KlassenLeben - Trailer
Luca, Marwin, Dennis, Johanna, Christian und 15 andere Kinder treffen sich zum Halbjahresbeginn in der Berliner Fläming-Schule.
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
KlassenLeben
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
2005
Länge:
87 (Min.)
Verleih:
Piffl Medien
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
01.09.2005
CAST & CREW
Regie:
Hubertus Siegert
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Rainer Döhle am: 30.08.05
Ein wirklich sehenswerter Film. Nicht, weil er ein Hohelied auf das Integrationsmodell singen und unkritisch Erfolge mit glücklichen Kindern und Lehrern abbilden würde, denn das tut er nicht. Ja, gezeigt werden immer wieder die spontanen, mal altklugen, mal charmant-naiven Kommentare, die wir alle an Kindern, egal ob behindert oder nicht, so lieben. Gezeigt werden aber auch die realen Konflikte. Da ist ein in Tränen aufgelöster Junge, der das schlechte Zeugnis nicht verkraftet und den man erst überreden muss, deswegen nochmal mit der strengen Lehrerin zu reden - eine andere Schülerin plaudert von ihrem Traum, in dem sie sich wünscht, sie würde selbst morgens als Lehrerin aufwachen und diese ihrerseits als Schülerin, der sie dann harten Sportunterricht aufbrummen würde; da wird gezeigt, wie mühsam an Referaten gearbeitet wird und es bei manchem ohne Spickzettel nicht gehen will; und es bleiben Sätze haften, wie "Man weiß ja nicht, wie lange sie noch leben wird", gesprochen von einer Fünftklässlerin über die schwerstkranke Freundin im Rollstuhl, die von den Kindern behutsam gestreichelt wird. Und dazwischen hundert kleine, aber treffende Szenen, Running Gags, auch viel Rührendes, wie das Mädchen, das mit einem Jungen am Kichern ist, sich herrlich mit ihm versteht, aber der Kamera gegenüber beteuert, dass das ja nichts wirklich Ernstes sei. Schließlich sieht man am Ende auch die strenge Lehrerin auftauen und die Kinder umarmen und man begreift, das alle Beteiligten nicht nur viel gelernt haben, sondern dass sie gereift sind, eine Gruppe geworden sind. Das alles kommt wunderbar ohne jede Bemühtheit, ohne Belehrung und gute Absicht daher, dass man am Ende gar nicht mehr hinschaut, wer ist nun eigentlich behindert und wer nicht, weil es nicht wirklich eine Rolle spielt.
In einer Diskussion zum Film hat der Regisseur verdeutlicht, welche Arbeit hinter diesen gut 90 Minuten Film stecken, die natürlich aus einem viel umfangreicherem Material komprimiert werden musste - man sieht dem Film die Mühe nicht an. Auch hat Siegert den ästhetisch-künstlerischen Aspekt betont und gesagt, weil er auf eine bestimmte Dramaturgie hingearbeitet habe, sei der Film im eigentlichen Sinn nicht realistisch. Ich sage: Doch, das ist er. So, wie auch unsere eigene Schulzeit in wenigen bleibenden Bildern in unseren Köpfen steckt, so sieht man auch hier das Wesentliche. Nichts ist gestellt, alles ist so gesagt und erlebt worden. Und trotzdem bleibt es in jedem Wortsinn ein offener Film. Ein Film, in dem sich die Kinder, wie selbstverständlich öffnen. Ein Film ohne Happy End - man kann sich als Zuschauer selbst ausmalen, wohin der Weg der Kinder wohl gehen mag. Und auch die Frage, was von einem solchen Schulmodell zu halten ist, wird nicht vorgefertigt beantwortet. Alles eben genau wie im Leben.




