Sommer vorm Balkon

Kinostart: 05.01.2006
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Die Magie sexueller Botenstoffe

Sommer 2005, Berlin-Prenzlauer Berg: Zwei Freundinnen sitzen bei reichlich Rotwein, Wodka und Cola auf dem Balkon. Beide auf der Suche nach Mr. Right schwatzen sie bis in die frühen Morgenstunden über die Dinge des Lebens, vor allem über die Liebe. Und wenn die eine feststellt, „Es wird gar nicht dunkel“ und die andere entgegnet, „Es wird schon hell“, scheinen sie mal wieder jegliches Zeitgefühl im Rausch der lauen Sommernacht verloren zu haben.

Die unbeschwerten Szenen, mit denen Andreas Dresens neuer Film Sommer vom Balkon beginnt, laden uns zum Schmunzeln ein. Was wir da auf der Leinwand sehen, kennen wir. Wie gern wir doch selbst die rotweingetränkten, süßen Nachtstunden im Hochgefühl der Jahreszeit nicht zu Ende gehen lassen wollen. Dresen bringt uns in seinem Sommerstreifen immer wieder zum Lachen, doch der Film wäre keine echte Dresen-Komödie, wenn dieser nicht ein bitterer Beigeschmack von Einsamkeit und Tristesse untergemischt wäre. Denn Dresen ist bekannt dafür, die Leute in den Vordergrund zu rücken, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Er macht es seinen Figuren nicht einfach, doch am Ende zeigt er, dass sie nicht immer nur Verlierer sind und es irgendwie schaffen, durchzukommen.

Im täglichen Leben von Katrin (Inka Friedrich) und Nike (Nadja Uhl) geht es folglich auch nicht ganz so unbeschwert zu wie der Film anfangs suggerieren mag. Katrin, allein erziehende Mutter und arbeitslose Schaufensterdekorateurin, fällt es zunehmend schwerer, mit ihrem Schicksal klarzukommen. Sie ist ängstlich, verklemmt und aggressiv zugleich. Den Anforderungen ihres Lebens ist sie nicht mehr gewachsen, im Alkohol sucht sie ihren Trost. Inka Friedrich, die an der Seite von Axel Prahl bereits in Dresens letztem Film Willenbrock (2004) brillierte, spielt die Katrin mit einer Eindringlichkeit, aus der sich gut folgern lässt, dass deren Eigenschaften ihr selbst wohl nicht ganz unbekannt sind.

Nike ist das ganze Gegenteil von Katrin und trotzdem oder gerade deswegen so gut mit Katrin befreundet. Allein ihr Kleidungsstil spricht Bände. Knallig, bunt, frech und der String guckt dabei immer schön aus der Hose heraus. Nike hat ein Herz für alte Menschen, um die sie sich als Altenpflegerin voller Hingabe und Aufopferung kümmert. Unbeschwert, flott und ungeniert geht sie durchs Leben. Bis sie eines Tages Ronald (Andreas Schmidt), den Truckerfahrer, trifft und sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Ronald ist der vollkommen falsche Mann für Nike, er ist borniert und unverschämt, doch sie glaubt, mit ihm den Richtigen gefunden zu haben. Dass die Richtigen meistens die Falschen sind, glaubt wiederum Katrin besser zu wissen, die aus Abneigung gegen Ronald in einen heftigen Streit mit Nike gerät. Und so nimmt das Geschehen seinen Verlauf, getragen von Wärme, Schmerz und Humor – den ganzen Sommer über.

Der Film wurde nach einer kurzen Vorbereitungszeit von knapp drei Monaten an 35 Tagen an Originalschauplätzen am Prenzlauer Berg in Berlin gedreht. Dresen arbeitete mit einem sehr kleinen vertrauten Team, das aus einem Dutzend Leuten bestand, die multifunktional eingesetzt wurden. Nebenbei musste Dresen auch noch an seinem Film Willenbrock schneiden. „Das Ganze war ein bisschen wahnsinnig“, gibt Dresen rückblickend zu, „doch plötzlich ging alles irre schnell und unkompliziert – das Projekt war von Anfang an von einem guten Geist getragen: Jeder hatte Lust darauf und ließ dafür alles andere stehen und liegen.“

Sommer vom Balkon dreht sich im Kern um das Leben der beiden Freundinnen Katrin und Nike. Doch gleichzeitig spielen sich auch viele andere kleine Geschichten ab. Sie erzählen aus dem Leben von Menschen unterschiedlicher Generationen, die alle auf der Suche nach menschlicher Wärme und Aufmerksamkeit sind. Dank eines sensationellen Drehbuches, für das Wolfgang Kohlhaase den Preis der Jury auf dem diesjährigen Filmfestival in San Sebastian gewonnen hat, und eines großartigen Schauspielerensembles, ist Andreas Dresen eine witzig-charmante Komödie der Extraklasse gelungen.

(Katrin Knauth)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Sommer vorm Balkon
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2005
Länge: 107 (Min.)
Verleih: X-Verleih

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 05.01.2006

Trailer

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FILMBEWERTUNG

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Bisherige Kommentare (Anzeige: 5 von insgesamt 23)
Von: Anke am: 03.10.08
Also ich fand den Film einfach großartig, endlich mal nichts Abgehobenes und Unrealistisches. Es kommt wirklich das Berliner Lebensgefühl rüber. Vielleicht versteht man das nur, wenn man auch in Berlin (Ost) wohnt!
Von: Heidelinde Neubert am: 22.02.08
Hallo, ich möchte hier auch einmal ein paar Worte zum "Sommer vor den Balkon" sagen. Also, Nadja Uhl, Inka Friedrich und Andreas Schmidt sind einfach eine Wucht!! Toller Film, prima gedreht, hautnah!! Überzeugend!! Bin begeistert, obwohl dies alles für mich konservativen Oldtimer nicht meine Welt ist, aber so ist dort eben das Leben!! Grüße von Heidi
Von: Héctor am: 16.12.06
Ich bin sehr enttäuscht. Eine schlechte deutsche kopie von "die fabelhafte welt amelies". kein rithmus. vorhersehbar. Die schauspieler sind das beste.
Von: Schmidt am: 16.07.06
"Sommer vorm Balkon" ist ein hübscher Film, recht amüsant und gut gespielt. Aber mit der Vielzahl von Themen wirkt er überladen und etwas ziellos. Außerdem ist der Film etwas zu lang - aber das Ende (...und so weiter) löst das ja auf.
Von: EDE am: 30.03.06
Der Film war das mit Abstand schlechteste, was ich seit langer Zeit gesehen habe. Mega-Ober-Langweiler; m.E. voll von Klischees und Frauenfeindlichkeiten. Einfältige Dialoge, schlechte Szenen immer darauf bedacht, Voyeure nicht zu kurz kommen zu lassen. Versuchter Rundumschlag mit Alltagsproblemen, um möglichst viele Zuschauer miteinzubeziehen - dies ist 100%ig mißlungen. Ebensoviel Hintergrund wie Lacher bei den Zuschauern im Kino, nämlich nicht einen. Fazit: Vom Besuch ist absolut abzuraten - lieber einen Sommerabend auf dem Balkon zu verbringen.
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