Eine Liebe in Flammen
Von wegen "Das waren noch Zeiten". Zwar spielt Michael Winterbottoms neuer, mit Spannung erwarteter Film The Killer Inside Me in einer Zeit, als die Männer noch echte Kerle waren und angesichts holder Weiblichkeit den Hut lüfteten. Derlei gute Umgangsformen sind in dem Film aber eher von sekundärem Belang. Denn in dem Neo-Noir-Thriller nach einem Roman von Jim Thompson geht es eher rüde und ganz und gar nicht wohlerzogen zu.
Nach außen hin ist der Deputy Sheriff Lou Ford (Casey Affleck) der nette Kerl von nebenan, den in der texanischen Kleinstadt Mitte der 1950er Jahre jeder kennt – ein harmloser junger Mann, dem niemand etwas Schlimmes zutraut. Wie es aber um seine Selbstbeherrschung und um seinen wahren Charakter bestellt ist, merkt man (leider) recht schnell. Als Lou den Auftrag erhält, gegen die Prostituierte Joyce (Jessica Alba) zu ermitteln, kommt es zum Streit, in dessen Verlauf der Deputy von der handgreiflichen Dame geohrfeigt wird. Klar, dass Lou so etwas nicht auf sich beruhen lassen kann – er schlägt zurück. Und genau das scheint Joyce zu gefallen. Aus den beiden wird ein (heimliches) Paar, den Lou ist eigentlich mit Amy (Kate Hudson) zusammen. Doch Lou, so merkt man bald, hat brutale Vorlieben beim Sex. Und genau die kann er mit Joyce ausleben. Gemeinsam erpressen die beiden Elmer Conway (Jay Ferguson), den Sohn des lokalen Bauunternehmers Chester Conway (Ned Beatty), den Lou für den Unfalltod seines älteren Bruders Mike verantwortlich macht. Und mit dem verbindet Lou ein besonderes Geheimnis, wie wir später erfahren.
Die Amour fou zwischen Lou und Joyce ist nicht von langer Dauer, denn etwas wirklich und dauerhaft zu lieben, ohne es zerstören zu wollen, entspricht nicht der Vorstellungswelt des Deputy. Und so beseitigt er Joyce auf äußerst brutale Weise. Es ist der Beginn einer Tour de force, an deren Ende mehr als eine Leiche seinen Weg pflastert.
Insgesamt kommt Michael Winterbottoms neuer Film The Killer Inside Me recht unausgegoren daher und besticht eher durch seine ultrabrutalen Bilder als durch erzählerische oder formale Finesse. Auf die Frage, warum einer wie Lou Ford zum sadistischen Killer wird, findet Winterbottom nach Thompsons Willen die älteste und abgeschmackteste Erklärung angewandter Küchenpsychologie – it's all in the family. Schon sein Vater, in dessen Schatten und mit dessen ständiger geisterhafter Präsenz Lou lebt, war einer jener texanischen Kerle, die gern mal Frauen verprügelten. Der Apfel fällt eben auch in diesem Fall nicht weit vom Stamm, so suggeriert es der Film, und hält sich dementsprechend nicht lange auf mit den Opfern. Was auch an der Erzählhaltung liegen mag, die sich auf das Innenleben des Killers bezieht und die die Geschehnisse aus seiner Sicht schildert. Dass Fords Hintergründe und die gesamte Geschichte unverständlich bleiben, liegt aber auch am vernuschelten Südstaatenslang, in dem die Dialoge geführt werden. Offiziell soll das zwar Englisch sein, doch selbst geübte Ohren dürften ihre Schwierigkeiten mit dem Kauderwelsch haben.
So kann man am Schluss froh sein, wenn der sadistische Deputy und die auf wundersame Weise wiederauferstandene Flamme im Feuer ihrer Leidenschaften verbrennen. Immerhin ist dieses Schlussbild von einer Eindrücklichkeit, die man ansonsten (abgesehen von den wirklich üblen Prügelszenen) in diesem Film schmerzlich vermisst. Da wäre deutlich mehr drin gewesen – gerade von einem Regisseur wie Michael Winterbottom, von dem man sich mehr neue Akzente im Genre des Serienkiller-Thrillers erwarten durfte. In Sundance reichte immerhin noch die Brutalität der Bilder, in Berlin hingegen hatte sich der Sturm der Entrüstung bereits wieder gelegt - es blieb die Enttäuschung.
(Joachim Kurz)
Nach außen hin ist der Deputy Sheriff Lou Ford (Casey Affleck) der nette Kerl von nebenan, den in der texanischen Kleinstadt Mitte der 1950er Jahre jeder kennt – ein harmloser junger Mann, dem niemand etwas Schlimmes zutraut. Wie es aber um seine Selbstbeherrschung und um seinen wahren Charakter bestellt ist, merkt man (leider) recht schnell. Als Lou den Auftrag erhält, gegen die Prostituierte Joyce (Jessica Alba) zu ermitteln, kommt es zum Streit, in dessen Verlauf der Deputy von der handgreiflichen Dame geohrfeigt wird. Klar, dass Lou so etwas nicht auf sich beruhen lassen kann – er schlägt zurück. Und genau das scheint Joyce zu gefallen. Aus den beiden wird ein (heimliches) Paar, den Lou ist eigentlich mit Amy (Kate Hudson) zusammen. Doch Lou, so merkt man bald, hat brutale Vorlieben beim Sex. Und genau die kann er mit Joyce ausleben. Gemeinsam erpressen die beiden Elmer Conway (Jay Ferguson), den Sohn des lokalen Bauunternehmers Chester Conway (Ned Beatty), den Lou für den Unfalltod seines älteren Bruders Mike verantwortlich macht. Und mit dem verbindet Lou ein besonderes Geheimnis, wie wir später erfahren.
