03.07.07
Als Schauspieler fühle ich mich äußerst privilegiert - Interview mit Axel Prahl zu Du bist nicht allein
Dieser Mann braucht wenig Einführung. Sowohl als Tatort-Hauptkomissar Frank Thiel als auch in seinen Rollen in Filmen von Andreas Dresen ist uns Axel Prahl längst ans Herz gewachsen. Sympathisch ist er nicht nur in seinen Filmen, auch wenn man ihn persönlich trifft, ist das eine herzliche Begegnung. Zum Interview anlässlich seines neuen Films Du bist nicht allein hat er in seine Berliner Altbauwohnung im Prenzlauer Berg geladen. Bestens gelaunt plaudert er über seine Rollen, seine Arbeit und sein Leben.
Axel, in deinem neuen Film verliebst du dich in die aus Russland zugezogene Nachbarin Jewgenia, die deine Liebe nicht erwidert und du daraufhin einen Neuanfang in Holland wagst. Das Ende ist offen. Wie würde es in deinen Augen mit Hans Moll weitergehen?
So wie ich mich mit Hans Moll beschäftigt habe, würde ich denken, dass er Sehnsucht nach seiner Familie bekommt, vor allem nach seinem Jungen, der ihm sehr viel bedeutet. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass er vielleicht in Holland Arbeit findet und nur fürs Wochenende zurückkehrt. Vielleicht war das auch genau das, was ihm gefehlt hat, ein gewisser Abstand. Auf der anderen Seite hat ihn das Erlebnis mit Jewgenia total durcheinander gebracht. Das ihm so etwas in seinem Alter noch mal passieren würde, hatte er nie in Erwägung gezogen. Das ist natürlich für einen Mann in seinem Alter ein bedenkenswerter Vorgang.
In Halbe Treppe wurdest du von deiner Frau betrogen, diesmal ist es umgekehrt: du betrügst selbst. Welches Gefühl war schwieriger zu spielen?
Also, ich habe Frau Moll ja nie wirklich betrogen. Mit Jewgenia habe ich nur getanzt. An sich ist beides zu spielen schwierig. Sich darstellerisch so reinzusteigern, das man meint, in dem Moment verlassen zu werden, geht nur über ein gewissen Trick, indem man ein altes Erlebnis herausholt, wo man selbst verlassen wurde. Oder man steigert sich eben in diese Situation so rein, dass sich das Gefühl dazu einstellt. Anderseits macht es natürlich sehr viel mehr Vergnügen, sich zu verlieben.
Mit Katharina Thalbach hast du auch das erste Mal zusammengespielt. Wie war das für dich?
Ich muss zugeben - es ist mittlerweile zwar eine abgegriffene Formulierung - aber es war für mich wirklich so: Katharina Thalbach ist für mich die Stradivari unter den weiblichen Schauspielerinnen. Es macht einfach so viel Spaß, mit ihr zu spielen. Wir sind uns in gewisser Weise auch sehr ähnlich, auch in der Spielweise - das ist äußerst befruchtend.
Habt ihr beim Drehen viel improvisiert?
Das Drehbuch war erstaunlich dicht. Es passiert zwar immer, dass man am Set das eine oder andere verändert, aber es war bei weitem nicht so wie bei Halbe Treppe. Bei Bernd Böhlich standen alle Situationen ganz klar fest. Man hatte dann hinterher eher im Schnitt das Problem, sich leider auf eine Geschichte kaprizieren zu müssen. Herbert Knaup und seine Ex-Frau waren natürlich das Gegenstück dazu. Aber irgendwann mussten wir uns für eine der beiden Geschichte als Hauptgeschichte und Emotionsträger entscheiden.
Eines der zentralen Themen im Film ist, wie Leute ihr Leben neu sortieren. Warst du selbst schon einmal in so einer Situation?
