Mit schönen Grüßen von Pulp Fiction
Was war über diesen Film nicht schon alles im Vorfeld zu lesen: Statements wie „neuer Kultfilm“, „der legitime Nachfolger von Pulp Fiction“, „ekelerregende Gewaltorgie“ oder „die Neuerfindung des Film Noir“ waren nur die gängigsten Pole, zwischen denen bereits vor dem offiziellen Start die Meinungen der Filmjournaille hin- und herwogten. Zwar sorgte es für Erstaunen bis Befremden, dass der beinahe sichere Kassenschlager dieses Sommers es tatsächlich bis in den Wettbewerb des Filmfestivals Cannes schaffte. Doch zugleich konnte sich die Festivalleitung sicher sein, dass Sin City neben der Premiere von Star Wars Episode III mit Sicherheit das Spitzenevent der diesjährigen Filmfestspiele sein würde. Und was tut man nicht alles für ein wenig mehr Publicity beim bedeutendsten Festival der Welt?
Und tatsächlich enttäuscht der Film die Erwartungen nicht, denn es ist genau das zu sehen, was bereits im Vorfeld bekannt und zu erwarten war: Perfektes, düsteres Popcorn-Kino in Hochform aus den bekannten Versatzstücken Comic, Pulp und Hollywoods Schwarzer Serie. Bei diesen Vorbildern dürfte es niemanden ernsthaft überrascht haben, dass die Figuren holzschnittartig vereinfacht und ohne großen Tiefgang geraten sind und sich zumeist in Stereotypen der verschiedenen Genres ergehen: Femmes Fatales, korrupte Bullen, verliebte „Private Eyes“, abgebrühte Nutten, Glücksspieler und was sonst noch in einer fiktiven Stadt wie Sin City gebraucht wird. Die Melange basiert auf einer Comic-Serie, deren Erfinder Frank Miller bereits Genre-Klassiker wie Elektra und Daredevil ins Leben rief und der auch die Wandlung Batmans vom tumben Toren der späten Sechziger zurück in die düsterere Version des „Dark Knight“ initiierte. Klar, dass es sich der Schöpfer der Comic-Vorlage nicht nehmen ließ, auch bei der Regie selbst Hand anzulegen, tatkräftig unterstützt von Robert Rodriguez und dessen Geistesbruder Quentin Tarantino.
Vieles, eigentlich alles an Sin City ist gewaltig übertrieben, persifliert oder pervertiert, „larger than life“, ganz gleich, ob es die ausufernden Gewaltdarstellungen, das übliche, hier ins Sadomasochistische gewendete Film-noir-Frauenbild oder das arty-farty Neo-Noir-Design des Streifens in schwarz-weiß ist, das lediglich von einigen Farbtupfern durchbrochen wird. Die Handlungsstränge der drei miteinander verwobenen Episoden bieten kaum Neues außer den Versatzstücken Verrat, Liebe (natürlich in ihrer unglücklichen Variante) und Gier. Am besten, man achtet gar nicht allzu sehr auf die Story, die sowieso die zweite oder dritte Geige spielt.
Doch es gibt auch echte Entdeckungen zu machen in Sin City. So etwa die Erkenntnis, dass unser aller Lieblingsrauhbein der späten Achtziger und frühen Neunziger, die Rede ist von Mickey Rourke, hier nach überstandenen Exzessen ein gnadenlos gutes Comeback feiert. Auch der übrige Cast kann sich sehen lassen, Bruce Willis, Benicio del Torro Rosario Dawson, Jessica Alba, Josh Hartnett, Elijah Wood, Michael Madsen und Brittany Murph sind nur die prominentesten Vertreter einer Besetzung, die kaum noch Wünsche offen lässt, ebenso wie die opulente Optik, die sich so nah wie kein Film zuvor an Stil und Atmosphäre der Comic-Vorlage entlang hangelt. Und genau das ist die unbestreitbare Schwäche und Stärke des Films zu gleichen Teilen: Man kann ihn gut oder schlecht finden, sich angewidert abwenden oder zum Sin City-Afficinado werden, aber ernst nehmen oder identifizieren kann man sich nicht.
