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Was machen Frauen morgens um halb vier?

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3 Sterne aus 42 Bewertungen

Kinostart: 08.11.2012
FSK: o.Al.
Genre: Komödie
Tags: Bayern, Globalisierung, Bäckerei, Insolvenz

Mit Christstollen für Dubai aus der Finanzkrise

Seit 200 Jahren gehört die Bäckerei Schwanthaler zum Ortsbild einer malerischen Kleinstadt in Südostbayern. Doch nun droht dem Familienbetrieb die Zwangsvollstreckung, wegen hoher Schulden und einem Discounter, der importierte Tiefkühlbrötchen aufbäckt. Und jetzt muss die junge Franzi (Brigitte Hobmeier) den Laden auch noch allein schmeißen, denn der Papa liegt nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus. Franzis aus Berlin angereiste Schwester Carmen (Muriel Baumeister) rät, die Bäckerei dichtzumachen und das Haus zu verkaufen. Doch die zupackende Franzi ist kein Mensch, der in der Not davonläuft. Lieber erinnert sie sich an den Spruch ihrer verstorbenen Mutter: "Wenn die Welt untergeht, mach das Licht an!"

Die Globalisierung und der Verdrängungswettbewerb zu Lasten alteingesessener Betriebe auf dem Land sind wahrlich keine auf Bayern beschränkte Themen. Dementsprechend musste Regisseur Matthias Kiefersauer (Baching) das Drehbuch der Berlinerin Martina Brand auch nur in Sprache und Mentalität ein wenig dem Schauplatz im Südosten Deutschlands anpassen. Wenn Franzi sich über das "Fertigklump aus Tschechien" empört, das der neue Backshop am Ort unverschämt billig anbietet, kann man das überregional nachvollziehen. Ebenso die lustige Schimpftirade des alten Bäckers Josef Schwanthaler (Peter Lerchbaumer), der im Krankenhaus Brot vorgesetzt bekommt, wie es auch im Supermarkt im Regal steht, vorgeschnitten und in Tüten verpackt.

Aber Franzi weigert sich, wie so viele Arbeitslose, in die Großstadt zu ziehen. Als sie erfährt, dass ihr Ex-Freund Toni (Thomas Unger) in Dubai arbeitet, kommt sie auf eine verwegene Idee, wie die Bäckerei Schwanthaler die Globalisierung für sich nutzen könnte: Weil so viele Deutsche am Persischen Golf ihren Weihnachtsurlaub verbringen, könnte man ihnen ja den berühmten Christstollen des Hauses liefern, nach welchem schon der Märchenkönig Ludwig ganz „crazy“ war. Das jedenfalls wird Franzi bald persönlich den Gastronomiechefs eines Fünfsternehotels in Dubai versichern. Glücklicherweise findet ausgerechnet der dort weilende Kronprinz Mohammed (Ercan Karacayli) den mitgebrachten Christstollen so lecker, dass sofort 3000 Stück bestellt werden. "Quasi Hoflieferanten!", jubelt Franzi, bevor ihr bewusst wird, dass sie zum Backen nur acht Tage Zeit hat.

Die Komödie, die ursprünglich als Fernsehfilm geplant war, wartet im Grunde mit einer wenig aufregenden Geschichte auf. Zuhause in Bayern setzt die arme Franzi natürlich alles daran, Geld und Manpower aufzutreiben, um fristgerecht liefern zu können. Dabei muss sie den Plan nicht nur vor dem Vater verheimlichen, der ihr nichts zutraut, sondern sich auch noch mit der verständnislosen Schwester aus der Großstadt auseinandersetzen, die sich schon seit Jahren nicht mehr um die Familie gekümmert hat. Dazu gibt es amouröse Verwicklungen mit Toni und den an sich nicht besonders inspirierten Culture-Clash-Witz rund um ausgeschnittene Frauenkleidung und sonstige bayerische Vorlieben, die die arabische Welt entweder nicht teilt, oder nur noch nicht kennt. Aber der Humor behält die Bodenhaftung und vermeidet schrille Töne. So macht es, auch wegen der überzeugend vermittelten weiblichen Perspektive der Geschichte, Spaß, der gestressten Franzi zuzuschauen. Was immer sie tut, an Brigitte Hobmeiers natürlichem und selbst in komischen Situationen ernsthaft intensivem Schauspiel kann man sich sowieso kaum sattsehen. Der Titel übrigens ist einer dieser Witze, die Frauen zum Kichern bringen, weil sie sich über ihre verschworene Gemeinschaft freuen.

(Bianka Piringer)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2012
Länge: 90 (Min.)
Verleih: Movienet Filmverleih
Kinostart: 08.11.2012

Cast & Crew

Regie: Matthias Kiefersauer
Drehbuch: Martina Brand
Kamera: Thomas Etzold
Schnitt: Silvia Nawrot
Musik: Rainer Bartesch
Hauptdarsteller: Brigitte Hobmeier, Muriel Baumeister, Peter Lerchbaumer, Julia Eder, Johanna Bittenbinder

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