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Ultranova

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4.2 Sterne aus 5 Bewertungen

Kinostart: 05.01.2006

Und plötzlich macht es BUMM!

Eine Supernova bezeichnet den Tod eines Planet durch einen Knall, es macht Bumm und der Stern hört auf zu existieren. Auch in Ultranova explodiert hin und wieder etwas, zumeist Airbags, die ohne Grund ein seltsames Eigenleben entwickeln. An sich kein größeres Unglück, sondern eine kleine technische Panne, eine Unvorhersehbarkeit. Doch in Bouli Lanners Debütfilm, der im vergangenen Jahr mit großem Erfolg in der Panorama-Sektion der Berlinale lief, deuten die Hauptpersonen das als ein Zeichen, dass sie sich auf einem falschen Weg oder – wenn man beim Bild der Planeten bleiben will – auf der falschen Umlaufbahn befinden.

Dimitri (Vincent Lecuyer) hat einen guten, sprich: anständigen Job: Der introvertierte und etwas träumerische junge Mann vertickert zusammen mit zwei Kollegen (Vincent Berlogey und Michaël Abiteboul) einsam gelegene Häuser in der trostlosen Gegend rund um Liège. Eigentlich ja keine schlechte Arbeit, doch angesichts der Tristesse um ihn herum droht er den Verstand zu verlieren. Das würden ihm seine Kollegen übrigens bedenkenlos zutrauen, denn sie vermuten abwechselnd hinter seinem zurückgezogenen Verhalten entweder ein schweres familiäres Schicksal oder sexuelle Perversionen – immerhin befinden wir uns in Belgien. Ablenkung bieten nur die Frauen, die sich für Dimitri interessieren, die kleinen Sticheleien unter Kollegen, die Kneipenbesuche und ab und an eine merkwürdige kleine Randepisode. So plätschert das Leben dahin und endet mit genau dem Knalleffekt, mit dem die Geschichte ihren Ursprung nahm. Der Himmelskörper hat seine Umlaufbahn absolviert und steht wieder dort, wo er am Anfang war. Der Kreis ist geschlossen, das Leben geht weiter...

Ultranova ist kein einfacher Film, denn eigentlich passiert kaum etwas in dem fein beobachteten Werk, dessen Melancholie und Absurdität durchaus gefangen zu nehmen weiß. Es sind viele kleine Episoden, viele beiläufige Beobachtungen, die sich zu einem atmosphärischen, feinen Flickenteppich zusammensetzen, und die dem Film seinen ganz eigenen Tonfall geben. Die herumziehenden Verkäufer und die Tristesse der Landschaft erinnern streckenweise an das österreichische Roadmovie Indien, aber aufgrund der Herkunft und der Menschen auch an die Filme der Brüder Dardenne, mit denen Bouli Lanners nicht nur die Herkunft aus der Wallonie, sondern auch das unübersehbare Interesse an sozialen und gesellschaftlichen Bedingtheiten teilt. Anders als diese aber bewertet Lanners das merkwürdige Verhalten seiner Figuren nicht, sondern überlässt das dem Publikum. Ein sehr merkwürdiger, stilistisch brillanter und sehenswerter Film für Kinogänger, die auch gerne mal auf eine stringent erzählte Story verzichten können, um sich dem ruhigen und befremdlichen Fluss der Dinge zu überlassen.

Daten & Fakten

Produktionsland: Frankreich, Belgien
Produktionsjahr: 2004
Länge: 86 (Min.)
Verleih: Peripher
Kinostart: 05.01.2006

Cast & Crew

Regie: Bouli Lanners
Hauptdarsteller: Vincent Lecuyer, Hélène de Reymaeker, Marie du Bled, Michaël Abiteboul, Vincent Berlogey

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