Einmal? Ständig bin ich in so einer Situation. Der letzte große Einschnitt war für mich damals, 1992, die Trennung von meiner Frau und meinen beiden Kindern und der Gang nach Berlin. Das war ein massiver Einschnitt, der mich in Berlin auch erstmal sehr einsam gemacht hat. Ich habe mich auch gefragt, ob das so der richtige Schritt war. Und dann stellte sich aber Gott sei Dank heraus, dass er der richtige Schritt war.
In deiner langen Karriere warst du schon Hauptkommissar, Gebrauchtwagenhändler, Imbissbudenbesitzer und schon einige Male Polizist. Jetzt spielst du einen Arbeitslosen...
Es geht immer weiter runter (lacht). Als Nächstes kommt wahrscheinlich ein Suizidgefährdeter oder ein Killer.
Was war denn bislang deine Lieblingsrolle?
Meine Lieblingsrolle? Also Halbe Treppe ist natürlich schon in besonderer Weise ein eigenes Baby, das wir da kreiert haben. Es gab kein Drehbuch und alles war komplett improvisiert. Also, die skurrilste Rolle, die auch meine Mutter am liebsten mag, war Fritz Schulz, der durchgeknallte Typ, der aus der Anstalt flog. Das war eine Folge von Nachtschicht, die Lars Becker gedreht hat. Die Rolle hat wirklich viel Spaß gemacht.
Gibt es denn eine Rolle, die du unbedingt gern mal spielen möchtest?
Also, das ist ein weites Feld. Komischerweise, obwohl es so nahe liegend wäre, hat mich noch niemand so in Wassernähe gesteckt. Ich denke da an einen Bootsmann oder Seemann. Ich habe jetzt gehört, es soll eine Neuverfilmung von Das Boot geben, auf komödiantische Art und Weise. Ich weiß nicht, ob ich da dabei sein möchte. Aber so was in der Richtung könnte ich mir schon vorstellen.
Mit welchen Regisseuren würdest du gern zusammenarbeiten?
Michael Hanecke durfte ich bei der Synchronisation von Caché kennenlernen. Da habe ich den Algerier synchronisiert. Den Film fand ich atemberaubend. Hanecke finde ich sehr spannend. Aber wer träumt nicht davon, auch mal mit Steven Spielberg zusammenzuarbeiten.
Hast du schon mal darüber nachgedacht, selbst einen Film zu drehen?
Also wenn ich manchmal sehe, was da so getrieben wird, denke ich, das könntste doch auch mal versuchen. Aber nee, bisher noch nicht. Soweit bin ich noch nicht. Wir arbeiten gerade an einem Treatment, da versuche ich mich erstmals mit als Drehbuch-Co-Autor. Herzensangelegenheit heißt das Ding im Arbeitstitel. Da geht es um einen rechtstendenziellen Bürger, der das Herz eines Judens eingeplanzt bekommt. Ich fand die Grundidee sehr gut. Manfred Stelzer, der Regisseur, hat es an mich herangetragen.
Ist wieder ein Film mit Andreas Dresen geplant?
Der dreht gerade, worüber darf ich nicht verraten. Ohne mich. Nach diesem Film macht er wieder einen Film nach dem Drehbuch von Wolfgang Kohlhase. Da könnte es sein, dass ich mitspiele. Bei mir ist das aber auch ein Zeitproblem. Mittlerweile ist das so, dass Anfang des Jahres mehr oder weniger die gesamte Jahresplanung steht: Tatort, Filme, Lesungen, Hörspiele.
Was machst du gern in deiner Freizeit?
Ich habe ja das Haus auf dem Land. Daran arbeite ich gern. Wäre ich nicht Schauspieler geworden, dann hätte ich mich wahrscheinlich als Innenarchitekt betätigt.
Aber du bist trotzdem glücklich in deinem Beruf als Schauspieler?
