Zurück zur Übersicht

Skyfall

Meinungen
17

4 Sterne aus 232 Bewertungen

Kinostart: 01.11.2012
FSK: 12
Genre: Thriller
Tags: Sequel, Geheimagent, James Bond

Auferstehung oder Sackgasse?

"Auferstehung" erwidert James Bond im neuen Film Skyfall ohne zu Zögern auf die Frage, was denn sein Hobby sei. Und in der Tat kann man diese Antwort nicht nur als Motto für den aktuellen Film, sondern für die ganze Reihe sehen, die ja schon mehrere Wiedergeburten erfahren hat. Den vielleicht stärksten Einschnitt erlebte das Franchise durch die letzten beiden Teile Casino Royal und Ein Quantum Trost, seit denen Daniel Craig (München, Verblendung) die Rolle des berühmten Agenten inne hat. Doch vielen Fans und Kritikern gingen die Änderungen zu weit. So kann Skyfall als Versuch gesehen werden, die beliebten Eigenschaften der Vorgänger-Bonds mit den Stärken der Ära Craig zu verbinden. Das ist gelungen. Gerade so.

Der MI6-Agent James Bond (Daniel Craig) soll zusammen mit Agentin Eve (Naomie Harris) in Istanbul eine Liste wiederbeschaffen, auf der die Identitäten von zahlreichen V-Männern verzeichnet sind. Doch der Job geht schief. Bond wird angeschossen. Schwerverletzt taucht er unter und leckt sich die Wunden, während er mit Spiel, Sex und Schnaps den Misserfolg zu verdrängen versucht. Erst als er von einer Cyberattacke auf das MI6-Gebäude hört, entschließt er sich, wieder tätig zu werden und nimmt Kontakt zu MI6-Chefin M (Judi Dench) auf. Doch die Regeln des Spiels haben sich in seiner Abwesenheit geändert. M steht politisch unter Druck. Und auch Bond ist geschwächt. Hat er überhaupt eine Chance gegen den Super-Terroristen Silva (Javier Bardem), der hinter den Anschlägen stecken soll und vermeintlicher Besitzer der Liste ist?

Dank dem findigen Hollywood-Produzenten Albert R. Broccoli ist der britische Geheimagent James Bond – die Romanfigur des Schriftstellers Ian Fleming – seit den frühen 1960er Jahren auf der Leinwand unterwegs. Die Rechte an der Figur sind immer noch im Besitz der Familie Broccoli. Heute bestimmt Alberts Tochter Barbara die Geschichten und den Darsteller – und das mit viel Gespür für den Zeitgeist. Das Publikum konnte lange nicht genug bekommen von spektakulären Stunts, exotischen Drehorten und markanten Superschurken. Und natürlich auch nicht von dem charmanten Geheimagenten mit der Vorliebe für schnelle Autos, gut geschüttelte Martinis und geheimnisvolle Damen. Ermüdungserscheinungen sind während einer Zeitspanne von 50 Jahren allerdings unvermeidlich; es war Barbara Broccolis geschickter Schachzug, mit Casino Royal einen Neustart gewagt zu haben und die Geschichte mal ohne die bekannten Bond-Requisiten zu erzählen.

Skyfall stellt die Uhren in gewisser Weise abermals zurück – und zwar auf die Zeit vor Daniel Craig. Der aktuelle Film gibt James Bond viel von dem wieder, was ihm in den letzten beiden Teilen genommen wurde. 007 darf – auch wenn er nicht in bester körperlicher Verfassung ist – wieder mehr Held und Frauenschwarm sein, der im Smoking das andere Geschlecht verführt, aber auch nicht zögert, mit seinem Motorrad von einer Brücke auf einen Zug zu springen und von dort aus mit einem Bagger gegen seinen Widersacher zu kämpfen. An Sensationen mangelt es dem neuen Film wirklich nicht, obwohl Action nicht unbedingt das Steckenpferd des Regisseurs Sam Mendes (American Beauty, Away We Go) ist. Er beweist allerdings ein sehr gutes Händchen für überraschende Schauplätze, ob in der hitzeflimmernden Türkei, dem fiebrigen China, im mausgrauen England oder auf einer verlassenen Insel im Nirgendwo. Beim neuen Bekenntnis zu Superlativen braucht ein Superagent natürlich auch einen würdigen Superschurken. Hier hat Skyfall mit dem von Javier Bardem (No Country For Old Men, Biutiful) mit viel Freude an Overaction gespielten Silva einen der schrägsten Bond-Gegenspieler an Bord, den die Reihe bisher gesehen hat – denn wo andere die goldene Pistole oder den tödlichen Hut zückten, zeigt dieser einfach nur seine Prothesen. Silva ist kein subtiler Gegner und alle Szenen mit ihm sind dick aufgetragen – aber gerade in Bonds Verhältnis zu diesem Mann offenbart sich eine der Stärken des Films.

Denn Skyfall ist – zum Glück! – nicht nur Action-Film, sondern auch ein düsteres Familiendrama, welches gleichsam als Metapher für die politische Situation gesehen werden kann. Der Film vertraut dem Zuschauer noch ein Stück von Bonds Vergangenheit an und beleuchtet sein Verhältnis zu seinem Land, seinem Beruf und vor allem zu M, die in seiner Entwicklungsgeschichte einer Mutterfigur am nächsten kommt. Bond und Silva erscheinen hier wie die zwei Söhne Englands. Jeder ist anders mit den Kränkungen des Erwachsenwerdens umgegangen, jeder hat seinen eigenen Weg eingeschlagen. Guter Jedi, böser Jedi sozusagen. Diese Ebene des Films sollte auch nicht überinterpretiert werden, aber es ist beachtenswert, wieviel Subtext Mendes und die Autoren Neal Purvis, Robert Wade und John Logan in diesen Bond gesteckt haben.

