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Von Menschen und Pferden

Meinungen
11

2.1 Sterne aus 45 Bewertungen

Originaltitel: Hross í Oss
Kinostart: 19.02.2015
FSK: 12
Genre: Drama, Komödie
Tags: Natur, Island, Pferde, Dorfgemeinschaft, San Sebastian 2013

Ross und Reiter

Island ist stolz auf seine Ponys. Nicht nur weil sie die Herzen von fleißigen Wendy-Leserinnen höher schlagen lassen, sondern auch weil diese Pferderasse trotz ihrer geringen Größe über außerordentliche Kräfte verfügt und problemlos erwachsene Reiter tragen kann. Und so ist Von Menschen und Pferden in gewisser Weise eine Hommage an diese Tiere.

Regisseur Benedikt Erlingsson strukturiert seinen Film episodisch. Es ist, als ob uns ein alter Isländer ein paar Anekdoten aus seinem Leben erzählt. Zwar sind die einzelnen Geschichten durch ihre Protagonisten verbunden - alle leben in derselben Gegend, die jedoch nur schwerlich als Dorf und schon gar nicht als Stadt bezeichnet werden kann - doch im Grunde handelt es sich um unabhängige Erzählungen von Menschen und ihren Pferden. Eine jede beginnt mit dem Close-Up eines Pferdeauges, in dem sich die Welt spiegelt. Doch es gibt keinen Gegenschuss. Benedikt Erlingsson versucht nicht, den Blick der Island-Ponys einzunehmen, vermutlich weil er sie hierdurch unnötig vermenschlichen würde. Stattdessen arbeitet er mit einer durchaus distanzierten Sicht auf Mensch und Tier, die beide stets deutlich voneinander unterscheidet, sie jedoch immer als gleichberechtigte Akteure begreift. Es geht nicht um die Dominanz des einen über den anderen, sondern um die Beziehung der beiden zueinander.

Da ist ein Mann, der sich durch sein Pony derart beschämt fühlt, dass er es erschießt. Ein anderer benutzt sein Pferd, um zu einem russischen Frachtschiff zu schwimmen und dort Alkohol zu erwerben. Alle Facetten des Lebens sind untrennbar mit den Tieren verbunden. Sowohl der Tod als auch die Liebe finden unter den Augen und durch die Mitwirkungen der vierbeinigen Gefährten statt. Of Horses and Men deckt viele Aspekte des menschlichen Lebens ab, erzählt sogar eine kleine emanzipatorische Geschichte über eine Frau, die sich erfolgreich in einer Männerdomäne durchsetzt. Bereits mit seiner ersten Episode kann Benedikt Erlingsson das Publikum für sich einnehmen. Es ist die Mischung aus skandinavisch trockenem, manchmal vielleicht etwas derbem Humor und dem ehrlichen Blick auf menschliche Gefühle, die den Zuschauer zum Lachen und dann auch wieder zum Weinen oder Bangen bringt. Of Horses and Men ist, vielleicht unfreiwillig, auch ein Werbefilm für Island geworden. Die Landschaften beeindrucken, die folkloristische Musikuntermalung vermittelt Lokalkolorit und Authentizität und die Islandponys sind derart elegant, dass man sofort den nächsten Reiturlaub buchen möchte.

Die Isländer selbst kommen bei dieser Darstellung vielleicht am schlechtesten weg. Der Konsum starken Alkohols ist in fast jeder Episode vertreten und die Menschen gehen durchaus misstrauisch, zuweilen gar feindlich miteinander um. Obwohl die einzelnen Häuser weit voneinander entfernt liegen, bespitzeln die Nachbarn einander wie im kleinsten Kuhkaff, nur eben nicht über den Gartenzaun, sondern mit Ferngläsern quer über die Wiesen. Dabei geht mit dem übermäßigen Interesse für die Belange des Nächsten nicht unbedingt auch gegenseitige Hilfsbereitschaft einher.

So kann Von Menschen und Pferden also nicht nur etwas über die Beziehung zwischen Mensch und Pferd, sondern auch über die Beziehung von Mensch zu Mensch erzählen. Es steckt vielleicht ein bisschen Zynismus in dieser Darstellung, aber auch sehr viel Hingabe. Die große Bedeutung der Ponys für die Protagonisten des Films kommt gänzlich ohne den Kitsch und Pathos anderer Pferdegeschichte aus und ist vielleicht gerade durch diese Authentizität so besonders mitreißend und sympathisch.

