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Die vergessene Armee - Trailer

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Die vergessene Armee - Trailer (deutsch)

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TRAILER & CLIPS ZU "Die vergessene Armee"

Mit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) fand auch die Nationale Volksarmee (NVA) ihr Ende. Doch bis heute halten Veteranen das Gedenken an die NVA hoch, feiern Jahrestage einer längst untergegangenen Truppe. Regisseurin Signe Astrup hat "Die vergessene Armee" besucht, ihren Mitgliedern bei Übungen über die Schulter geblickt und dabei belustigende bis beängstigende Einblicke in eine Parallelgesellschaft erhalten.

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Von: Volkmar Sauerzapf am: 10.06.17
Da mir diese Thematik schon seit langem am Herzen liegt, habe ich mich nach einigem Zwiespalt mit mir selber dazu entschlossen, jene Beweggründe für das festhalten an den Traditionen der NVA Außenstehenden auf diesem Weg zu vermitteln. Ich habe Frau Signe Astrup vor einigen Jahren auf zwei unserer Kammeradschaftstreffen als filmende Interessentin unserer in sich geschlossenen Parallelwelt kennengelernt. Es ist durchaus zutreffend, dass viele von uns Ihr anfangs gegenüber distanziert wirkten, weil mehrheitlich die Erfahrung regierte, dass wir wieder nur ein propagiertes Klischee der Medien bedienen sollten. Da Frau Astrup aber eine gewisse Beharrlichkeit bezüglich Ihres Interesse bewies, wurde Sie nach vorübergehend ablehnender Distanz dann doch akzeptiert und in Folge als ein geduldeter Schatten integriert. Das die einstigen Soldaten der NVA mehrheitlich Ihr gegenüber nicht sonderlich redselig auftraten ist den beschriebenen Erfahrungen geschuldet. Aber es gab durchaus einige von uns die sich etwas tiefgehender zu dieser Thematik geäußert hätten, nur wurden diese Kameraden nicht wirklich gesucht! Das mag in der bewussten Zurückhaltung von Frau Astrup begründet sein, aber mit etwas mehr Beobachtung am Menschen hätte man diese Männer sehr gut erkennen können. Ich sage dies, weil es unter uns Protagonisten nämlich auch unübersehbare Unterschiede gibt! Mit dem Ende der DDR verschwand praktisch über Nacht die NVA und damit wurde die Lebensleistung eines sehr großen Anteils der DDR Bevölkerung in Frage gestellt. Diese Lebensleistung ließ sich für die Angehörigen der bewaffneten Organe der DDR nicht in materieller Sicht darstellen. Wie sollte man denn auch eine ideell motivierte und politisch verinnerlichte Lebensleistung werten, wenn deren Bezugsgrundlage der heranzuziehende Staat, die DDR, nicht mehr existiert? Es kann also nicht verwundern das diese Menschen eine andere Auftretensweise leben, als westlich geprägte Bürger der BRD. So wurde die Suche nach Akzeptanz und Wertschätzung zum geschlossenen Kreis einer vergessenen aber oft auch diffamierten Bevölkerungsgruppe, die Ihr geschichtliches Wirken ganz anders versteht, als es heute interpretiert und dargestellt wird! Das sich die Mehrheit von uns nicht von der sozialistischen Prägung distanziert liegt einfach daran, dass wir wirklich von deren Richtigkeit und größeren sozialeren Gerechtigkeit überzeugt sind! Das scheitern der untergegangenen sozialistischen Staaten betrachten wir als einen politischen Versuch einer neuen Gesellschaftsordnung, dessen Gestaltung leider ökonomischen Zwängen zum Opfer fiel, die nicht grundsätzlich im sozialistischen Wirtschaftssystem zu suchen sind! Die Ursachen dafür sind so komplex, dass ich hier nicht darauf eingehen will, weil sonst jeglicher Rahmen des eigentlichen Themas, nämlich der des Films, gesprengt wird! Natürlich tragen wir bei unseren Treffen einen unübersehbaren Stolz mit uns, denn der Dienst in der NVA war so ziemlich das Härteste was ein junger Mann der DDR in seinem Leben absolvierte. Die Ausbildung in unserer Armee war physisch und psychisch außerordentlich belastend, denn die extrem hohe Gefechtsbereitschaft und die überaus realitätsnahe Gefechtsausbildung erforderte dies! Urlaub und Ausgang gab es nicht selten für viele unserer Soldaten erst nach 6 Monaten, weil die Gefechtseinteilung oder der Dienst im Diensthabenden System der Luftverteidigung-Luftstreitkräfte, oder auch in den Einheiten der Truppenluftabwehr der Landstreitkräfte dies nicht ermöglichte. Der Dienst im Diensthabenden System der