Die Amour fou zwischen Lou und Joyce ist nicht von langer Dauer, denn etwas wirklich und dauerhaft zu lieben, ohne es zerstören zu wollen, entspricht nicht der Vorstellungswelt des Deputy. Und so beseitigt er Joyce auf äußerst brutale Weise. Es ist der Beginn einer Tour de force, an deren Ende mehr als eine Leiche seinen Weg pflastert.
Insgesamt kommt Michael Winterbottoms neuer Film The Killer Inside Me recht unausgegoren daher und besticht eher durch seine ultrabrutalen Bilder als durch erzählerische oder formale Finesse. Auf die Frage, warum einer wie Lou Ford zum sadistischen Killer wird, findet Winterbottom nach Thompsons Willen die älteste und abgeschmackteste Erklärung angewandter Küchenpsychologie – it's all in the family. Schon sein Vater, in dessen Schatten und mit dessen ständiger geisterhafter Präsenz Lou lebt, war einer jener texanischen Kerle, die gern mal Frauen verprügelten. Der Apfel fällt eben auch in diesem Fall nicht weit vom Stamm, so suggeriert es der Film, und hält sich dementsprechend nicht lange auf mit den Opfern. Was auch an der Erzählhaltung liegen mag, die sich auf das Innenleben des Killers bezieht und die die Geschehnisse aus seiner Sicht schildert. Dass Fords Hintergründe und die gesamte Geschichte unverständlich bleiben, liegt aber auch am vernuschelten Südstaatenslang, in dem die Dialoge geführt werden. Offiziell soll das zwar Englisch sein, doch selbst geübte Ohren dürften ihre Schwierigkeiten mit dem Kauderwelsch haben.
So kann man am Schluss froh sein, wenn der sadistische Deputy und die auf wundersame Weise wiederauferstandene Flamme im Feuer ihrer Leidenschaften verbrennen. Immerhin ist dieses Schlussbild von einer Eindrücklichkeit, die man ansonsten (abgesehen von den wirklich üblen Prügelszenen) in diesem Film schmerzlich vermisst. Da wäre deutlich mehr drin gewesen – gerade von einem Regisseur wie Michael Winterbottom, von dem man sich mehr neue Akzente im Genre des Serienkiller-Thrillers erwarten durfte. In Sundance reichte immerhin noch die Brutalität der Bilder, in Berlin hingegen hatte sich der Sturm der Entrüstung bereits wieder gelegt - es blieb die Enttäuschung.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
The Killer Inside Me
Produktionsland:
USA, Großbritannien
Produktionsjahr:
2010
Länge:
120 (Min.)
VERÖFFENTLICHUNGEN
CAST & CREW
Regie:
Michael Winterbottom
Drehbuch:
Michael Winterbottom, John Curan
Kamera:
Marcel Zyskind
Schnitt:
Mags Arnold
Musik:
Melissa Parmenter
Hauptdarsteller:
Jessica Alba, Casey Affleck, Kate Hudson, Ned Beatty, Simon Baker
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 3 von insgesamt 3)
Von: Dirk am: 12.07.11
Widerlich grausam, weswegen ich abschaltete und sonst nichts über diesen Film sagen kann, ausser, dass ich mir kaum vorstellen kann, wie man sich das als Cutter oder Regisseur x-mal angucken kann. Mir war speiübel und der Schock, der sich keineswegs gut anfühlte, führt nur zu Albträumen. P.S.: Und wenn es Männer gewesen wären, wäre meine Kritik nicht anders ausgefallen. Aber ich finde auch Tarantino-Filme widerlich brutal und verstanden hab ich dessen Mist auch nie.
Von: Loki am: 07.12.10
"An alle die sich diesen Schmutz trotzdem antun möchten"
Furchtbar, immer diese reflexartige Empörung. Wenn in einem Film reihenweise Männer gemeuchelt werden und dabei noch deren Gliedmaßen durch die Luft fliegen ist es großes (Acton)Kino oder ein "echter Tarantino". Wenn die Opfer eines aber hauptsächlich Frauen sind, schießt allen gleich das Moralin ein.
Von Bigotterie muss ich viel eher kotzen.
Von: Friedrich am: 01.09.10
Ekelhaft und schockierend. Flache Story und Low Budget. Es wird gezeigt, wie zwei Frauen totgeschlagen werden und elendig sterben. Für so ein Drehbuch wäre imho höchstens Quentin Tarantino der passende Regisseur gewesen, der wohl nicht ohne Grund ca. 2002 wieder die Finger von dem Werk gelassen hat. Das sich Winterbottom an diesem Werk vergriffen hat, spricht nicht gerade für ihn. An alle die sich diesen Schmutz trotzdem antun möchten: Nehmt eine Kotztüte mit!
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