(Sophie Charlotte Rieger)

Daten & Fakten

Produktionsland: Island
Produktionsjahr: 2013
Länge: 85 (Min.)
Verleih: NFP marketing & distribution
Kinostart: 19.02.2015

Cast & Crew

Regie: Benedikt Erlingsson
Drehbuch: Benedikt Erlingsson
Kamera: Bergsteinn Björgúlfsson
Schnitt: Davíd Alexander Corno
Musik: Davíð Þór Jónsson
Hauptdarsteller: Helgi Björnsson, Charlotte Bøving, Sigríður María Egilsdóttir, Maria Ellingsen, Juan Camillo Roman Estrada, Halldóra Geirharðsdóttir

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 11)
Von: Micael Anders Danning am: 18.09.16
Unerträglich. Wir haben soeben abgebrochen, weil wir uns brutalen, unrealistischen Psychoterror, wie wir es empfunden haben, nicht ansehen möchten. Die Darstellung ist sehr übertrieben und teilweise, gerade beim Umgang mit den Pferden, grundsätzlich Fehlerhaft und scheinbar nucht gut recherchiert. Schade, die Vorschau machte immer einen spannenden Eindruck. Fazit ist, dass wir diesen Film nicht weiter empfehlen können.
Von: Helmuth Feilke am: 10.09.16
Ein großartiger Film! Nicht nur, weil er gut gefilmt ist, vor allem auch weil vieles, was sonst für das Verständnis der Geschichte von den Protagonisten gesagt werden muss, bloß gezeigt wird. Die Moral und die Widersprüchlichkeit der Moral in den Figuren. Bei aller Liebe zu den Tieren, sie werden vor allem genutzt für das eigene Überleben. Die Macht der Liebe, die im Insel-Gottesdienst immer wieder besungen wird, zeigt sich schwach, wenn es ums Überleben geht. Und doch ist der Film eine Liebesgeschichte, und der ganze Plot lebt davon.
Von: Sirgd am: 26.06.15
Aber bitte nicht ab 12 Jahre.
Von: Fyero am: 15.03.15
Wer sich für die insel aus Feuer und Eis interessiert, sollte selbst dorthib reisen und am Besten zu Pferd die Insel erkunden, BEVOR er diesen Film anschaut! Island ist eines der wundervollsten und beeindruckensten Ländern. Sowohl die Tierwelt, Landschaft als auch die Menschen! In diesem Film werden Pferde erschossen, weil aie ihrem Naturtrieben nachgehen. Menschen und Pferde werden durch menschliche (ja es ist meistens im Leben der Mensch) verletzt und getötet. Dieser Film stellt das isländische Leben so was von verkorkst, wenn nicht gar kriminell, hin! Ich habe nach 20 Minuten den Kinosaal verlassen. Mir gleich getan haben es ca 20 weitere Besucher, eben mit der Begründung, dass dieser Film sehr brutal und zum Teil lebewesenverachtend gezeigt wird. Wer schon Mal auf Island war und die Menschen, auch die Tier-/Pferdezüchtet, kennen gelernt hat, weiß - Ausnahmen wird es leider immer geben !- dass in diesem Land einiges anderst (schöner, ruhiger, hamornischer....) abläuft, als der Film darstellt!!! Wer den Film sieht und sich erhofft, ein harmonisches Zusammenleben bzw eine harmonische Zusammenarbeit von Mensch und Pferd (so habe ich, und auch Bekannte, aus der Filmausschreibung entnommen), wird nicht lange freudig bleiben! Es grenzt an einen Gemetzelfilm.... Schade eigentlich! Die Landschafts- und (lebende!) Pferdebilder sind schön eingefangen, das war leider schon alles. Habe im Nachhinein auch erfahreb, dass kein einziger Kinobesucher an dieser Filmvorführung bis zum Ende im Saal geblieben ist. Ich bin traurig, so eine Kritik über so ein faszinierendes Land (ja es mag nur ein Film sein, aber die Darstellungen finde ich nicht richtig!).
Von: Claudia Wirtz am: 22.02.15
Skuril. Anders. Isländisch. Liebenswert.

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