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Robert Doisneau - Das Auge von Paris

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4.0 Sterne aus 3 Bewertungen

Originaltitel: Robert Doisneau - Le révolté du merveilleux
Kinostart: 17.08.2017
FSK: keine Angabe
Genre: Dokumentarfilm
Tags: Paris, Frankreich, Fotografie, Robert Doisneau

Ein Kuss bestimmt ein Leben

Einen Mann und eine Frau, die sich innig in Paris küssen, zeigt das berühmteste Foto von Robert Doisneau. Das schwarzweiße Bild Kiss by the Hôtel Ville / Baiser de l'Hôtel de Ville ziert unzählige Wände, wurde auf T-Shirts gedruckt, dient als Vorlage von Tätowierungen, inspirierte Romane und Filme. Es ist das Sinnbild des romantischen Bildes von Paris, der Stadt der Liebenden. ziert unzählige Wände, wurde auf T-Shirts gedruckt, dient als Vorlage von Tätowierungen, inspirierte Romane und Filme. Es ist das Sinnbild des romantischen Bildes von Paris, der Stadt der Liebenden. Dass ausgerechnet diese Fotografie Robert Doisneau weltberühmt machte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Zeitlebens war es sein Anliegen, das weniger bekannte Paris zu zeigen, die Vororte, Markthallen und Bars, wo sich die Ausgestoßen, die Nicht-Dazugehörigen treffen. Und noch dazu ist es inszeniert: Im Jahr 1950 bekam Robert Doisneau den Auftrag vom Life-Magazin, eine Reportage über Liebende in Paris zu machen. Aber die Menschen küssten sich damals nicht in aller Öffentlichkeit. Also engagierte er zwei Schauspieler und fotografierte sie an verschiedenen Orten.

Diesem Bild ist in Robert Doisneau – Das Auge von Paris ein eigenes Kapitel gewidmet, schließlich sind sich die Macher dieses Films der Rolle dieses Fotos für die weltweite Bedeutung von Robert Doisneau durchaus bewusst. Im Kern aber will Regisseurin Clémentine Deroudille eine andere Geschichte erzählen: die des Humanisten Doisneau, dem es in seinem Leben und Schaffen stets um die Menschen ging.

Clémentine Deroudille ist die Enkelin von Doisneau, sie sah ihren Großvater bis zu dessen Tod 1994 fast täglich. Dadurch hat sie einen anderen Zugang zu ihm – und natürlich auch zu seinem Archiv, seinen Bildern, Notizen und Briefen. Ausgehend von seiner Kindheit, die geprägt war vom frühen Tod der Mutter und dem lieblosen Verhältnis zur Stiefmutter, entwickelt sie das Porträt eines Mannes, der sich schon als Kind in Pariser Vororten nicht zugehörig fühlte. Bereits in seinen ersten Schwarz-Weiß-Bildern zeigte er diese Realität und schuf im Laufe seiner Karriere unzählige Aufnahmen von Orten und Menschen, die nur selten Aufmerksamkeit bekommen. Neben diesen bedeutsamen Schwarz-Weiß-Bildern erzählt der Film auch von Doisneaus weniger bekannten Farbfotografien und Arbeiten, die ihn aus Paris heraus und in die Welt führten. Dabei sind eine Vielzahl von Bildern zu sehen, die unterstützt werden von Gesprächen mit Menschen, mit denen Robert Doisneau gearbeitet hat.

Man merkt dem Film das liebevolle Verhältnis der Regisseurin zu dem Porträtierten durchaus an, über weite Strecken gelingt Clémentine Deroudille aber eine unterhaltsame Verbindung aus Fakten und Anekdoten, aus biografischen Stationen und wichtigen Arbeiten. Jedes der acht Kapitel wird von einer Graphik eingeleitet, die den Titel vorstellt und zudem auf den Schwerpunkt verweist. Zusammen mit der Akkordeonmusik und dem doch überwiegend erzählerischen Ton entsteht im Verlauf der des Films aber immer mehr der Eindruck, es weitaus mehr mit einem Fernseh- als mit einem Kinodokumentarfilm zu tun zu haben, der zugleich auch das Gedenken an Robert Doisneau sicherstellen will. Das zeigt sich dann insbesondere im letzten Teil, in denen Ausstellungen und Sammler in den USA und Japan vorgestellt werden. Deshalb sucht man eine kritische Auseinandersetzung mit seinem Werk und seinem fotografischen Ansatz hier vergebens. Als Würdigung seines Schaffens und Überblick über seine Arbeiten funktioniert Robert Doisneau – Das Auge von Paris aber durchaus.

(Sonja Hartl)

Daten & Fakten

Produktionsland: Frankreich
Produktionsjahr: 2015
Länge: 78 (Min.)
Verleih: Film Kino Text
Kinostart: 17.08.2017

Cast & Crew

Regie: Clémentine Deroudille
Kamera: Grégoire de Calignon
Schnitt: Marie Deroudille
Musik: Eric Slabiak

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