Aber keine Angst: Skyfall ist kein verkopfter Film – im Gegenteil: Spannende Unterhaltung ist sein oberstes Ziel. Er soll gut aussehen, er soll Spaß machen. Und vor allem soll er die Fans von damals zurück in die Kinos holen, die Explosions- und Gadget-Freunde, denen die letzten beiden Bonds einfach zu wenig Bond waren. Dass Plausibilität und Logik deswegen manchmal etwas zu kurz kommen, wird dabei in Kauf genommen. Mit anderen Worten: Skyfall ist ein Film für Bond-Traditionalisten und die Fans der beiden Craig-Filme gleichermaßen. Doch Vorsicht: Der mit Skyfall eingeschlagene Weg könnte sich auch als Sackgasse erweisen. Hatte man es mit den letzten beiden Filmen endlich geschafft, das Franchise von verstaubten Strukturen zu befreien, steht nach nur kurzen sechs Jahren (fast) wieder der alte Bond vor uns – mit gut geschütteltem Martini und einem sexy Bondgirl im Arm, an seinen Aston Martin gelehnt. Wenn allein das mit "Auferstehung" gemeint ist, dann werden sich einige Zuschauer wünschen, dass sich 007 ein neues Hobby sucht.

(Björn Helbig)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA, Großbritannien
Produktionsjahr: 2012
Länge: 143 (Min.)
Verleih: Sony Pictures Releasing
Kinostart: 01.11.2012

Cast & Crew

Regie: Sam Mendes
Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, John Logan
Kamera: Roger Deakins
Schnitt: Stuart Baird
Musik: Thomas Newman
Hauptdarsteller: Javier Bardem, Ralph Fiennes, Albert Finney, Daniel Craig, Judi Dench, Bérénice Marlohe

MEINUNGEN

Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)

Kommentar Seiten « 1 2 3 4 »

Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 17)
Von: AlterWolf am: 13.01.13
@Nicht mehr junges Füchslein: Endlich mal jemand, der schreibt, wie es ist ! Mit diesem Füchslein würd' der AlteWolf glatt durch die Bondwälder ziehen!
Von: Nicht mehr junges Füchslein... am: 02.01.13
Nun habe ich ihn mir nach 9 Wochen endlich reingezogen den neuen,alten Bond. Habe alle Bond-Fime mit ihren unterschiedlichsten Darstellern teils mehrfach (bis zu 10mal!) gesehen (für mich der beste: live and let die) Jetzt ist Skyfall vielleicht wirklich der beste Bond bisher, obwohl ich mit Superlativen auch eher vorsichtig bin. Was soll ich sagen: ich schließe mich dem alten Wolf in seinen Ausführungen voll und ganz an. Überdies würde jeder Psychologe Purzelbäume schlagen: Nach fast 2einhalb Stunden köstlichster Unterhaltung verließ ich-54jähriges Mädel-das Kino und war so gut drauf, wie schon lange nicht mehr...Identifikation in reinster Form. Freue mich schon auf den nächsten Bond...
Von: Andreas am: 29.11.12
@Goldfinger Es zeugt auch nicht von viel "Intellekt", Menschen die einen anderen Eindruck vom Film haben gleich als "Gehirnamputierte" zu bezeichnen. Eindrücke und Meinungen sind immer subjektiv. Sicher hatte der Film Witz, Spass, Action. Der Film ansich war nicht schlecht - aber auch nicht so toll, das er mich vom Sessel gehauen hat. Die Überlänge hätte man sich sparen können. Die Handlung zu voarausschaubar - die Spannung war nicht so prall. Ein Bond den man sich im Kino anschauen kann aber nicht unbedingt MUSS. Auf DVD reichts auch. Als Bond-Fan bin ich ein wenig enttäuscht.
Von: Goldfinger am: 22.11.12
Schade, dass offensichtlich so viele Gehirnamputierte ins Kino gehen dürfen. Wem der Intellekt fehlt, wahre Geschichten und Fiktion zu unterscheiden, und keinen Spass hat an filmischen Mätzchen, der sollte sich lieber ein Eis kaufen und die Klappe halten !!! Dieser Bond ist allererste Sahne und vermittelt 143 Minuten Spannung, Spaß, Ironie und Wohlgefühle.
Von: Der AlteWolf am: 20.11.12
Die höchst unterschiedlichen Kommentare sind meiner Meinung nach gut zu erklären: Viele Menschen wollen stark sein und einen starken Helden sehen, der nie versagt - den klassischen Bond eben. Wer hingegen im Alter Bonds ist, sprich Mitte 40 (oder wie ich Mitte 50), der weiß in aller Regel etwas von den Brüchen des Lebens und kann sich plötzlich (und erstmals in der Bond-Geschichte) mit einem Helden identifizieren, in dem man manches von sich selbst wiedererkennt, z.B. zurückgehende Kräfte, Auseinandersetzung mit einer anders geprägten nachrückenden Generation (Q) und vor allem mit der Frage, welche Ziele und Werte man noch hat und für die man sich trotz allem noch einsetzen will. Das kennt man nicht von Bond. Da ging man bisher einfach ins Kino, zog sich den Film rein und dann war man damit durch. Nun kann man erstmals über philosophische Hintergrund-Botschaften eines Bond-Films nachdenken -sofern man sie erkennt- und das irritiert manche. Ich schließe mich der bereits zitierten Meinung von Roger Moore an. Wirklich gut dieser Bond. Vielleicht tatsächlich der Beste aller Zeiten, auch wenn man mit Superlativen eher vorsichtig sein sollte...

Kommentar Seiten « 1 2 3 4 »

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg