigung zu bekommen?
Einfach war das nicht, aber der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat sich persönlich dafür eingesetzt, dass das möglich ist. Überhaupt ist es toll in Berlin zu drehen, die Stadt entwickelt sich immer mehr zu einer richtigen Medienmetropole und die Stadt unterstützt das auch. Sie tut aber auch gut daran, denn der Mediensektor ist die Wachstumsbranche in Berlin, die in den letzten Jahren die meisten Arbeitsplätze geschaffen hat. Und das zahlt sich jetzt aus, denn immer mehr Firmen verlegen ihren Sitz dorthin.
War der Dreh schwierig? Im Film sieht das doch alles recht locker und auch harmonisch aus.
Der Dreh war die Hölle, wir hatten dann letzten Endes doch ein sehr knappes Budget und hätten mindestens doppelt so viel Geld gebraucht. Wir hatten extrem viele Locations, was logistisch eine Menge Probleme bedeutet hat. Es ging schon ziemlich häufig an die Schmerzgrenze – für alle Beteiligten. Was es auch noch enorm anstrengend gemacht hat, war die Tatsache, dass es im Prinzip drei Hauptdarsteller und sieben wichtige Nebendarsteller gab, die zudem alle noch eine Wandlung durchmachen. Und das Skript war beim Dreh an manchen Stelle noch nicht bis ins letzte Details ausgearbeitet, so dass ich da manchmal an meine Grenzen gestoßen bin.
Haben die Schauspieler sehr viel Einfluss beim Dreh gehabt?
Ja, definitiv, mit Moritz und Elsa habe ich sehr lange geprobt. Vor allem Moritz hat sehr viel mitgestaltet, sowohl an seiner Figur wie auch an der ganzen Geschichte. Von ihm stammt beispielsweise die Idee mit dem leeren Schwimmbad, und weil Pegah eine begeisterte Schwimmerin ist, schenken die Jungs ihr dann später das gefüllte Schwimmbad.
Gibt es für Sie eine Parallele zwischen dem Fernsehen in Deutschland und der Kinolandschaft in Deutschland? Denn gerade Filme, die kritisch sind, haben es in den Kinos oft nicht einfach.
Das Problem ist derzeit, dass gerade für anspruchsvolle und kritische Filme kein junges Publikum nachwächst. Das ist ja genau das, was ich in meinem Film moniere – dass wir dabei sind zu verblöden. Irgendwann haben wir vielleicht Verhältnisse wie in Amerika –da gibt es nur noch einen ganz kleinen Zirkel einer Bildungselite. Und der große Rest sitzt vor der Glotze. Immerhin aber sind die Besucherzahlen in den Kinos noch real und werden nicht hochgerechnet wie im Fernsehen.
Nehmen Sie doch nur mal einen Film wie Volker Schlöndorffs Der neunte Tag – meiner Meinung nach ein absolutes Meisterwerk, das ein wichtiges historisches Thema spannend umsetzt. Der Film lief auf etlichen Festivals rund um den Globus und wurde überall gefeiert. In Deutschland wird dieser Film dann mitten in der Nacht gezeigt. Das finde ich einen Skandal und das ist das, was mich am allermeisten aufregt. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat einen Auftrag, und den nimmt es nicht mehr wahr. Und es ist nicht nur so, dass sie diesen Bildungsauftrag vergessen haben, sie ignorieren ihn mit einer unglaublichen Arroganz. Da frage ich mich schon, warum die Politiker und die Vertreter der Bundesländer in den Rundfunkräten nichts dagegen unternehmen. Ich bin der Meinung, dass für die öffentlich-rechtlichen Sender gar keine Quoten mehr erhoben werden dürfen.
Sie geben am Ende Ihres Films einen optimistischen, vielleicht zu optimistischen Ausblick auf die Gesellschaft, indem Sie Rainer sagen lassen: "Ich bin zuversichtlich, dass die Menschheit intelligent genug ist, die Kurve zu kratzen." Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?
Stimmt, eigentlich bin ich ja ein pessimistischerer Mensch, aber ich bin eben auch ein Mensch, der nicht kapituliert. Da liegt vielleicht auch daran, dass ich aus einer Großfamilie mit achtsieben Geschwistern Kindern komme. Und da heißt es eben immer: „Wenn du deine Probleme nicht selber löst, löst sie auch niemand anderes für dich.“ Und so kommt das eben, dass ich in dem Sinne optimistisch bin, dass es möglich ist, den geistigen Niedergang aufzuhalten.
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