Horrortrash mit Kultfaktor
Schon seltsam, wie manche Filmemacher auf Ideen für ihre zukünftigen Werke kommen. Irgendwann saß Tom Six mit einem Kumpel bei einem Bier und unterhielt sich über Pädophilie. Sein Freund meinte, die beste Strafe wäre, Kinderschänder an den Hintern eines alten, ekligen Truckers zu nähen. Diese verblüffende Antwort ging Six nicht mehr aus dem Kopf und formte sich bald zu einer Idee. Zusammen mit seiner Schwester machte er daraus The Human Centipede.
Dr. Heiter, urdeutscher Protagonist des Horrorstreifens ist im ein renommierter Chirurg mit Spezialisierung auf das Trennen von siamesischen Zwillingen. Gleichzeitig ist der gute Doktor noch Kunstliebhaber. Seine Leidenschaften verbindet er kunstvoll, in dem er sein Haus in der deutschen Prärie mit Kunstdrucken siamesischer Zwillinge bestückt hat. Doch irgendwann wird er des Trennens überdrüssig und sucht sich ein Hobby zum Ausgleich. Was wäre da geeigneter als das Zusammennähen von Menschen? Praktischerweise klopfen eines Abends zwei eher schlichte amerikanische Touristinnen an die Tür seiner versteckten Villa. Ihr Auto hat eine Panne und sie wollen mal kurz telefonieren. Natürlich kommt alles anders, als die Damen sich dachten und ehe sie Hilfe schreien können, liegen sie semi-narkotisiert in des Doktors privatem Operationssaal. Neben ihnen ein schreiender Japaner. Mit deutscher Pingeligkeit und Liebe zum Detail wird nun den drei schreienden Opfern und dem entsetzten Zuschauer haarklein und akkurat der Operationsplan vorgestellt. Die drei Menschen sollen eins werden und für Dr. Heiter gibt es keinen besseren Weg als sie Mund an After aneinander zu nähen und so eine ganz neue Art der Nahrungskette zu schaffen. Liebevoll nennt er seine Kreation den menschlichen Tausendfüßler. Während man den Ausführungen des Arztes lauscht, kommen sofort zwei Fragen auf: Das macht der doch nicht wirklich (oh doch, er tut es.) und Was passiert danach? Offensichtlich ist die Bewegungsfreiheit drastisch eingeschränkt, wie soll der Film also weiter gehen? Doch er geht weiter, zum Entsetzen von Zuschauer und Opfer.
Der Horror dieses Filmes ist perfide. Natürlich wird es hier und da ein wenig blutig, doch das eigentlich Gruselige ist die Vorstellung (und Umsetzung) der geplanten Operation. Nach Saw und Hostel ist man ja einiges an ekelhaften, schmerzenden Torturen gewöhnt. Das Abartige und zugleich Anziehende an The Human Centipede ist aber nicht die erwartete Verstümmelung der Opfer, sondern die Änderung ihres menschlichen Zustands. Aus drei Entitäten wird eine, die ab da nicht mehr ohne die anderen leben kann und sich sowohl im Aussehen als auch im Auftreten während des Filmes mehr und mehr vom Mesnchlichen entfernt.
Schlimmer noch ist die damit verbunden psychologische Haltung. Die drei Opfer werden ihrer Würde beraubt, ihre Metamorphose ist die ultimative und plastische Darstellung eines Lebens ohne Intimsphäre, in absoluter Abhängigkeit und einer permanent zur Schau gestellten Degradierung. Es ist entsetzlich und hochgradig emotionalisierend, dem Treiben zuzuschauen und man kommt nicht umhin, recht viel zu lachen in diesem Film. Nicht weil er witzig ist, sondern als Abwehrreaktion und als Versuch sich vom Geschehen auf der Leinwand ein wenig zu lösen. Natürlich ist klar, dass einem selbst so etwas nie passieren wird, doch die Grundhaltung, die hinter Tom Six absurder Idee steht, ist keine unbekannte. Die Furcht seine Würde und seine Persönlichkeit zu verlieren, findet sich in Jedem wieder.
Genau das macht diesen Film zu einem hochgradig intelligenten und einzigartigen Horrorfilm: das Spiel mit den tief verwurzelten Ängsten, welches Six durch seine völlig irrsinnig erscheinende Metapher tief in das Herz des Zuschauers bohrt und nicht mehr los lässt. Wer diesen Film gesehen hat, wird noch lange von ihm reden.
(Beatrice Behn)
Dr. Heiter, urdeutscher Protagonist des Horrorstreifens ist im ein renommierter Chirurg mit Spezialisierung auf das Trennen von siamesischen Zwillingen. Gleichzeitig ist der gute Doktor noch Kunstliebhaber. Seine Leidenschaften verbindet er kunstvoll, in dem er sein Haus in der deutschen Prärie mit Kunstdrucken siamesischer Zwillinge bestückt hat. Doch irgendwann wird er des Trennens überdrüssig und sucht sich ein Hobby zum Ausgleich. Was wäre da geeigneter als das Zusammennähen von Menschen? Praktischerweise klopfen eines Abends zwei eher schlichte amerikanische Touristinnen an die Tür seiner versteckten Villa. Ihr Auto hat eine Panne und sie wollen mal kurz telefonieren. Natürlich kommt alles anders, als die Damen sich dachten und ehe sie Hilfe schreien können, liegen sie semi-narkotisiert in des Doktors privatem Operationssaal. Neben ihnen ein schreiender Japaner. Mit deutscher Pingeligkeit und Liebe zum Detail wird nun den drei schreienden Opfern und dem entsetzten Zuschauer haarklein und akkurat der Operationsplan vorgestellt. Die drei Menschen sollen eins werden und für Dr. Heiter gibt es keinen besseren Weg als sie Mund an After aneinander zu nähen und so eine ganz neue Art der Nahrungskette zu schaffen. Liebevoll nennt er seine Kreation den menschlichen Tausendfüßler. Während man den Ausführungen des Arztes lauscht, kommen sofort zwei Fragen auf: Das macht der doch nicht wirklich (oh doch, er tut es.) und Was passiert danach? Offensichtlich ist die Bewegungsfreiheit drastisch eingeschränkt, wie soll der Film also weiter gehen? Doch er geht weiter, zum Entsetzen von Zuschauer und Opfer.
