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Originaltitel: Så meget godt i vente
Kinostart: 19.03.2015
FSK: o.Al.
Genre: Dokumentarfilm
Tags: Bürokratie, Bauernhof, Landwirtschaft, Nahrungsmittel, Nachhaltigkeit

Ein Biobauer aus Leidenschaft

Der Dokumentarfilm von Phie Ambo porträtiert einen 79-jährigen dänischen Biobauern, der seinen Hof aus purer Leidenschaft bestellt. Der gelernte Diplom-Ingenieur Niels Stokholm hält auf seinem idyllischen Anwesen nördlich von Kopenhagen unter anderem das vom Aussterben bedrohte Rote Dänische Milchrind. Als einziger Landwirt Dänemarks richtet er die Viehhaltung an den Urinstinkten der Rinder aus. Die Kühe werden nicht enthornt, die Kälber bleiben sechs Monate bei der Herde. Niels und seine Frau Rita beliefern mit ihren Produkten anspruchsvolle Kunden wie das Kopenhagener Zwei-Sterne-Restaurant Noma. Und doch zeigen sich Risse im Paradies: Ausgerechnet seine Grundsätze in der Tierhaltung bringen Niels Probleme mit den Bio-Kontrolleuren ein, die zum Teil andere Richtlinien befolgt haben wollen. Niels hat massive finanzielle Sorgen und noch niemanden gefunden, der sein Lebenswerk in seinem Sinne fortführt.

Die biodynamische Landwirtschaft, die auch Niels praktiziert, besitzt in Öko-Kreisen einen guten Ruf. Niels spricht von seinem Hof als einem Kreislauf des Lebens, zu dem alle Wesen beitragen, vom Regenwurm bis zur Kuh. Auch der Einfluss des Mondes und der Sterne spielen in dieser von den Lehren Rudolf Steiners geprägten Richtung eine große Rolle. Aus naturwissenschaftlicher Sicht klingt darin einiges nach Hokuspokus, etwa wenn es um den Einfluss des Geistigen auf die Erde geht oder um das Ausstreuen von Feldpräparaten, die aus in Kuhhörnern kompostiertem Dung bestehen. Wie dem auch sei, der Qualität des angebauten Gemüses und der Viehhaltung schadet dieser theoretische Überbau nicht, denn er geht einher mit viel Hingabe und Sorgfalt bei der Arbeit. Das merkt man auch, wenn Niels mit seinen Kühen spricht oder ehrfürchtig erklärt, wie wichtig Regenwürmer für einen gesunden Boden sind.

Die Filmemacherin drückt ihre Bewunderung für die Arbeit des alten Bauern aus, indem sie aus den Aufnahmen ein intensives Genusserlebnis komponiert. Wiederholt gibt es zu andächtiger Chormusik einen Bilderreigen, der etwa den Sternenhimmel, Insekten und Regentropfen in Nahaufnahme, die Rinder auf der Wiese im Wechsel der Jahreszeiten, die Heuernte zu einem Gesamteindruck vereint. Das ist zwar eindeutig verklärend, aber man kann sich an dieser gepflegten und doch natürlichen Pracht, an den Einzelheiten dieses vorbildlichen Biotops, in dem auch die Nachtigall singt, kaum sattsehen.

Diese betörende visuelle Sinnlichkeit aber ist nur ein Aspekt des beobachtenden Films. Gerade weil dieser Bauer mit Idealismus ans Werk geht, hat er auch massiven Ärger. Sein Hof wird wiederholt von unangemeldeten Bio-Kontrolleuren aufgesucht, die etliches beanstanden: Die Kühe stehen im Stall angebunden, sie sind schmutzig, sie haben kein Wasser. Niels kann das alles plausibel erklären. Er glaubt, dass seine Prinzipien eher den Bedürfnissen der Rinder entsprechen. Zwar besteht bei längerer Betrachtung kaum ein Zweifel, wie gut es seinen Tieren geht. Aber das Gericht verhängt eine Geldstrafe und Niels ist erleichtert, dass ihm nicht gleich die Erlaubnis zur Viehhaltung entzogen wird.

Auch in der Bio-Landwirtschaft, das wird in diesem Film deutlich, herrscht nicht immer Einigkeit über den richtigen Weg. Es gibt konkurrierende Modelle, oder Konflikte zwischen Tradition und neuen Umweltschutzbestimmungen. Niels aber ist ein dickköpfiger Mann, der sich nicht reinreden lassen will. Die Fesseln, die ihm die Außenwelt anlegen will, trüben sein Glück im selbstgeschaffenen Paradies. Die Diskussion über die richtige Landwirtschaft im Spannungsfeld von Tradition und Fortschritt, von Freiheit und Reglementierung interessiert immer mehr Menschen. Dieser schöne Dokumentarfilm regt dazu an.

(Bianka Piringer)

Daten & Fakten

Produktionsland: Dänemark
Produktionsjahr: 2014
Länge: 100 (Min.)
Verleih: mindjazz pictures
Kinostart: 19.03.2015

Cast & Crew

Regie: Phie Ambo
Drehbuch: Phie Ambo
Kamera: Phie Ambo, Maggie Olkuska
Schnitt: Anna Heide
Musik: Jóhann Jóhannsson

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