Geist unterm Sofa und Leiche im Eisschrank
Pedro Almodóvar hegt eine besondere Vorliebe für die farbenprächtige Ausstattung seiner meist urbanen Filmschauplätze und ein aus unkonventionellen, extrovertierten Figuren bestehendes Darstellerexempel, das sich in den denkbar schrillsten Kostümen zeigt. Außerdem bevorzugt er eine höchst eigenwillig melodramatische Erzählweise, die um die großen Themen des Lebens Liebe, Sex und Tod kreist – so etwa in der mehrfach ausgezeichneten Komödie Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs (1988) oder in dem Mutter-Tochter-Drama High Heels – Die Waffen einer Frau (1991). Sein Ideal einer Geschichte sei eine Frau in der Krise, hat Almodóvar in einem Interview einmal gesagt. Auch in seinem neuesten Film Volver – Zurückkehren zeigt der spanische Drehbuchautor und Regisseur, der längst international sowohl das Publikum begeistert als auch von den Kritikern enthusiastisch gefeiert wird, seine eigenwillige Handschrift in einer genialen dramatischen Komödie.
Volver - Zurückkehren schildert das Schicksal der temperamentvollen, aber ebenso höchst sensiblen jungen Raimunda (Penélope Cruz), die alle Hände voll zu tun hat, einen toten Männerkörper verschwinden zu lassen, ein äußerst lebhaftes Filmteam in einem bereits geschlossenen Restaurant spontan zu bewirten und die überraschende Rückkehr ihrer Mutter Irene (Carmen Maura) zu verkraften. Oder ist es nur der Geist ihrer längst verstorbenen Mutter? An solch eine Erscheinung glauben zumindest die abergläubischen Bewohner in ihrem Heimatdorf in der La Mancha. Selbst Raimundas Schwester Sole (Lola Dueñas), die nach der Beerdigung ihrer Tante Paula (Chus Lampreave) das Muttergespenst in ihrem Kofferraum entdeckt, tut sich schwer damit, an die mütterliche Lebendigkeit zu glauben. So wird die Mutter in die Madrider Wohnung, in der Sole einen illegalen Friseursalon betreibt, zunächst als russische Aushilfe ausgegeben und vor Raimunda unter Betten und hinter Duschvorgängen sicher versteckt gehalten – zunächst mit Erfolg, schließlich ist Raimunda viel zu sehr damit beschäftigt, wie sie die in der Kühltrage lagernde Leiche, die ausgerechnet ihr Ehemann Paco (Antonio de la Torre) ist, der aus Notwehr heraus von ihrer pubertierenden Tochter Paula (Yohana Cobo) versehentlich erstochen wurde, beiseite schaffen kann. Kein Wunder, dass Raimunda immer wieder an den Rande eines Nervenzusammenbruchs gerät und ihre sorgfältig aufgetragene Wimperntusche in den sanft kullernden Tränen malerisch verwischt.
Kameramann José Luis Alcaine, der die meisten Almodóvar-Filme seit Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs fotografiert hat, weiß die ständigen emotionalen Wechselbäder der Figuren besonders stilvoll einzufangen. Das verführerische Dekolleté Raimundas, ihre hübsche Wuschelfrisur, die mystisch geisterhafte Erscheinung Irenes, die komische Mimik Soles serviert er uns wie eine delikate Speise, bei dessen Anblick uns das Wasser im Mund zusammenläuft.
Mit Volver, seinem mittlerweile 16. Film, der auf Deutsch Zurückkehren heißt, kehrt Almodóvar zu vielen Dingen zurück, darunter vor allem zu seinem Frauenuniversum, das er bereits in seinen früheren Filmen so stark in den Vordergrund stellte. Cannes hat die Frauen aus Volver zu Recht mit dem besten Darstellerpreis für ihr grandioses Schauspiel belohnt. Volver ist aber außerdem eine Rückkehr zum Komödien-Genre, nachdem seine letzten Filme – wie etwa La Mala Educación/ Schlechte Erziehung (2004), Sprich mit ihr (2002) und Live Flesh – Mit Haut und Haaren dramatischer Natur waren. Sein jüngster Film ist auch eine Heimkehr in die La Mancha, die Provinz, aus der er selbst stammt. In keinem anderen seiner Filme hat der 56jährige Regisseur so viel Wert auf die Schilderung der Sprache, Sitten und dem Alltagsleben seiner Herkunft gelegt. Bei dieser Auflistung über die Rückkehr sollte auch nicht Carmen Maura in der Rolle der Mutter Irene, die wiederum im Film als Geist zurück kehrt, vergessen werden, mit der er nach 18 Jahren Pause wieder zusammen arbeitet. Die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin war bereits in Almodóvars Debütfilm Pepi, Luci, Bom y otras chicas del montón (1980) und dann in vielen weiteren Hauptrollen seiner Filme zu sehen.
Almodóvar kehrt zurück mit einem großartigen Film, der uns als Zuschauer aufgewühlt und angeregt nach zwei wunderbaren Filmstunden aus dem Kino in den Alltag zurück entlässt.