Eines ist sicher: Sin City wird das nächste große Ding werden. Aber ob das gut ist oder was das bedeutet, das mag jeder für sich selbst entscheiden. Als Provokation oder als neuer Kultfilm taugt der Film allemal.
(Joachim Kurz)
Und tatsächlich enttäuscht der Film die Erwartungen nicht, denn es ist genau das zu sehen, was bereits im Vorfeld bekannt und zu erwarten war: Perfektes, düsteres Popcorn-Kino in Hochform aus den bekannten Versatzstücken Comic, Pulp und Hollywoods Schwarzer Serie. Bei diesen Vorbildern dürfte es niemanden ernsthaft überrascht haben, dass die Figuren holzschnittartig vereinfacht und ohne großen Tiefgang geraten sind und sich zumeist in Stereotypen der verschiedenen Genres ergehen: Femmes Fatales, korrupte Bullen, verliebte „Private Eyes“, abgebrühte Nutten, Glücksspieler und was sonst noch in einer fiktiven Stadt wie Sin City gebraucht wird. Die Melange basiert auf einer Comic-Serie, deren Erfinder Frank Miller bereits Genre-Klassiker wie Elektra und Daredevil ins Leben rief und der auch die Wandlung Batmans vom tumben Toren der späten Sechziger zurück in die düsterere Version des „Dark Knight“ initiierte. Klar, dass es sich der Schöpfer der Comic-Vorlage nicht nehmen ließ, auch bei der Regie selbst Hand anzulegen, tatkräftig unterstützt von Robert Rodriguez und dessen Geistesbruder Quentin Tarantino.
Vieles, eigentlich alles an Sin City ist gewaltig übertrieben, persifliert oder pervertiert, „larger than life“, ganz gleich, ob es die ausufernden Gewaltdarstellungen, das übliche, hier ins Sadomasochistische gewendete Film-noir-Frauenbild oder das arty-farty Neo-Noir-Design des Streifens in schwarz-weiß ist, das lediglich von einigen Farbtupfern durchbrochen wird. Die Handlungsstränge der drei miteinander verwobenen Episoden bieten kaum Neues außer den Versatzstücken Verrat, Liebe (natürlich in ihrer unglücklichen Variante) und Gier. Am besten, man achtet gar nicht allzu sehr auf die Story, die sowieso die zweite oder dritte Geige spielt.
Doch es gibt auch echte Entdeckungen zu machen in Sin City. So etwa die Erkenntnis, dass unser aller Lieblingsrauhbein der späten Achtziger und frühen Neunziger, die Rede ist von Mickey Rourke, hier nach überstandenen Exzessen ein gnadenlos gutes Comeback feiert. Auch der übrige Cast kann sich sehen lassen, Bruce Willis, Benicio del Torro Rosario Dawson, Jessica Alba, Josh Hartnett, Elijah Wood, Michael Madsen und Brittany Murph sind nur die prominentesten Vertreter einer Besetzung, die kaum noch Wünsche offen lässt, ebenso wie die opulente Optik, die sich so nah wie kein Film zuvor an Stil und Atmosphäre der Comic-Vorlage entlang hangelt. Und genau das ist die unbestreitbare Schwäche und Stärke des Films zu gleichen Teilen: Man kann ihn gut oder schlecht finden, sich angewidert abwenden oder zum Sin City-Afficinado werden, aber ernst nehmen oder identifizieren kann man sich nicht.
Eines ist sicher: Sin City wird das nächste große Ding werden. Aber ob das gut ist oder was das bedeutet, das mag jeder für sich selbst entscheiden. Als Provokation oder als neuer Kultfilm taugt der Film allemal.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Sin City
Produktionsland:
USA
Produktionsjahr:
2005
Länge:
124 (Min.)
