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The Raid

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4 Sterne aus 27 Bewertungen

Originaltitel: Serbuan maut
Kinostart: 12.07.2012
FSK: 18
Genre: Action
Tags: Armut, Gangster, Gewalt, SEK, Sundance 2012, Angriff

Ein Genre-Highlight aus Indonesien

Das hätte sich Gareth Evans auch nicht träumen lassen: Da wird er engagiert, mal eben eine Dokumentation über "Pencak Silat" (ein Sammelbegriff für verschiedene Kampfsporttraditionen der indonesischen Inselgruppe) zu drehen – und plötzlich wohnt er in Jakarta und hat kurze Zeit später mit Merantau (2009) und The Raid (2011) bereits zwei kultverdächtige Martial-Arts-Langfilme am Start. Erster wanderte in Deutschland direkt in die Videotheken. Doch The Raid bekommt erfreulicherweise eine Kinoauswertung. Und das hat er auch verdient, denn die einmaligen Action-Szenen und seine ganz besondere Atmosphäre, machen The Raid zu einem Genre-Highlight.

Gangsterboss Tama (Ray Sahetapy) wohnt im obersten Stockwerk eines Hochhauses. Von dort kontrolliert er seine Geschäfte mit brutaler Hand. Doch damit soll jetzt Schluss sein, findet der hochrangige Polizeioffizier Wayh (Pierre Gruno) – und führt ein Sonderkommando in den Block, um den Boss festzunehmen. Jake (Joe Taslim), der Kopf der Spezialeinheit, hält das für keine gute Idee. Er hat Angst um seine Leute. Und tatsächlich: Kaum im Hochhaus angekommen, werden die Männer bemerkt und sehen sich einer Übermacht von Tamas Schergen entgegen. Bei den brutalen Auseinandersetzungen im Treppenhaus und den Korridoren des Gebäudes erweist sich allerdings der kampferprobte Neuling Rama (Iko Uwais) als große Hilfe. Kann der junge Polizist seine Kollegen aus der Todesfalle retten?

Nein, natürlich nicht. Zumindest nicht alle. Aber auch die Horde Gangster wird ordentlich dezimiert. Oder, um es anders auszudrücken: The Raid ist geradezu ein Schlachtfest, bei dem sich Wayhs Trupp und Tamas Schergen gegenseitig niedermetzeln. Der Film erinnert etwas an ein Computerspiel, bei dem sich die Protagonisten immer weiter bis zum Endgegner durchkämpfen müssen. Einen derart konsequenten, auf Action und pure kinetische Energie reduzierten Film gab es in dieser Form wohl noch nicht. Was sich Evans und seine Choreografen für die Kampfszenen haben einfallen lassen, macht The Raid zu einem Meilenstein des Genres. Mit den verspielten Martial Arts aus China haben die Kampfkünste des Malaiischen Archipels wenig zu tun. Ob mit Schuss- und Stichwaffen oder den bloßen Händen – die Auseinandersetzungen sind hart und direkt und dienen dazu, einen möglichst schnellen Sieg herbeizuführen. Handlung im klassischen Sinne ist hier sekundär, es gilt das Primat der Bewegung.

Doch es sind nicht nur die beinharten Fights und fulminanten Action-Szenen, die mitreißen. Evans zeigt in „The Raid“, dass er durchaus auch ein Händchen für atmosphärische Szenen hat. Sein Film lässt entfernt an das Kino John Carpenters denken, der es hervorragend verstand, die klaustrophobische Enge begrenzter Areale zu inszenieren (man denke beispielsweise an die belagerte Polizeistation in Assault On Precinct 13, das Forschungscamp in The Thing oder die Kirche in Prince Of Darkness). Auch John McTiernans Die Hard könnte Evans als Inspirationsquelle gedient haben. Ab dem Zeitpunkt, als die Gangster das Eindringen der Polizisten bemerken, sind diese ihres Lebens nicht mehr sicher und müssen hinter jeder Ecke mordlustige Gegner fürchten. Das ist sehr spannend gemacht. Evans hat es ebenfalls nicht versäumt mit Tamas Leibwächter, Mad Dog (Yayan Ruhian) – und hier ist der Name wirklich mal Programm –, einen würdigen Antagonisten zu schaffen, der mit Sicherheit in Erinnerung bleiben wird. Die Kämpfe zwischen ihm, Jake, Rama und Andi (Donny Alamsyah) gehören zum Besten, was man in diesem Bereich sehen kann.

Wo das Genre-Publikum jubelt, werden viele Jugendschützer allerdings aufheulen. Offene Brüche, aufgeschlitzte Hälse, eingeschlagene Schädel, zerfetzte Leiber... – ist The Raid zu brutal? Gewaltverherrlichend gar? Darf man das? Ja, man darf und nein, Gewalt wird in The Raid niemals als etwas Positives dargestellt. Gewalt ist in diesem Szenario auch kein Selbstzweck, sondern für alle Parteien die einzige Möglichkeit am Leben zu bleiben – das gilt für die Gangster genauso wie für die Polizisten. Zum Objekt für die Gelüste eines sensationsgeilen Publikums wird keine der Figuren degradiert.

(Björn Helbig)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA, Indonesien
Produktionsjahr: 2011
Länge: 101 (Min.)
Verleih: Koch Media
Kinostart: 12.07.2012

Cast & Crew

Regie: Gareth Evans
Drehbuch: Gareth Evans
Kamera: Matt Flannery
Schnitt: Gareth Evans
Musik: Aria Prayogi, Joseph Trapanese, Fajar Yuskemal
Hauptdarsteller: Iko Uwais, Ananda George, Ray Sahetapy, Pierre Gruno, Yayan Ruhian

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