Truppenluftabwehr dauerte zu meiner aktiven Dienstzeit durchschnittlich zwei Monate am Stück! Das bedeutete zwei Monate durchgehend andauernden 24 Stundendienst für alle Angehörigen der Flaraketenbatterie, in einem ausgeschanzten separaten Objekt in permanenter Einsatzbereitschaft, die wir B-3 nannten. Der mehrmalige Gefechtsalarm am Tag, der sich meist real begründete, wurde dadurch bedingt zur Routine, obgleich der grundsätzliche Drill bei uns dies ohne dies schon bewirkte! Es darf also heutige Betrachter unseres Kameradschaftsverhaltens nicht wundern, dass wir so oft ein starkes Feindbild erkennen lassen, denn die real erlebte Praxis mit häufig verbundenem Schlafmangel, der wiederholt und besonders in der Nacht agierenden militärischen NATO-Gegner, verursachte dies auch ohne Indoktrination der Politoffiziere! Eigentlich hatte ich als Kommandant einer Flaraketenstartrampe wiederholt ein Problem mit der Übermotivation der mir unterstellten Soldaten, denn diese verstanden gelegentlich nicht automatisch weshalb ein Flugzeug der NATO, welches offensichtlich der Spionage nach ging, von uns nicht abgeschossen wurde. Das dazu ständig die Luftkorridore nach West-Berlin genutzt wurden, war die Normalität im täglichen Dienst. Physikalisch bedingt mussten die Gegner dazu Ihre Flugzeuge in Schräglage bringen, um eine optimale Winkelweite ihrer Spionagegeräte zu bewirken. Das erforderte einen lang gezogenen Kurvenflug, der gelegentlich gewollt oder auch unbeabsichtigt in unserem Luftraum eskalierte, weil sie dabei in Folge ihres Flugmanövers aus dem erlaubten Luftkorridor gerieten. Damit war der Augenblick erreicht, der unser militärisches extrahieren des Gegners aus dem Luftraum der DDR forderte! Bestimmt wurde unser Einschreiten aber immer vom Kommandierenden der GSSD in der DDR. Die ständige auf die Probe Stellung unserer Einheiten durch den realen Gegner bewirkte im Diensthabenden System bei den Soldaten natürlich erheblichen Zusatzstress, der sich dann in einem Feindbild fundamentierte, welches kein Politoffizier besser hätte vermitteln können! So etwas steht den Männern der „Vergessenen Armee“ aber nicht auf die Stirn geschrieben, um Einsicht in die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Männer zu bekommen bedarf es natürlich eines ernsthaften Interesse am Erlebten dieser Soldaten. Vergleichbares ließe sich vielfach schildern. Jede am Gegner real operierende Einheit machte derartige Erfahrungen, bloß möchte das heute niemand hören, weil in Folge dessen das projizierte Bild der NATO entblößt und in Frage gestellt wird! Bei einem meiner ersten Treffen mit unserer Kameradschaft fragte ich einmal einen Stabsgefreiten unserer Fallschirmjäger nach seinen diesbezüglichen Erfahrungen. Der Antwortete für mich überraschend unerwartet mit einer Beschreibung, die kürzer und trefflicher nicht umschrieben werden könnte! „Weißt du, mich haben die Ausbilder in meiner Grundausbildung zum Fallschirmjägern erst einmal physisch und psychisch gebrochen.“Und er setzte nach mit der Anfügung, „nur so konnte ich danach erfahren was ich wirklich zu leisten vermag und psychisch aushalten kann.“ Er sagte ergänzend dazu, „dass war völlig in Ordnung so und ging auch nicht anders!“ Pioniere der NVA schilderten mir ihre Ausbildung als eine einzige Schinderei, bei der es scheinbar nur einen permanenten Gegner gab, und das war die Stoppuhr, was diesbezüglich für die Ausbildung aller technischen Einheiten der NVA zutrifft. Dazu muss man erklären, dass eine Motorisierte Schützendivision bzw. eine Panzerdivision der NVA für das überqueren eines 200 Meter breiten Wasserhindernis lediglich 4 bis maximal 5 Stunden benötigten, welche auch den Bau der dazu benötigten Pontonbrücken beinhalteten! Die extreme Härte gegen sich selber war allgegenwärtige Grundlage einer effizienten, gefechtsnahen Ausbildung in der gesamten NVA. So erreichte die NVA Anfang der achtziger Jahre einen Ausbildungs- und Ausrüstungsstand, der ohne Übertreibung dem Vergleich mit einer sowjetischen Armee standhielt. In der Konsequenz brachte uns das nicht nur die aufrichtige Achtung unseres sowjetischen Verbündeten ein, sondern damit verbunden wurde unserer militärischen Führung auch ein größeres Maß an eigenverantwortlich strategischer und taktischer Planung für den Fall X übertragen! Im Falle eines aufgezwungenen Krieges, hätte die NVA