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The Music Never Stopped

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4.0 Sterne aus 10 Bewertungen

Kinostart: 29.03.2012
FSK: o.Al.
Genre: Drama
Tags: Vater-Sohn-Beziehung, Hirntumor, Gedächtnis, Sundance 2011, Musiktherapie, The Grateful Dead

Wenn Musik die Familie vereint

Der Film The Music Never Stopped erzählt von einer Familie, die wegen Politikstreitereien auseinanderbrach und 20 Jahre später durch Musik wieder vereint wird. Was ein anstrengendes Drama hätte werden können, ist ein großartiger Film geworden.

Die Geschichte beginnt in den 1980er Jahren mit einem sehr kurzen Einblick in den Alltag der Eheleute Henry (J.K. Simmons) und Helen (Cara Seymour). Ein Anruf bringt ihr Leben durcheinander. Ein Arzt teilt der völlig verstörten Mutter mit, dass ihr Sohn Gabriel (Lou Taylor Pucci) als Obdachloser aufgegriffen und ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Gabriel ist kaum ansprechbar - ein Tumor hat ihm das Kurzzeitgedächtnis geraubt.

Durch die Krankheit ihres Sohnes hat das Paar nicht nur mit einem Pflegefall zu tun, sondern auch mit der Vergangenheit. Die Rückblenden erzählen von einer intakten amerikanischen Familie in der Zeit, in der die USA den Krieg in Vietnam führte. Vater und Sohn stritten über Krieg, Frieden und Musik, bis Gabriel das Haus endgültig verließ und den Kontakt abbrach.

Nun, 20 Jahre später, ist Gabriel plötzlich da. Während die Mutter ihren kranken Sohn wieder ins Herz schließt, ist der Vater ebenso sprachlos wie Gabriel. Als Henry seinen Arbeitsplatz verliert, hat er keine Ausrede mehr, die Krankenbesuche aufzuschieben. Seine Frau geht arbeiten, und er muss sich um seinen Sohn kümmern. Langsam erkennt Henry, dass er durch seine autoritäre Art Schuld am Bruch mit seinem Sohn hat. Weil Vater und Sohn einst die Liebe zur Musik teilten, sucht Henry die Musiktherapeutin Dianne Daly (Julia Ormond) auf. Wie ihr gelingt, was den Medizinern versagt blieb, ist eine der beeindruckendsten Szenen von The Music Never Stopped.

Daly legt vorsichtig die Schallplatte auf den Plattenteller und lässt langsam die Nadel herab. Ihr Patient Gabriel sitzt teilnahmslos vor ihr und blickt stumpf ins Leere. Aber als die ersten Töne von All you need is love erklingen, scheint es, als habe jemand einen Schalter in Gabriels lädiertem Kopf betätigt. Er springt auf und schwärmt mit leuchtenden Augen von den Beatles. Daly ist völlig verblüfft. Als sie die Musik stoppt, sitzt Gabriel wieder still auf dem Sofa, wieder führt sein Blick ins Nichts. Mit Musik hat sie den einzig möglichen Zugang zu ihrem Patienten gefunden. Henry nutzt die Songs von Grateful Dead und der Rolling Stones, um sich mit Gabriel auszusöhnen. Wie die beiden aufeinander zugehen, beschert dem Zuschauer traurige, ebenso wie amüsante Momente. Aber das Schicksal schlägt noch einmal zu und macht einem Happy End auf breiter Front einen Strich durch die Rechnung.

Eine zerrüttete Familie, ein Sohn mit Hirntumor und ein Vater ohne Job - was nach einem schwer zugänglichen Film klingt, ist leichter zu verdauen als erwartet. Dass The Music Never Stopped nicht in einem Tränenmeer versinkt oder mit lauten Leinwand-Streitereien anstrengt, liegt an den ausgezeichneten Hauptdarstellern. Vor allem J.K. Simmons und Lou Taylor Pucci spielen ihre Figuren sanft, fast vorsichtig. Die Schauspieler halten sich mit großen Gesten und übertriebenem Pathos zurück und scheinen jeden Satz mit Bedacht zu wählen. Man erkennt, wie behutsam sich der Vater auf den Sohn zubewegt. Das Drehbuch schenkte Gabriel einige Szenen, die ihn zunehmend sympathisch erscheinen lassen. So ist seine Liebe zur Kantinenangestellten Cecia kindlich, sein Verhalten liebenswert.

Regisseur Jim Kohlberg hat die richtige Entscheidung getroffen, sich für die leisen Töne zu entscheiden. Dies wird besonders am Ende deutlich. Kohlberg verzichtet auf eine kitschige Inszenierung des finalen Schicksalsschlags. So mancher Zuschauer wird zwar vor Rührung zum Taschentuch greifen, aber The Music Never Stopped drückt in keiner Szene übertrieben stark auf die Tränendrüse. Die Hits von Grateful Dead, den Rolling Stones und Beatles machen es dem Zuschauer leicht, einen Zugang zu Film und Figuren zu bekommen, so dass man das Kino nicht nur mit feuchten, sondern auch mit leuchtenden Augen verlässt.

(Holger Lodahl)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
Länge: 105 (Min.)
Verleih: Senator Filmverleih / Central Film
Kinostart: 29.03.2012

Cast & Crew

Regie: Jim Kohlberg
Drehbuch: Gwyn Lurie, Gary Marks, Oliver Sacks
Kamera: Stephen Kazmierski
Schnitt: Keith Reamer
Musik: Paul Cantelon
Hauptdarsteller: J.K. Simmons, Julia Ormond, Cara Seymour, Tammy Blanchard, Lou Taylor Pucci

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