Agitprop-Polit-Bollywood-Melodram
Bislang galten Bollywood-Filme nicht gerade als letzte Trutzburg aufrechten politischen Bewusstseins gegenüber den Anfeindungen der Spaßgesellschaft, im Gegenteil: Mit Ausnahme von Veer & Zaara kam Politik oder auch nur Ansätze einer Gesellschaftskritik im indischen Kino kaum vor oder war historisch verbrämt, gerade so, als habe der Subkontinent keine größeren Probleme zu bewältigen als ein wenig Herzleid hier und ein bisschen Liebeskummer da. Zwischendrin wurde ein wenig getanzt und gesungen, große Gefühle ausgelebt und am Ende hatten sich alle wieder lieb, Punkt. Mit Rang de Basanti – Die Farbe Safran kommt nun ein 160-minütiges Opus in die deutschen Kinos, das sich anschickt, diesem Hedonismus ein Ende zu bereiten; allerdings kein allzu jähes, denn so ganz ohne Liebe, Tanz und hipper Banghra-Mucke kommt auch Rakesh Omprakash Mehra nicht aus.
Bereits die Erzählperspektive ist eine ungewöhnliche: Sue (Alice Patten) ist eine junge Filmregisseurin aus London, die nach Neu-Delhi fliegt, um dort mit Hilfe der Tagebücher ihres Großvaters, der in der britischen Militärverwaltung Indiens beschäftigt war, einen Film über die militante indische Unabhängigkeitsbewegung rund um Bhaghat Singh zu drehen. Ein Projekt, das allerdings von Anfang an unter einem schlechten Stern steht, denn Sues Chefin hat das Budget für den ambitionierten Film radikal zusammengestrichen. Trotzdem lässt Sue nicht locker und macht sich auf den Weg nach Indien. Vor Ort soll ihr die indische Studentin Sonia (Soha Ali Khan) dabei helfen, Darsteller und Locations zu finden. Die beiden jungen Frauen, die sich auf Anhieb gut verstehen, stoßen bei einer Party auf die vier Studenten DJ (Aamir Khan), Karan (Siddarth), Sukhi (Sharman Joshi) und Aslam (Kunal Kapoor), die sich bislang eher für Feten als für Politik interessiert haben, trotzdem erklären sie sich mehr aus Langeweile bereit, beim Dreh als Darsteller mitzuwirken. Mehr und mehr wachsen die scheinbar sorglosen Studenten in die Rollen der Widerstandskämpfer hinein, und als ein schreckliches Unglück die Gruppe rund um Sue und Sonia erschüttert, beschließen sie, endlich aus ihrer Lethargie aufzuwachen und aktiv zu werden…
Regisseur Rakesh Omprakash Mehra (Aks) hat für sein neues Werk nicht gekleckert, sondern ordentlich geklotzt, auch wenn manches Zugeständnis an die Konventionen Bollywoods beinahe schief gehen. So ist der Superstar Aamir Kahn mit seinen 40 Jahren als Student eigentlich eine glatte Fehlbesetzung und manche andere Merkwürdigkeit unterläuft bisweilen die fraglos gute Absicht des Films. Was positiv auffällt, ist der neue Blickwinkel auf Indien und seine Probleme: Im Gegensatz zu anderen Filmen vom Subkontinent ist der Blick der jungen Leute auf ihr eigenes Land desillusionierter geworden, verächtlich und deutlich resignativ. Sie sehen unter den herrschenden Umständen kaum eine Perspektive für sich, da helfen auch die Segnungen der viel gepriesenen Globalisierung nicht, die in Indien wie auch bei uns nur wenige Gewinner und viele Verlierer kennt. Es ist Indiens verlorene Generation, die hier erstmals auf der großen Leinwand porträtiert wird. Natürlich geht es auch in Rang de Basanti – Die Farbe Safran nicht ohne die üblichen Filmzutaten „made ein India“ aus, als da wären Gesang und Tanz an passenden und unpassenden Stellen und in ausufernder Länge. Deutlich spürbar ist die Liebe als das große zentrale Motiv des Bollywood-Kinos in den Hintergrund getreten, und dient lediglich noch als Impulsgeber für die Entwicklungen des Plots. Vor allem im zweiten Teil wird der Film durch den tragischen Tod von Sonias Verlobtem sehr direkt und ruft relativ unverhohlen zum (auch bewaffneten) Widerstand gegen ein als korrupt empfundenes Regime auf – Töne, die im weitgehend unpolitischen Bollywood-Kino neu und geradezu revolutionär wirken. In Indien selbst erntete der Film begeisterte Zustimmung seitens des jugendlichen Publikums, das den Film zu einem veritablen Kassenschlager machte, und stieß andererseits auf Empörung, weil er zu Gewalt aufrufe. Auch wenn der Grund für den plötzlichen Stimmungsumschwung relativ banal erscheinen mag und recht konstruiert wirkt: Rang de Basanti – Die Farbe Safran fügt dem Bollywood-Kino eine neue, frische und politisierte Variation hinzu, die die Hoffnung weckt, dass die einst als Teenie-Kino belächelten Filme vom Subkontinent nun endlich erwachsen werden. Das Publikum wächst ja schließlich mit. Und die Stars werden auch älter…
(Joachim Kurz)
