The Way Back

Kinostart: 30.06.2011
FSK: 12
Genre: Drama
Leserbewertung:
Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen Filmwecker stellen In Kinoprogramm finden

So weit die Füße tragen

Laufen. Das ist alles, was der sanftmütige Pole Janusz (Jim Sturgess), der Straßengangster Valka (Colin Farrell), der überlegte Amerikaner, der sich nur "Mr. Smith" (Ed Harris) nennt und ihre vier Gefährten tun müssen. Der Gulag liegt hinter ihnen, vor ihnen die Freiheit. Dank der Nacht, einem Schneesturm, einer Stelle im Zaun und vielleicht auch Glück. Doch an so etwas wie Glück wollen die Ausbrecher kaum glauben. Dem sowjetischen Lager sind sie entkommen, Gefangene aber bleiben sie; von der Kälte und dem Schnee Sibiriens, von Hunger, Erschöpfung und Orientierungslosigkeit, vogelfrei für menschliche und tierische Jäger. Über 4000 Kilometer liegen zwischen ihnen und ihrem Ziel. Laufen. Das ist alles, was sie tun können.

Nur wenn die sieben grundverschiedenen Protagonisten von The Way Back zusammenhalten, haben sie eine Chance. Wie verschwindend gering diese ist zeigt Peter Weir an einem Charakter nach dem anderen. Der erste Todesfall ist ein Sieg. Weil ein Tod in Freiheit besser ist als ein Leben in Haft. Nicht einmal die Hälfte der Gruppe übersteht die lebensfeindlichen Bedingungen der Reise, verrät das von Slawomir Rawicz’ Roman inspirierte Drama. Lange galt dessen Erfolgsbuch als Tatsachenbericht. Die Zweifel an der Authentizität unterminieren den Wahrheitsanspruch der um Glaubhaftigkeit bemühten Geschichte, nicht jedoch ihren Reiz. The Way Back ist ein epischer, ein hochdramatischer, vor allem aber ein bildgewaltiger Film. Vielleicht ist dies der Grund, warum es in gewisser Weise auch ein enttäuschender Film ist. Weir fesselt das Publikum durch beeindruckende Kameraaufnahmen, weniger anhand von Handlung oder Charakteren. Ihre Geschichte steht im Schatten der atemberaubenden Szenerie. Nicht nur die Gemeinschaft, auch deren dramaturgische Entwicklung muss sich der Landschaft unterordnen.

Je gewaltiger die Umgebung, desto nichtiger erscheinen die Figuren. Auf dem mächtigen Felsmassiv des Himalaya schrumpfen sie zu ameisengroßen Punkten, der sibirische Eiswind macht sie zu Schemen hinter einem Schleier weißer Flocken. Fast symbolisch wirken die Szenen, in denen sich die zurückgestellte Rolle der Figuren vermittelt. "Die Natur ist euer Wärter und sie ist gnadenlos", beschreibt ein Lagerwächter die übermenschliche Herausforderung, der sich die Gefangenen und die Handlung stellen müssen. Im Rahmen der Geschichte gelingt den Charakteren das schier Unmögliche, dramaturgisch jedoch können sie nicht gewinnen.

Ihre Wandlung ist hauptsächlich physischer Natur. Weir versteckt nicht die körperlichen Spuren, welche die Entbehrungen hinterlassen. Die psychischen Narben indes zeigt er nur selten. Auf die einem Wolfsrudel abgerungene Beute stürzen sie sich wie ausgehungerte Tiere, Kannibalismus wird zu einer greifbaren Alternative zum Hungertod. Die seelische Verrohung der Lagergefangenen, die unter unmenschlichen Bedingungen kaum vermeidbar ist, wird relativiert durch Janusz´ Sanftmut und die freundschaftlichen Bindungen der Figuren untereinander. Die Beständigkeit ihrer humanen Gesinnung zeigt Weir am deutlichsten und am wenigsten glaubhaft, als die Männer auf Irena (Soirse Ronan) stoßen. Dass sie die ihrerseits traumatisierte junge Frau beschützen, ist auch ein psychologisches Aufbäumen gegen die eigene Brutalisierung durch das System. Indem sie selbst in der Wildnis einen sozialen Ethos aufrechterhalten, scheint den Männern die Rückkehr in die Gesellschaft wahrscheinlicher.

Die verschiedenen Sequenzen zeigen beispielhaft die essentielle Schwäche des Dramas: Die Geschichte bietet ein riesiges Potential an Momenten, die visuell ebenso eindringlich sind wie emotional, und Weir besitzt das Geschick, sie zu inszenieren – nur nutzt er es zu selten. Mehr solcher beklemmender Augenblicke und The Way Back würde das Gefängnis seiner Szenerie sprengen und zu einer bewegenden Charakterstudie in der Tradition von Papillion und Die große Illusion.

So gehört der cineastische Triumph vor allem Kulisse, Maske und den Akteuren, die ihren mageren Rollen trotzen wie die fiktiven Charaktere der Hitze und dem Schnee. Dass mit den Figuren mitunter die Spannung auf der Strecke bleibt, macht die über zweistündige Romanadaption auch für das Publikum zu einer zehrenden Reise. Doch der cineastische Gewinn ist die Strapazen wert.

(Lida Bach)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: The Way Back
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2010
Länge: 132 (Min.)
Verleih: Splendid / Twentieth Century Fox

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 30.06.2011

Trailer

Fotogalerie

 (27 Bilder)

FILMBEWERTUNG

Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.

MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)
Bisherige Kommentare (Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: mike am: 09.04.11
Janusz flieht mit anderen aus dem Gulag und weg vom Komunismus. Auf dem Weg sollen sie sehen, wie sich diese rote Seuche verbreitet. ich vermute, dass zum Schluss des Films er Polen erreicht und merkt, dass der Komusnismus unter sowjetischer Besatzung dort umgestetz wird. Die Freiheit, die Ihm die Flucht bringen soll, wurde in seiner Heimat mit Gewalt geraubt. Ein Drama! Werden wir sehen, ob meine Vermutung stimmte...
   
KINOSTARTS
24.05 The Yellow Sea Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Na Hong-jin
24.05 Janosch - Komm, wir finden einen Schatz! Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Irina Probost
24.05 Moonrise Kingdom Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Wes Anderson
24.05 Act of Valor Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Mike McCoy, Scott Waugh
24.05 Ein ruhiges Leben Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Claudio Cupellini
24.05 Mes - Lauf! Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Shiar Abdi
CANNES 2012
26.05.12 The Taste of Money
26.05.12 Cosmopolis
26.05.12 Mud
25.05.12 A Respectable Family
25.05.12 Room 237
ARTHOUSE TOP 10
Quelle: AG Kino
1. Lachsfischen im Jemen Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
2. Ausgerechnet Sibirien Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 3
3. Ziemlich beste Freunde Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 21
4. Und wenn wir alle zusammenziehen? Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 8
5. Die Kunst zu lieben Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
6. Best Exotic Marigold Hotel Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 11
7. Barbara Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 12
8. Marley Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
9. Our Idiot Brother Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
10. My Week with Marilyn Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 6
Lesercharts TOP 5
1. Moonrise Kingdom Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Wes Anderson
2. Marley Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Kevin MacDonald
3. Frankfurt Coincidences Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Enkelejd Lluca
4. Bar25 - Tage außerhalb der Zeit Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Britta Mischer, Nana Yuriko
5. Hanni und Nanni 2 Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Julia von Heinz
PARTNER