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Zombiber

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4 Sterne aus 1 Bewertungen

Originaltitel: Zombeavers
Kinostart: 30.10.2014
FSK: 16
Genre: Komödie, Horror
Tags: Ferienhaus, See, Biber, Zombies, Sitges 2014

Seltsame Viechereien

Ist es ein Sharktopus? Nein, es ist ein Zombiber! Die Reihe der B-Movies mit eigenartigen Tierhybriden geht weiter und wer hätte gedacht, dass das putzige aber doch irgendwie langweilige Biber-Tierchen dabei auch mal eine Chance bekommt blutrünstig nach Menschenfleisch zu trachten? Doch wie entsteht überhaupt ein Zombiber? Diese Frage löst Erstlingsregisseur Jordan Rubin mal fix in den ersten paar Minuten mit einer wunderbaren Hommage an den legendären Troma-Film The Toxic Avenger: kurzum, ein Fass mit toxischen Chemikalien (immer zu erkennen an ihrer neongelben oder -grünen Farbe) wird versehentlich auf einen Biberdamm geworfen und schon wird aus den possierlichen Nagern eine Horde wildgewordener Monster. Zugegeben, die Spezialeffekte bleiben auf spaßigem Niveau, die Tiere sehen aus wie Handpuppen, die mit glühenden Leuchtdioden als Augen ausgestattet wurden. Aber mal ehrlich, man erwartet ja auch keinen Godard, sondern lustige Unterhaltung, die ruhig ein wenig dämlich sein darf.

Dämlich sind auch die Hauptdarstellerinnen, Jenn (Lexi Atkins) und ihre zwei Freundinnen, die zum "Girls-only" Wochenende in die Holzhütte eines Verwandten im Wald fahren. Ah, leicht bekleidete Mädchen im Wald, da weiß man natürlich sofort, was passieren wird. Nur schaut diesmal eben nicht der verrückte Hinterwäldler von nebenan zum Gemetzel vorbei, sondern erst einmal und ohne tödliche Absichten die nervigen College-Freunde, die eigentlich zuhause bleiben sollten. Vor allem Jenn ist nicht begeistert, dass ihr Freund Sam (Hutch Dano) auftaucht, hat sie doch gerade erfahren, dass er sie betrogen hat. Doch nun sind die Jungs einmal da und die Sonne scheint und man hat frei und überhaupt fordern die Hormone ihren Tribut und man kann im Fluss schwimmen. Ach ja, der Fluss, der sich genau vorm Haus ein wenig staut, weil die Biber dort ihren Damm gebaut haben. So possierliche Tierchen und so friedlich...

Und so wartet man als geübter Zuschauer eigentlich die ganze Zeit auf das Gemetzel und fragt sich nur, wer wohl zuerst draufgehen wird. Laut der Genrekonvention müsste das jungfräuliche Mädchen überleben und das promiske samt Freund zuerst sterben. Doch ganz so einfach macht es Rubin sich dann Gott sei Dank doch nicht. Die Biber halten sich nicht an die Erwartungen, die der Zuschauer dank hunderter ähnlicher Filme in sich trägt und machen einfach was sie wollen. Dabei landen die Opfer dann alsbald in der Hütte, gefangen und von außen attackiert wie Tippi Hedren und Rod Taylor in Die Vögel oder Michael Jackson in Thriller. Nach dem ersten Zombiber-Nahkampf ist auch klar, dass a) so ein Biber weitermacht, auch wenn man ihm den Kopf abhackt und b) dass Zombiberbisse dann doch unerwartete Auswirkungen haben. Zu viel soll an dieser Stelle nicht verraten werden, ist dies dann doch der einzige Clou dieser Genreparodie. Und der ist schon recht dünn und trägt nicht bis zum Ende.

Überhaupt funktioniert Zombiber nur für ein wohlmeinendes und -wollendes Publikum, das B-Movies kennt und liebt und vor allem Spaß an der sich selbst ausstellenden Inkompetenz und den gleich im Rudel auftretenden Insiderwitzen hat. Wer so etwas liebt, wird seinen Spaß mit den Zombie-Bibern haben - vor allem auch deshalb, weil Rubin weiß, dass er diese Idee und damit diesen Film nicht ewig in die Länge ziehen kann. Die knackige Laufzeit von 76 Minuten macht den Film zu einem dankbar kurzweiligen Spaß, der — im Gegensatz zu vielen ähnlichen Filmen — Gott sei Dank ein Ende findet (und was für eines!) und aus seiner Idee alles rausholt, was drinsteckt, ohne sich dabei selbst zu kannibalisieren. Hut ab zudem an das Team für die hier und da wirklich innovativen Ideen mit wenig Budget viel zu machen. Überraschend gut funktioniert dabei die Biber-Cam, eine Handkamera, die die Sicht der Biber bei Angriffen einnimmt. Man könnte sagen, das ist ein billiger Trick, um um die Biber-Spezialeffekte herumzukommen. Doch auch wenn sich hier offensichtlich die Low-Budget Produktion als selbige ausstellt, so ergibt es atmosphärisch doch viel Sinn, diese immersive Technik zu benutzen.

Aber vielleicht denke ich hier auch schon wieder zu viel nach. Vielleicht sollte man seine Zombiber einfach mit einem Eimer Popcorn genießen.

(Beatrice Behn)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2013
Länge: 85 (Min.)
Verleih: Splendid Film
Kinostart: 30.10.2014

Cast & Crew

Regie: Jordan Rubin
Drehbuch: Al Kaplan, Jon Kaplan, Jordan Rubin
Kamera: Jonathan Hall
Schnitt: Ed Marx
Musik: Al Kaplan, Jon Kaplan
Hauptdarsteller: Bill Burr, Cortney Palm, Rachel Melvin, Hutch Dano, Lexi Atkins

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