(Katrin Knauth)
Volver - Zurückkehren schildert das Schicksal der temperamentvollen, aber ebenso höchst sensiblen jungen Raimunda (Penélope Cruz), die alle Hände voll zu tun hat, einen toten Männerkörper verschwinden zu lassen, ein äußerst lebhaftes Filmteam in einem bereits geschlossenen Restaurant spontan zu bewirten und die überraschende Rückkehr ihrer Mutter Irene (Carmen Maura) zu verkraften. Oder ist es nur der Geist ihrer längst verstorbenen Mutter? An solch eine Erscheinung glauben zumindest die abergläubischen Bewohner in ihrem Heimatdorf in der La Mancha. Selbst Raimundas Schwester Sole (Lola Dueñas), die nach der Beerdigung ihrer Tante Paula (Chus Lampreave) das Muttergespenst in ihrem Kofferraum entdeckt, tut sich schwer damit, an die mütterliche Lebendigkeit zu glauben. So wird die Mutter in die Madrider Wohnung, in der Sole einen illegalen Friseursalon betreibt, zunächst als russische Aushilfe ausgegeben und vor Raimunda unter Betten und hinter Duschvorgängen sicher versteckt gehalten – zunächst mit Erfolg, schließlich ist Raimunda viel zu sehr damit beschäftigt, wie sie die in der Kühltrage lagernde Leiche, die ausgerechnet ihr Ehemann Paco (Antonio de la Torre) ist, der aus Notwehr heraus von ihrer pubertierenden Tochter Paula (Yohana Cobo) versehentlich erstochen wurde, beiseite schaffen kann. Kein Wunder, dass Raimunda immer wieder an den Rande eines Nervenzusammenbruchs gerät und ihre sorgfältig aufgetragene Wimperntusche in den sanft kullernden Tränen malerisch verwischt.
Kameramann José Luis Alcaine, der die meisten Almodóvar-Filme seit Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs fotografiert hat, weiß die ständigen emotionalen Wechselbäder der Figuren besonders stilvoll einzufangen. Das verführerische Dekolleté Raimundas, ihre hübsche Wuschelfrisur, die mystisch geisterhafte Erscheinung Irenes, die komische Mimik Soles serviert er uns wie eine delikate Speise, bei dessen Anblick uns das Wasser im Mund zusammenläuft.
Mit Volver, seinem mittlerweile 16. Film, der auf Deutsch Zurückkehren heißt, kehrt Almodóvar zu vielen Dingen zurück, darunter vor allem zu seinem Frauenuniversum, das er bereits in seinen früheren Filmen so stark in den Vordergrund stellte. Cannes hat die Frauen aus Volver zu Recht mit dem besten Darstellerpreis für ihr grandioses Schauspiel belohnt. Volver ist aber außerdem eine Rückkehr zum Komödien-Genre, nachdem seine letzten Filme – wie etwa La Mala Educación/ Schlechte Erziehung (2004), Sprich mit ihr (2002) und Live Flesh – Mit Haut und Haaren dramatischer Natur waren. Sein jüngster Film ist auch eine Heimkehr in die La Mancha, die Provinz, aus der er selbst stammt. In keinem anderen seiner Filme hat der 56jährige Regisseur so viel Wert auf die Schilderung der Sprache, Sitten und dem Alltagsleben seiner Herkunft gelegt. Bei dieser Auflistung über die Rückkehr sollte auch nicht Carmen Maura in der Rolle der Mutter Irene, die wiederum im Film als Geist zurück kehrt, vergessen werden, mit der er nach 18 Jahren Pause wieder zusammen arbeitet. Die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin war bereits in Almodóvars Debütfilm Pepi, Luci, Bom y otras chicas del montón (1980) und dann in vielen weiteren Hauptrollen seiner Filme zu sehen.
Almodóvar kehrt zurück mit einem großartigen Film, der uns als Zuschauer aufgewühlt und angeregt nach zwei wunderbaren Filmstunden aus dem Kino in den Alltag zurück entlässt.
(Katrin Knauth)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Volver – Zurückkehren
Produktionsland:
Spanien
Produktionsjahr:
2006
Länge:
120 (Min.)
Verleih:
Tobis
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
03.08.2006
CAST & CREW
Regie:
Pedro Almodóvar
Hauptdarsteller:
Penélope Cruz, Carmen Maura, Lola Dueñas, Blanca Portillo, Yohana Cobo
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 5 von insgesamt 18)
Von: Petra am: 11.02.07
Ich sehe die Filme von Almódovar sehr gerne, weil sie dem Zuschauer etwas mehr abverlangen als die sehr vorhersebare Ware aus USA. Dieser film hat mir sehr gut gefallen, die Darsteller waren toll, der Film bewegend und sehr gut gemacht. Allerdings eher ein Film für Frauen.
Von: Didi am: 04.11.06
Handwerklich und inhaltlich sehr gut gemachter Film!
Von: Kathrin S. am: 22.10.06
Die Rezension des Filmes ist - typisch - die einer Frau. Die übliche sexistische Komponente wird natürlich toleriert (Männer= Idioten, außerdem Vergewaltiger - also hat man so die Geschichte konstruiert, daß Gewalt und Demütigung an Männer ok ist...) wichtig sind sonst nur Frauen! Ich schäme mich dafür, daß von Feministinnen jeder Film kritisiert wird, bei dem "das Frauenbild" negativ ist - aber in einer Doppelmoral - Männer natülich ziemlich beschissen abschneiden dürfen.... - Arme Sexistinnen!
Von: Eberhard Siegl am: 29.09.06
Etwas surrealistischer typisch europäischer Film, der wenig vom Hollywood einerlei hat, von den Schauspielerinnen sehr gut umgesetzt. Frau Gruz manchmal etwas zu glatt, deshalb auch nur 5 von 6 Punkten.
Von: antonia am: 19.09.06
Witziger, zum Nachdenken anregender und teilweise melancholischer Film der es nicht auf Kids mit Filmgeschmack á la "Verrückt nach Mary" abgesehen hat, sondern zeigt, wie ernste, traurige Situationen mit viel Lebenswillem und Humor gemeistert werden können.
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