präventiv als Teil der unmittelbaren ersten Verteidigungslinie der sowjetischen Gardearmeen, ihre militärische Schlagkraft mit überaus nachhaltiger Effizienz zur Wirkung gebracht! Alleine an 4 von 6 Stoßkeilen gegen das zu erwartende Gefechtsfeld der NATO Verbände im Norden der damaligen BRD, hätte die 5. Armee der NVA maßgebend mitgewirkt. Vergleichbares gilt für die 3.Armee der NVA zum damaligen Mitteldeutschland. Das es zu einer solchen Eskalation damals nie kam lag nicht zu Letzt daran, dass im sozialistischen Lager ein Krieg mit der NATO keine Option darstellte, und Kriege als Mittel der Außenpolitik der DDR grundsätzlich nicht gewollt waren! So setzten wir den von unserer Regierung befohlenen militärischen Auftrag mit unseren Mitteln und Möglichkeiten praktisch um. Jede Armee ist ein Instrument der politischen Macht, im Konkreten also die des Staates! Damit ist das Wirken jeder Armee die Umsetzung der politischen Macht mit militärischen Mitteln! Wir haben also unsere ureigenste Aufgabe, den Schutz unseres Staates DDR, professionell und mit Leidenschaft erfüllt. Weshalb sollten wir heute dazu eine distanzierte Auffassung haben? Wir sind sehr Stolz auf die von uns mit bewirkte Weltgeschichte. Auf 40 Jahre Frieden in Europa, die es ohne uns zweifellos nicht gegeben hätte. Wir sind auf einen historischen Fakt Stolz, nämlich Angehörige der einzigen deutschen Armee in der bisherigen Geschichte der deutschen Nation zu sein, die niemals einen Krieg geführt haben, oder einen bewaffneten Einsatz im Ausland durchführten. Dabei möchte ich anmerken, dass kann die Bundeswehr der BRD nicht von sich sagen, denn deren Dienstherr hatte bewiesener Weise vielfach andere politische Zielvorgaben von dieser Armee verlangt und bedienen lassen! In diesem Zusammenhang möchte ich auch anmerken, dass gelegentlich Reservisten der Bundeswehr zu uns Kontakt suchen um an unseren Unternehmungen selber mit teilzunehmen. Deren Umtriebigkeit resultiert im Grunde in der Suche nach dem verschwundenen elitären Gegner, die jene dann in diesem Zusammenhang in ihrer eigenen Biografie bestätigt. Auch in unseren Reihen führt dieses Phänomen zur kuriosen Erscheinung, die sich darin zeigt, dass heute zahlreiche NVA Veteranen in einer Uniform der Fallschirmjäger der NVA auftreten, ohne je in dieser oder einer vergleichbaren Einheit selber gedient zu haben. Da spielt natürlich auch ein verzerrtes Selbstbildnis eine Rolle, in dem sich jene in einem Bild sehen möchten, dass sie nach ihrem Verständnis aufwertet, obgleich so ein elitärer Mythos in unserer Armee ausdrücklich nicht angestrebt wurde. Vielmehr galt bei uns die Erkenntnis, dass das Zusammenspiel des gesamten Orchesters erst den hervorragenden Klangkörper bewirkt. Aber da entfaltet selbst in unseren Reihen das Ego der Individuen eine der amerikanischen Filmindustrie nachgesagte Wirkung. Und da sind dann auch noch die im Film agierend, besonders forschen Komparsen, welche uns gedienten NVA Soldaten vor Scham in den Boden versinken lassen, weil eine vermeintliche „Ehrenkompanie“, die erkennbar nicht einmal die Zugstärke erreicht, Zeremonien des Exerzierens vorführt, die in ihrer Fehlerhaftigkeit den Dilettantismus auf die Spitze treibt. Ich versichere jedem Betrachter dieses Films, die in dieser Darstellung erkennbaren Personen können niemals die Routine in der Umsetzung der DV 010/0/001 erlangt haben, denn das Dargebotene kommt einer Vergewaltigung dieser Exerziervorschrift gleich. Warum die Filmemacherin Frau Astrup ausgerechnet diesen Zauber in den Film platzierte und realistische Wiedergaben, die vielfach in der Kaserne in Lenin exakt und routiniert praktiziert wurden aus dem Film schnitt, bleibt Ihr Geheimnis. Derartiges brauchen unsere Soldaten nun wirklich nicht intensiv üben, dass beherrschen wir auch heute noch problemlos! Kurz um, dass offensichtlich präsentierte Wirken der im Film verewigten Personen lässt überwiegend die Suche nach deren tieferen Motivation vermissen, denn jene Erläuterungen von Frau Astrup genügen bestenfalls der Anregung das Gezeigte zu hinterfragen. Aber es war wenigstens mal ein Versuch diesen Teil unserer Geschichte in den betrachtenden Blick der Gegenwart zu fokussieren. Schade das der Film praktisch dann doch bloß die Oberflächlichkeit bedient. Es war aber ein Anfang das Selbstverständnis der Protagonisten der NVA zu ergründen!