Ich bin äußerst privilegiert mit dem Beruf als Schauspieler, der mir die Möglichkeit gibt, Dinge zu tun, an die andere noch nicht mal wagen würden, zu denken. Z.B. mitten in der Nacht um 3.00 Uhr in einem Wohngebiet einen alten Opel Admiral Baujahr 72 mit ner Eisenstange zu zerdeppern, ohne dafür verhaftet zu werden – das ist schon großartig. Man kann einfach so viele Sachen ausprobieren, wo andere Menschen überhaupt gar nicht die Möglichkeit hätten, so etwas auszuprobieren.
Das Gespräch führte Katrin Knauth
Axel, in deinem neuen Film verliebst du dich in die aus Russland zugezogene Nachbarin Jewgenia, die deine Liebe nicht erwidert und du daraufhin einen Neuanfang in Holland wagst. Das Ende ist offen. Wie würde es in deinen Augen mit Hans Moll weitergehen?
So wie ich mich mit Hans Moll beschäftigt habe, würde ich denken, dass er Sehnsucht nach seiner Familie bekommt, vor allem nach seinem Jungen, der ihm sehr viel bedeutet. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass er vielleicht in Holland Arbeit findet und nur fürs Wochenende zurückkehrt. Vielleicht war das auch genau das, was ihm gefehlt hat, ein gewisser Abstand. Auf der anderen Seite hat ihn das Erlebnis mit Jewgenia total durcheinander gebracht. Das ihm so etwas in seinem Alter noch mal passieren würde, hatte er nie in Erwägung gezogen. Das ist natürlich für einen Mann in seinem Alter ein bedenkenswerter Vorgang.
In Halbe Treppe wurdest du von deiner Frau betrogen, diesmal ist es umgekehrt: du betrügst selbst. Welches Gefühl war schwieriger zu spielen?
Also, ich habe Frau Moll ja nie wirklich betrogen. Mit Jewgenia habe ich nur getanzt. An sich ist beides zu spielen schwierig. Sich darstellerisch so reinzusteigern, das man meint, in dem Moment verlassen zu werden, geht nur über ein gewissen Trick, indem man ein altes Erlebnis herausholt, wo man selbst verlassen wurde. Oder man steigert sich eben in diese Situation so rein, dass sich das Gefühl dazu einstellt. Anderseits macht es natürlich sehr viel mehr Vergnügen, sich zu verlieben.
Mit Katharina Thalbach hast du auch das erste Mal zusammengespielt. Wie war das für dich?
Ich muss zugeben - es ist mittlerweile zwar eine abgegriffene Formulierung - aber es war für mich wirklich so: Katharina Thalbach ist für mich die Stradivari unter den weiblichen Schauspielerinnen. Es macht einfach so viel Spaß, mit ihr zu spielen. Wir sind uns in gewisser Weise auch sehr ähnlich, auch in der Spielweise - das ist äußerst befruchtend.
Habt ihr beim Drehen viel improvisiert?
Das Drehbuch war erstaunlich dicht. Es passiert zwar immer, dass man am Set das eine oder andere verändert, aber es war bei weitem nicht so wie bei Halbe Treppe. Bei Bernd Böhlich standen alle Situationen ganz klar fest. Man hatte dann hinterher eher im Schnitt das Problem, sich leider auf eine Geschichte kaprizieren zu müssen. Herbert Knaup und seine Ex-Frau waren natürlich das Gegenstück dazu. Aber irgendwann mussten wir uns für eine der beiden Geschichte als Hauptgeschichte und Emotionsträger entscheiden.
Eines der zentralen Themen im Film ist, wie Leute ihr Leben neu sortieren. Warst du selbst schon einmal in so einer Situation?
Einmal? Ständig bin ich in so einer Situation. Der letzte große Einschnitt war für mich damals, 1992, die Trennung von meiner Frau und meinen beiden Kindern und der Gang nach Berlin. Das war ein massiver Einschnitt, der mich in Berlin auch erstmal sehr einsam gemacht hat. Ich habe mich auch gefragt, ob das so der richtige Schritt war. Und dann stellte sich aber Gott sei Dank heraus, dass er der richtige Schritt war.