Bereits die Erzählperspektive ist eine ungewöhnliche: Sue (Alice Patten) ist eine junge Filmregisseurin aus London, die nach Neu-Delhi fliegt, um dort mit Hilfe der Tagebücher ihres Großvaters, der in der britischen Militärverwaltung Indiens beschäftigt war, einen Film über die militante indische Unabhängigkeitsbewegung rund um Bhaghat Singh zu drehen. Ein Projekt, das allerdings von Anfang an unter einem schlechten Stern steht, denn Sues Chefin hat das Budget für den ambitionierten Film radikal zusammengestrichen. Trotzdem lässt Sue nicht locker und macht sich auf den Weg nach Indien. Vor Ort soll ihr die indische Studentin Sonia (Soha Ali Khan) dabei helfen, Darsteller und Locations zu finden. Die beiden jungen Frauen, die sich auf Anhieb gut verstehen, stoßen bei einer Party auf die vier Studenten DJ (Aamir Khan), Karan (Siddarth), Sukhi (Sharman Joshi) und Aslam (Kunal Kapoor), die sich bislang eher für Feten als für Politik interessiert haben, trotzdem erklären sie sich mehr aus Langeweile bereit, beim Dreh als Darsteller mitzuwirken. Mehr und mehr wachsen die scheinbar sorglosen Studenten in die Rollen der Widerstandskämpfer hinein, und als ein schreckliches Unglück die Gruppe rund um Sue und Sonia erschüttert, beschließen sie, endlich aus ihrer Lethargie aufzuwachen und aktiv zu werden…
Regisseur Rakesh Omprakash Mehra (Aks) hat für sein neues Werk nicht gekleckert, sondern ordentlich geklotzt, auch wenn manches Zugeständnis an die Konventionen Bollywoods beinahe schief gehen. So ist der Superstar Aamir Kahn mit seinen 40 Jahren als Student eigentlich eine glatte Fehlbesetzung und manche andere Merkwürdigkeit unterläuft bisweilen die fraglos gute Absicht des Films. Was positiv auffällt, ist der neue Blickwinkel auf Indien und seine Probleme: Im Gegensatz zu anderen Filmen vom Subkontinent ist der Blick der jungen Leute auf ihr eigenes Land desillusionierter geworden, verächtlich und deutlich resignativ. Sie sehen unter den herrschenden Umständen kaum eine Perspektive für sich, da helfen auch die Segnungen der viel gepriesenen Globalisierung nicht, die in Indien wie auch bei uns nur wenige Gewinner und viele Verlierer kennt. Es ist Indiens verlorene Generation, die hier erstmals auf der großen Leinwand porträtiert wird. Natürlich geht es auch in Rang de Basanti – Die Farbe Safran nicht ohne die üblichen Filmzutaten „made ein India“ aus, als da wären Gesang und Tanz an passenden und unpassenden Stellen und in ausufernder Länge. Deutlich spürbar ist die Liebe als das große zentrale Motiv des Bollywood-Kinos in den Hintergrund getreten, und dient lediglich noch als Impulsgeber für die Entwicklungen des Plots. Vor allem im zweiten Teil wird der Film durch den tragischen Tod von Sonias Verlobtem sehr direkt und ruft relativ unverhohlen zum (auch bewaffneten) Widerstand gegen ein als korrupt empfundenes Regime auf – Töne, die im weitgehend unpolitischen Bollywood-Kino neu und geradezu revolutionär wirken. In Indien selbst erntete der Film begeisterte Zustimmung seitens des jugendlichen Publikums, das den Film zu einem veritablen Kassenschlager machte, und stieß andererseits auf Empörung, weil er zu Gewalt aufrufe. Auch wenn der Grund für den plötzlichen Stimmungsumschwung relativ banal erscheinen mag und recht konstruiert wirkt: Rang de Basanti – Die Farbe Safran fügt dem Bollywood-Kino eine neue, frische und politisierte Variation hinzu, die die Hoffnung weckt, dass die einst als Teenie-Kino belächelten Filme vom Subkontinent nun endlich erwachsen werden. Das Publikum wächst ja schließlich mit. Und die Stars werden auch älter…
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Rang de Basanti – Die Farbe Safran
Produktionsland:
Indien
Produktionsjahr:
2006
Länge:
160 (Min.)
Verleih:
Rapid Eye Movies
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
29.06.2006
CAST & CREW
Regie:
Rakesh Omprakash Mehra
Hauptdarsteller:
Aamir Khan, Siddarth , Sharman Joshi, Kunal Kapoor, Atul Kulkarni
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 5 von insgesamt 9)
Von: filosofia am: 12.06.07
Ich find den Film umwerfend...der hat mich echt lange zum ueberlegen gebracht...das einzige was mir fehlt ist das Happy End.
Von: saskia am: 03.03.07
egal was für filme sie drehen, es ist immer so intressant und romantisch.
Von: Manu Kumar Loganey am: 02.12.06
Es ist ein echt gelungener Film, der nicht davor zurückschreckt aus Verzweifelten indischen Studenten ein Gewissen der Nation zu machen,das gab's noch nie in Boolywood- obwohl der Mord etwas zu heftig ist, eine Gandhi-Bewegung währe passender und das i Tüpfelchen und man hätte dem Film eine 1+ geben können!
Von: Brigitte Wölk am: 30.11.06
Ich habe diesen Film während der Frankfurter Buchmesse (Schwerpunktthema: INDIEN) gesehen, und er ist für mich unvergesslich. Ich wüßte gerne mehr über dieses Land und seine Entwicklung.
Von: Junaid am: 02.11.06
verdammt schlechtes review, der typ sollte mal lernen, wie man Rezensionen schreibt.