Der Horror dieses Filmes ist perfide. Natürlich wird es hier und da ein wenig blutig, doch das eigentlich Gruselige ist die Vorstellung (und Umsetzung) der geplanten Operation. Nach Saw und Hostel ist man ja einiges an ekelhaften, schmerzenden Torturen gewöhnt. Das Abartige und zugleich Anziehende an The Human Centipede ist aber nicht die erwartete Verstümmelung der Opfer, sondern die Änderung ihres menschlichen Zustands. Aus drei Entitäten wird eine, die ab da nicht mehr ohne die anderen leben kann und sich sowohl im Aussehen als auch im Auftreten während des Filmes mehr und mehr vom Mesnchlichen entfernt.
Schlimmer noch ist die damit verbunden psychologische Haltung. Die drei Opfer werden ihrer Würde beraubt, ihre Metamorphose ist die ultimative und plastische Darstellung eines Lebens ohne Intimsphäre, in absoluter Abhängigkeit und einer permanent zur Schau gestellten Degradierung. Es ist entsetzlich und hochgradig emotionalisierend, dem Treiben zuzuschauen und man kommt nicht umhin, recht viel zu lachen in diesem Film. Nicht weil er witzig ist, sondern als Abwehrreaktion und als Versuch sich vom Geschehen auf der Leinwand ein wenig zu lösen. Natürlich ist klar, dass einem selbst so etwas nie passieren wird, doch die Grundhaltung, die hinter Tom Six absurder Idee steht, ist keine unbekannte. Die Furcht seine Würde und seine Persönlichkeit zu verlieren, findet sich in Jedem wieder.
Genau das macht diesen Film zu einem hochgradig intelligenten und einzigartigen Horrorfilm: das Spiel mit den tief verwurzelten Ängsten, welches Six durch seine völlig irrsinnig erscheinende Metapher tief in das Herz des Zuschauers bohrt und nicht mehr los lässt. Wer diesen Film gesehen hat, wird noch lange von ihm reden.
(Beatrice Behn)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
The Human Centipede
Produktionsland:
Großbritannien, Niederlande
Produktionsjahr:
2009
Länge:
90 (Min.)
VERÖFFENTLICHUNGEN
CAST & CREW
Regie:
Tom Six
Drehbuch:
Tom Six
Kamera:
Goof de Koning
Musik:
Patrick Savage, Holeg Spies
Hauptdarsteller:
Dieter Laser, Ashley C. Williams, Ashlynn Yennie, Akihiro Kitamura, Andreas Leupold
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 5 von insgesamt 34)
Von: Samy am: 07.02.12
Ich finde ihn gut gemacht! Respekt :D
Von: Blaa am: 19.10.11
habe den film gestern gesehen, eine freundin hat ihn aus den USA mitgebracht, also war er nur teilweise auf deutsch.
anfangs dachte ich mir, so schlimm kann der film doch gar nicht sein, weil ich normalerweise total auf horror abfahre..
aber dieser hat mich total gefesselt! konnte die ganze nacht nicht schlafen & habe auch heute noch ein mulmiges gefühl wenn ich so darüber nachdenke..
kranke idee!
echt gut gemacht, aber sogar für meinen geschmack ein wenig zu viel..
Von: Jennyjenn am: 15.10.11
Also ich hab den Film gestern gesehen..ich war danach auch komplett verstört , entsetzt und angeekelt. Musste danach erst mal mit nem Freund telefonieren, um den Plot geistig zu verarbeiten. Komischerweise habe ich ihn mir 3 Std.später noch mal angeschaut. So abstoßend wie der Film ist, so anziehend ist er auch. Obwohl es einige Logiklöcher gibt, fällt er für mich definitiv in die Kategorie Filmkunst. Sehr gut umgesetzt in guter Qualität, tolle Effekte. Der Film lässt einen erschaudern ohne zu viel zu zeigen. Das ist Tom Six sehr gut gelungen und er eröffnet mit dieser Filmidee - meiner Meinung nach -einen neuen Horizont im Horrorgenre. Dieter Laser spielt brilliant. Ich würde ihn empfehlen - aber man sollte gewarnt sein - der Film ist wirklich nicht ohne....
Von: Beatrice am: 07.07.11
Also ich kann die Leute die hier so geschockt und angeeckelt reagieren nicht verstehen. Das ist ein Horrorfilm !!!!!!!!!!!!!!!!!! Wer auf sowas nicht steht kann doch 1000000000000000 anderer Filme anschauen. Oder dachtet ihr der Beachreibung nach, der Film entwickelt sich zu ner Komödie !?
Von: Sascha am: 14.04.11
Hab den Film gesehen und muss sagen er ist echt krank !!! Wie kommt man auf solche Ideen???
Anyway Dieter Laser hätte einen Oscar verdient ;-)