Verleih:
Buena Vista
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
11.08.2005
CAST & CREW
Regie:
Robert Rodriguez, Frank Miller
Hauptdarsteller:
Benicio Del Toro, Bruce Willis, Jessica Alba, Clive Owen, Mickey Rourke
FILMBEWERTUNG
Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.
MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)
Bisherige Kommentare
(Anzeige: 5 von insgesamt 28)
Von: Garry am: 08.04.10
Was mir noch aufgefallen ist und ich nicht verstanden habe: Wieso wirft diese Miho mit einem Wurfstern in Form eines Hakenkreuzes, bzw. wieso hat einer dieser Söldner ein Hakenkreuz auf der Stirn tätoowiert? diesen gedankengang versteh ich nicht so ganz...
Von: Garry am: 08.04.10
Ich fand den Film am Anfang echt verwirrend und es war sehr schwer, sich reinzufinden. Aber wenn man dann mal verstanden hat, wie dieses Prinzip läuft, mit den verschiedenen Handlungssträngen und das dahinter eigentlich kein größerer Sinn steckt, ist der Film einfach nur klasse. Klar, schon relativ brutal, aber dadurch dass die Gewaltszenen meist mit gelbem/weißem Blut dargestellt wurden und sonstige andere Effekte mit eingebaut wurden, sind sie lange nicht so brutal wie in einem Kriegsfilm. Man muss halt bedenken dass es eine Comicverfilmung ist: unrealistisch, trashig, bildgewaltig.
Mir hat der Film ganz gut gefallen, als Meilenstein würde ich ihn aber auch nicht bezeichnen.
Von: mc.mc am: 27.01.10
*edit: DER comic... sorry :D
Von: mc.mc am: 27.01.10
hallo? das ist ne comicverfilmung!
wer die comics nicht kennt soll hier keine kommentare verbreiten.
der film ist so gut gemacht, eins zu eins wie das comic! man.. keine ahnung von nix aber trotzdem am meckern...
Von: Provieh-Programmierer am: 25.12.09
Hab mir den Film im TV aufgenommen und ihn mir gestern angesehen, bzw. wollte ihn mir ansehen. Nach etwa der Hälfte (Hakenkreuz-Wurfstern-Szene) habe dieses sado-psychotische Machwerk ausgeschaltet, kann daher zum, bestimmt sehr tiefgründigen und anspruchsvollen, Inhalt dieses kulturellen Meilensteins keine abschließende Wertung abgeben.
Was macht diesen Film aus?
Menschen werden auf das Grausamste gefoltert, bevor sie umgebracht werden. Es wird geradezu gefeiert und es passiert in nur kurzen Abständen. Da besonders die Grausamkeiten der "Helden" zelebriert werden, bietet es für entsprechend veranlagte Zuschauer genügende Identifikationsmöglichkeiten.
Dass Filme aus wirtschaftlichen Gründen gedreht werden und offenbar eine Nachfrage danach besteht, zeigt nur wie wenig wir uns von den Gladiatorenkampf-Zuschauern der römischen Arenen unterscheiden.
Ich hätte nicht gedacht, dass es für so was noch einen (großen) Markt gibt, aber offenbar sah ich die Menschen in einem zu positiven Licht.
Fazit: Ekelhafter Dreck, der leider auf Nachfrage stößt.
Artikel zum Thema
From Dusk Till Dawn
Spy Kids 4D
Machete (DVD)
Robert Rodriguez' "The Black Mamba" - kurz und heftig
Machete
Das Geheimnis des Regenbogensteins
Planet Terror (DVD)
Robert Rodriguez – Biographie und Filmographie
Planet Terror
Robert Rodriguez wird zum "Madman"
Sin City (DVD)
"Sin City" an der Spitze der Kino-Charts - Verleih und Kinoketten einigen sich
"Sin City" - Ja, wo läuft er denn?