In deiner langen Karriere warst du schon Hauptkommissar, Gebrauchtwagenhändler, Imbissbudenbesitzer und schon einige Male Polizist. Jetzt spielst du einen Arbeitslosen...
Es geht immer weiter runter (lacht). Als Nächstes kommt wahrscheinlich ein Suizidgefährdeter oder ein Killer.
Was war denn bislang deine Lieblingsrolle?
Meine Lieblingsrolle? Also Halbe Treppe ist natürlich schon in besonderer Weise ein eigenes Baby, das wir da kreiert haben. Es gab kein Drehbuch und alles war komplett improvisiert. Also, die skurrilste Rolle, die auch meine Mutter am liebsten mag, war Fritz Schulz, der durchgeknallte Typ, der aus der Anstalt flog. Das war eine Folge von Nachtschicht, die Lars Becker gedreht hat. Die Rolle hat wirklich viel Spaß gemacht.
Gibt es denn eine Rolle, die du unbedingt gern mal spielen möchtest?
Also, das ist ein weites Feld. Komischerweise, obwohl es so nahe liegend wäre, hat mich noch niemand so in Wassernähe gesteckt. Ich denke da an einen Bootsmann oder Seemann. Ich habe jetzt gehört, es soll eine Neuverfilmung von Das Boot geben, auf komödiantische Art und Weise. Ich weiß nicht, ob ich da dabei sein möchte. Aber so was in der Richtung könnte ich mir schon vorstellen.
Mit welchen Regisseuren würdest du gern zusammenarbeiten?
Michael Hanecke durfte ich bei der Synchronisation von Caché kennenlernen. Da habe ich den Algerier synchronisiert. Den Film fand ich atemberaubend. Hanecke finde ich sehr spannend. Aber wer träumt nicht davon, auch mal mit Steven Spielberg zusammenzuarbeiten.
Hast du schon mal darüber nachgedacht, selbst einen Film zu drehen?
Also wenn ich manchmal sehe, was da so getrieben wird, denke ich, das könntste doch auch mal versuchen. Aber nee, bisher noch nicht. Soweit bin ich noch nicht. Wir arbeiten gerade an einem Treatment, da versuche ich mich erstmals mit als Drehbuch-Co-Autor. Herzensangelegenheit heißt das Ding im Arbeitstitel. Da geht es um einen rechtstendenziellen Bürger, der das Herz eines Judens eingeplanzt bekommt. Ich fand die Grundidee sehr gut. Manfred Stelzer, der Regisseur, hat es an mich herangetragen.
Ist wieder ein Film mit Andreas Dresen geplant?
Der dreht gerade, worüber darf ich nicht verraten. Ohne mich. Nach diesem Film macht er wieder einen Film nach dem Drehbuch von Wolfgang Kohlhase. Da könnte es sein, dass ich mitspiele. Bei mir ist das aber auch ein Zeitproblem. Mittlerweile ist das so, dass Anfang des Jahres mehr oder weniger die gesamte Jahresplanung steht: Tatort, Filme, Lesungen, Hörspiele.
Was machst du gern in deiner Freizeit?
Ich habe ja das Haus auf dem Land. Daran arbeite ich gern. Wäre ich nicht Schauspieler geworden, dann hätte ich mich wahrscheinlich als Innenarchitekt betätigt.
Aber du bist trotzdem glücklich in deinem Beruf als Schauspieler?
Ich bin äußerst privilegiert mit dem Beruf als Schauspieler, der mir die Möglichkeit gibt, Dinge zu tun, an die andere noch nicht mal wagen würden, zu denken. Z.B. mitten in der Nacht um 3.00 Uhr in einem Wohngebiet einen alten Opel Admiral Baujahr 72 mit ner Eisenstange zu zerdeppern, ohne dafür verhaftet zu werden – das ist schon großartig. Man kann einfach so viele Sachen ausprobieren, wo andere Menschen überhaupt gar nicht die Möglichkeit hätten, so etwas auszuprobieren.
Das Gespräch führte Katrin Knauth
MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)




