Waffenstillstand - Trailer
In einer globalisierten und von Medien geprägten Welt kann man dem Krieg nicht entkommen - ganz gleich, ob sich eine Nation wie Deutschland nun daran beteiligt wie im Falle Afghanistans (auch wenn man davor zurückschreckt, das Wort "Krieg" überhaupt in den Mund zu nehmen) oder eben nicht wie im Irak-Krieg.
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Waffenstillstand
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
2009
Länge:
102 (Min.)
Verleih:
3L Filmverleih
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
01.04.2010
CAST & CREW
Regie:
Lancelot von Naso
Kamera:
Felix Cramer
Musik:
Oliver Thiede
Hauptdarsteller:
Thekla Reuten, Matthias Habich, Hannes Jaenicke, Max von Pufendorf, Husam Chadat
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 2 von insgesamt 2)
Von: Tom Saalig am: 04.04.10
Schon lustig, wie zielsicher hier mal wieder ein deutsche Filmkritiker daneben liegt. Der Film von " Waffesntillstand" ist leider nichts weiter als eine harmlose, politisch korrektes TV Seifenoper,die brav nach Schema F vorgeht und eine simples, vorhersehbares, moralisierendes Märchen über böse Amis, gute Ärzte und Journalisten im Zwiespalt erzählt. Gähn.
Ausserdem rein handwerklich gesprochen: Hanebüchene, hölzerne Dialoge, Fernsehästhethik und Fernsehdramaturgie. Sicher, ein amobitionierter Film.
Vor dieser Leistung des Regisseurs und Teams muss man auch Respekt haben. Trotzdem...leider....
nur ein gutgemeinter Film, kein guter Film.
Diesen Unterschied werden die meisten deutschen Kritiker leider niemals kapieren.
Da ist mir persönlich jeder Coming of Age film als Debüt lieber, denn diese entstammen wenigstens ehrlichen, persönlichen Erfahrungen und sind nicht wie beispielsweise auch Florian Gallenbergers Filme von einer unerträglichen deutschen Gutmenschlichkeit mitsamt eingebautem erhobenen Zeigefinder bestimmt.
Von: hb am: 20.03.10
Für die einen der große Abenteuerspielplatz, für die anderen Endstation ihres Idealismus - "Waffenstillstand" zeigt Menschen und die unterschiedliche Motivation ihrer Involvierung in den Krieg und seine Schauplätze.
Da treffen sie aufeinander mitten im Nirgendwo: der deutsche TV-Reporter Oliver (Max von Pufendorf), sein Kameramann Ralf (Hannes Jaennicke), Kim, Krankenschwester und verantwortlich für eine Hilfsorganisation (Thekla Reuten) und Alain, ein französischer Arzt (Matthias Habich). Es ergibt sich die Gelegenheit, während eines angeblichen 24-stündigen Waffenstillstands zusammen in das belagerte Falludsacha zu fahren: es gibt keine Genehmigung, keine Papiere, keinen offiziellen Weg und letzlich auch keine Garantie für gar nichts.
Aber keiner der Beteiligten möchte das so ganz genau wissen, jeder hat seine eigene kleine Geschichte, weshalb diese Fahrt unbedingt stattfinden muss: Oliver möchte seine Exklusiv-Story in den Weltmedien und groß damit herauskommen (nebenbei hat er ein Auge auf Kim geworfen), Ralf läuft Gefahr, als Kameramann ausgebootet zu werden und als Maulheld Renommée zu verlieren, Kim hat Freunde und Patienten im Krankenhaus in Falludsacha, die ohne Medikamente und Hilfe von außen sterben würden, Alain hat sich der ärztlichen Ethik verschrieben (weiß aber längst, dass sein ganzer Einsatz nur der eine Tropfen Wasser auf den heißen Stein eines ganzen Felsgebirges meint und er physisch und psychisch daran zugrunde geht).
Und so starten sie, heraus aus der relativ sicheren Unwirklichkeit ihrer militärgeschützten Enklave hinein in die Realität eines kriegsgeschüttelten Landes jenseits davon, beteuern sich beständig gegenseitig, dass schon alles gut gehen würde und erleben letztlich, dass Wunsch und Wirklichkeit verdammt weit auseinander klaffen können.
Es ist kein Film, der den Anspruch erhebt, umfassend zu berichten. Vielmehr entsteht seine Dichte und bedrückende Spannung durch den engen Blick der Kamera im Auto, die selbst Ausblicke nach draußen reduziert auf den Blickwinkel der Protagonisten. Wenn es plötzlich donnert und scheppert, das Auto bebt und Lichtblitze ins Innere zucken, sieht man sich inmitten einer unmittelbaren Detonation, weiß aber absolut nicht, ebenso wenig wie die Gruppe im Auto, was los sein könnte, ob man selbst gemeint war, etwa verfolgt wird, nur zufällig mit getroffen wurde, ob jemand verletzt wurde, ob man weiter kann, ob das das Ende ist.
Die Kamera folgt den Augen, dem Entsetzen in den Gesichtern, den langsam entgleisenden Gesichtszügen: seltsam, Krieg ist kein Spiel, nichts, das man technisch oder logistisch schon handlen kann, wenn man nur will. Nichts, bei dem man quasi von außen, als Helfer oder Beobachter, wie in einem Videospiel seine Figur vorwärtsbewegen und "sinnvoll" agieren lassen könnte. Nichts, das gesteuert werden könnte.
In meinen Augen ist es die besondere Stärke des Films, ganz ohne weitere Kommentare, ohne Wertung, ohne Zukunftsausblick, zu zeigen, dass Krieg seine eigenen (bitteren und nicht steuerbaren) Gesetzmäßigkeiten hat, dass egal, welche Motivation den in ihn verwickelten Charakteren auch zugrunde liegen mag, sie alle nur als kleine Rädchen einer undurchschaubaren Maschinerie aus vielfältigen Interessen dienen.
Und in diesem Sinne wünsche ich dem Erstlingswerk Lancelot von Nasos viele wache Augen, aufmerksame Zuschauer und eine breite Resonanz - es könnten ohne weiteres noch weitere Filmpreise dazukommen, der Film hätte es verdient!
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