Zeiten des Aufruhrs

Originaltitel: Revolutionary Road
Kinostart: 15.01.2009
FSK: 12
Leserbewertung:
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Ein Plädoyer für die Freiheit der Gedanken

Sam Mendes (American Beauty) inszeniert Richard Yates Roman Zeiten des Aufruhrs als sensibles Beziehungsdrama. Für die Darstellung dieses Psychogramms einer Ehe die an ihren ambitionierten Ansprüchen scheitert, war die überragende Schauspielleistung von Leonardo DiCaprio und Kate Winslet essentiell. Die Literaturverfilmung ist in allen wichtigen Kategorien für den Golden Globe nominiert.

Eine misslungene Theatervorstellung, höflicher Applaus. Ein junger Mann (Leonardo DiCaprio) schaut die Hauptdarstellerin (Kate Winslet), die seine Frau ist voller Liebe und gleichzeitigem Mitleid an. Sie weiß, dass sie nach dieser Premiere wieder ein paar Träume begraben werden muss, wischt sich wütend das Bühnen-Make-up aus dem Gesicht und es ist dieses "Abschminken" was zum immanenten Thema der Adaption wird.

Die Geschichte des Ehepaars Wheeler stellt die Möglichkeit eines Ausbruchs in ihr Zentrum. Unterfordert von ihrem angepassten Leben in verkrusteten Strukturen beschließen die Beiden gemeinsam den einengenden Komfort der Routinen des Vorstadtlebens im Connecticut der 50er Jahre zurückzulassen und nach Europa zu gehen.

Regisseur Sam Mendes inszeniert diesen Versuch des Abwendens des vorbestimmt scheinenden Schicksals in ruhigen eindringlichen Einstellungen. Er überzeugt immer dann, wenn er beeindruckende Bilder für die gleichschaltende Industrialisierung findet. Mendes lässt hunderte in grauen Anzügen uniformierte Männer von den sauberen Vorstädten zu ihren genormten Arbeitsplätzen fahren. Jede Intellektualität, jede Individualität wird spätestens in diesen käfigartigen Boxen zerstört. Aber auch die häusliche Falle in der April Wheeler gefangen ist, wirkt zu jeder Zeit bedrückend. Ihr Streben nach beruflicher Emanzipation, nach Leidenschaft und Inspiration wird erstickt von den Ansprüchen die ihr ihre Rolle als liebende Mutter und genügsame (Ehe-)Frau stellen. Das Leben scheint an den Wheelers ungenutzt und hoffnungsleer vorbei zu ziehen. Um sich wieder außerhalb der schwierigen Beziehung zu spüren beginnen die Ehepartner Affären die ihre Selbstsicherheit aber nur für eine kurze Zeit stärken können und die sie letztlich nur noch in einer sich immer schneller drehenden Spirale der Unzufriedenheit stürzen. In diesen Momenten bekommt der Film die unsagbare Traurigkeit von „The Hours“. Und als dann aus Streit nur noch Stille wird, jeder Abschied endgültig scheint und sich April nur scheinbar mit ihrem Schicksal abgefunden hat, stellt Sam Mendes seine Frau Kate Winslet in einen halbdunklen Wald und hier erinnern die Einstellungen seltsam an einen Film von Christian Petzold.

Eine weitere für den kommerziellen amerikanischen Film ungewöhnliche Idee ist die Figur eines gefährlich wirkenden Besuchers (Michael Shannon). Er ist ein aus der Zeit Gefallener und scheint die Gedanken des Zuschauers laut zu formulieren. Der seltsam modern wirkende Intellektuelle treibt die Geschichte allwissend unaufhaltsam voran. Er bricht völlig aus der restlichen Erzählstruktur heraus, die sich bis auf ihn auf die Visualisierung hintergründiger Konflikte beschränkt.

Zeiten des Aufruhrs ist ein Plädoyer für die Freiheit der Gedanken und gleichzeitig eine konkrete Analyse der Zwänge der kapitalistisch organisierten Gesellschaft. Durch die beeindruckende Vorlage, die hervorragende Leistung von Sam Mendes und den Darstellern ist ein echter Favorit für die anstehende "Award Season" gelungen.

(Anne von der Gönne)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Zeiten des Aufruhrs
Originaltitel: Revolutionary Road
Produktionsland: USA, Großbritannien
Produktionsjahr: 2008
Länge: 119 (Min.)
Verleih: Paramount Pictures Germany

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 15.01.2009

Trailer

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FILMBEWERTUNG

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Bisherige Kommentare (Anzeige: 5 von insgesamt 20)
Von: obistone am: 28.02.10
Gruß an Kurt . Sie haben den Film wohl nicht verstanden
Von: hltster am: 12.05.09
Die Fähigkeit Anne von der Gönnens, die stetig doch subtil sich herrauskristallisierenden schein-notwendigen Zwänge kapitalistischer Vergesellschaftung, welche in "Zeiten des Aufruhrs" skizziert werden, als solche zu benennen, verblüfft. Nur wenige der hier Kommentierenden haben die ideologischen Erscheinungsformen dieser bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, welche der Film bis hin in die Psyche der in ihr agierenden Subjekt, sowohl in der Lohnarbeit; als auch der kleinsten sozialen Zelle, darstellt, erfasst. Dieser Film ist keine sozial-psychologische Studie, keine Action-Komödie, kein idiotisches Liebesdrama gleich "Pretty Woman", erst Recht kein verkrampft-verkrustetes Avantgarde-Arte-Kino, sondern eine unglaublich treffende "konkrete Analyse der Zwänge der kapitalistisch organisierten Gesellschaft", fernab jeder Kulturindustrie. Anschauen sollte ihn jeder. Ihn zu verstehen bleibt Leuten mit Gehirn vorbehalten.
Von: henryvalentine1 am: 02.02.09
Ein großartiger Fim, schon der erste Dialog zwischen den beiden kündet die katastrophe an. Er fragt sie, wasmachst Du so, Sie: bin auf der Schauspielschule und Du? Er : Arbeite im Hafen. Erstaunen bei ihr,ach so! Jeder Satz sitzt, und die beiden Schauspieler sind so gut, unglaublich! ich hatte alle Kritiken zu dem Film gelesen, war aber dann doch überrascht, dass niemandem das eigentliche Thema aufgefallen war, hier wird sehr präzise eine "Mutter" gezeigt, die keine sein will, das Problem liegt tiefer als in der amerikanischenVor-oder Kleinstadt. Das Problem ist ads uns unvorstellbare, eine Mutter, die keine sein will und diese Ansprüche der Gesellschaft nicht erfüllen kann. Fast schon eine schwere psychische Störung. Und all das zeigen Mendes und die beiden Extremschauspieler auf berührende Weise. Ein Film, der weh tut, so gut ist er!
Von: Kurt am: 01.02.09
Der Film war der Langweiligste den ich je gesehen habe. Mich ärgern die 2 verschwendeten Stunden die sich wie Kaugummi gezogen haben. Das thematisierte Beziehungsproblem wird absolut oberflächlich und realitätsfremd auf die Leinwand gebracht.
Von: am: 29.01.09
Mir hat der Film gefallen, auch Leonardo di Caprios schauspielerische Leistung ist gar nicht so schwach wie oft behauptet, dass er Kate Winslet nicht das Wasser reichen kann, liegt auch an der Rollte - da ist der Mann auch der Hilflose, Verunsicherte und Unterlegene. Die Handlung spielt in den 50ger Jahren, und ob der Umgang mit den Problemen noch zeitgemäß ist, darüber lässt sich tatsächlich streiten. Langweilig fand ich den Film keine Sekunde.
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