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10 27/01

Blutige Vogesen: Das 17. Festival du film fantastique in Gérardmer – Ein Vorbericht

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Heute beginnt in Gérardmer, einer eigentlich sehr beschaulichen französischen Kleinstadt in den Vogesen, ein alljährliches Blutbad: Dann eröffnet der Thriller Dans ton sommeil das dortige Festival des fantastischen Films. In seinem siebzehnten Jahr ist "Fantasic’Arts" eines der wichtigsten europäischen Filmfestivals für Horror, Science Fiction und Thriller, zu dem auch in diesem Jahr wieder mehr als 30000 Zuschauer und etwa einhundert Journalisten erwartet werden.

Der Jury steht diesmal John McTiernan vor, der als Regisseur von Filmen wie Last Action Hero und Stirb Langsam – Jetzt erst recht dem Genrepublikum gut vertraut ist, seit seinem letzten Film Basic nun aber fast sieben Jahre lang nichts von sich hat hören lassen. Das wird sich mit seinem neuen Film Run sicher bald ändern; vorerst spendiert ihm das Festival von Gérardmer eine ausführliche Retrospektive sowie eine Sondervorstellung seines Klassikers Predator (von dem Nimród Antal ja derzeit ein Remake dreht).

Eine weitere Retrospektive beschäftigt sich mit der Stille im fantastischen Film – in dieser Sektion gibt es dann solche Klassiker wie 2001: Odyssee im Weltraum, Tarkovskis Solaris, Alien und The Blair Witch Project zu sehen. Schön, dass in Gérardmer eine solche historische Schiene in das Programm integriert wird, die nicht nur ein Wiedersehen mit alten Filmen auf großer Leinwand ermöglicht, sondern zudem die aktuellen Produktionen zumindest teilweise in einen historischen Kontext zu integrieren vermag. Eben diesem Zweck gilt wohl auch die "Nacht der Zombies", die neben Romeros Zombie und dessen Remake Dawn of the Dead von Zack Snyder die neue serbische Produktion Zone of the Dead von Milan Konjevic und Milan Todorovic stellt; dass außerhalb des Wettbewerbs im Hauptprogramm Romeros neuer Film Survival of the Dead zu sehen sein wird, passt da nur zu gut.

Das Hauptprogramm hat überhaupt einiges zu bieten. Im Wettbewerb werden neben dem deutschen Die Tür, der bei uns schon in den Kinos zu sehen war, Filme aus Spanien (Hierro von Gabe Ibáñez), Frankreich (Amer), Kanada (5150, rue des Ormes von Eric Tessier), Südkorea (Possessed) und Großbritannien vorgestellt. Mit Spannung erwartet wird vor allem Moon von Duncan Jones, der von der Kritik hoch gelobt und auf dem Sitges und anderen internationalen Festivals schon mit Preisen überhäuft wurde. Ab Juli wird er wohl endlich auch in Deutschland die Kinos erreichen.

Wenigstens in einigen deutschen Städten wird bald auch La Horde gezeigt werden, ein französischer Zombiefilm, der für die Fantasy Filmfest Nights im März angekündigt ist. Der spanische Mysterythriller No-Do war 2009 immerhin schon beim Filmfest in Oldenburg zu sehen, auf die anderen Filme des Wettbewerbs wird man hierzulande wohl noch warten müssen.

Außerhalb des Wettbewerbes gibt es neben Romeros neuem Streifen immerhin eine weitere Produktion zu sehen, die es sicher in deutsche Kinos schaffen wird, der Science-Fiction-Film Splice mit Adrien Brody und Sarah Polley, der nahezu zeitgleich auch beim Sundance-Festival vorgestellt wird. Deutscher Starttermin für Vincenzo Natalis Film ist der 17. Juni. Die Fortsetzung von Rob Zombies Halloween-Reboot, in der Tyler Mane wieder seine hünenhafte Gestalt Michael Myers verleiht, war in Deutschland zwar im vergangenen Dezember in einigen Kinos zu sehen, wird sonst aber – immerhin schon im März – hierzulande nur direkt auf DVD erscheinen.

Zwei Dokumentarfilme tragen zur durch die Retrospektiven begonnenen historischen Unterfütterung der Festivalgenres weiter bei: Nightmares in Red, White and Blue sowie Viande d’origine française beschäftigen sich mit der Geschichte des Horrorkinos jeweils in den USA und in Frankreich. Ansonsten gibt es noch Science-Fiction zu sehen: aus der Schweiz Ivan Englers Cargo, aus Schweden der Animationsfilm Metropia von Tarik Saleh. Doghouse schließlich, eine etwas rüde Zombie-Geschlechterkampf-Komödie aus Großbritannien, gibt es in Deutschland bereits auf DVD.

Insgesamt acht Preise hat das Festival zu vergeben, einer wird auch von aus der Region Lothringen ausgesuchten Jugendlichen vergeben – für ein Festival dieser Ausrichtung sicher eine ungewöhnliche, aber interessante Jurybesetzung. Einer der Preise wird im Rahmen des Kurzfilmwettbewerbs vergeben, in dem ausschließlich frankophone Streifen zu sehen sind, ein weiterer in der Sektion "Inédit Vidéo", die seit neun Jahren von der französischen Zeitschrift Mad Movies betrieben wird und Filme zeigt, die in Frankreich direkt auf DVD erscheinen werden.

Davon haben Shuttle und Franklyn in Deutschland diesen Weg schon hinter sich, The House of the Devil von Ti West erscheint dieser Tage. Der norwegische Thriller Snarveien sowie der Parasitenhorror Growth und From Within aus den USA bieten aber auch in diesem kleinen Teil des Festivals noch interessantes Neues.

Natürlich finden während des Festivals in Gérardmer noch viele Begleitveranstaltungen statt; es wird Ausstellungen zu sehen geben, Gesprächsrunden sowie Film- und Zeichenkurse nicht nur für Jugendliche. Und natürlich ist auch die Landschaft der Vogesen äußerst reizvoll. Womöglich liegt Ende Januar dort in den Bergen noch Schnee, dann ließe sich der Besuch des Festivals womöglich mit einer kleinen Skitour verbinden. Für das Festival wäre das durchaus passend; denn im Schnee sind Blutflecken bekanntlich besonders gut erkennbar.

(Rochus Wolff)

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