Nichts als Gespenster

Kinostart: 29.11.2007
Leserbewertung:
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Auf der Suche nach Liebe

Als Judith Hermann 1998 ihren ersten Erzählungsband Sommerhaus, später vorlegte, gelang ihr mit ihrem Debüt der literarische Durchbruch: Enthusiastische Rezensionen, mehr als 250.000 verkaufte Exemplare und Übersetzungen in siebzehn Sprachen sprechen für ihren großen Erfolg. Erst fünf Jahre später, 2003, erschien ihr zweiter Kurzgeschichten-Band Nichts als Gespenster, der ebenfalls wochenlang an der Spitze der Bestsellerlisten stand. Aus diesen beiden Bänden hat sich der Regisseur Martin Gypkens bedient und den wunderschönen Episodenfilm Nichts als Gespenster gedreht.

Fünf Geschichten hat sich Gypkens herausgegriffen, die in fünf verschiedenen Ländern spielen und von zwölf verschiedenen Menschen erzählen, die auf der Suche nach sich selbst und der Liebe sind. Menschen, die eine Pause vom Alltag brauchen, sich neu sortieren, neu inspirieren und am Ende immer wieder selbst in Frage stellen. In fünf verschiedenen Handlungssträngen verwebt Gypkens diese Geschichten miteinander und ohne dass sich die Protagonisten einmal begegnen, sind ihre Emotionen und Erlebnisse doch sehr ähnlich.

Alles beginnt mit der Amerika-Episode, die eine Art Klammer für den Film darstellt, weil er damit auch endet. Ellen (Maria Simon) ist mit ihrem Freund Felix (August Diehl) auf gemeinsamer Reise mit einem Mietwagen von der Ost- zur Westküste und wieder zurück. Doch je länger sie unterwegs sind, desto stärker scheint ihre Beziehung zu bröckeln. Bei dem kurzen Einblick, den man in ihr Leben bekommt, und der ist sehr aufschlussreich, stellt man fest, dass sich hier zwei sehr ungleiche Menschen miteinander abquälen.

Die zweite Episode spielt auf Jamaika: Christine (Brigitte Hobmeier) besucht mit Nora (Jessica Schwarz) deren Ex-Freund Kaspar (Janek Rieke), der sich als Aussteiger schon seit längerem auf der Insel abgesetzt hat. Während sich die beiden Freundinnen ihre Zeit mit Sonnenbädern und Faulenzen vertreiben, wird im Radio ein gefährlicher Hurrikan angekündigt. Und nur Christine kann es kaum erwarten, dass er kommt.

Episode Nummer drei führt ins kalte, winterliche Island: Die besten Freunde Irene (Ina Weisse) und Jonas (Wotan Wilke Möhring) haben beide gerade eine gescheiterte Beziehung hinter sich und wollen sich im hohen Norden eine Auszeit nehmen. Sie quartieren sich bei Irenes ehemaligem Studienfreund ein, dessen Frau Jonina (Sólveig Arnarsdóttir) ein Auge auf Jonas wirft, ihm aber nie wirklich näher kommt.

In Berlin und der deutschen Provinz spielt die vierte Episode: Caro (Karina Plachetka) besucht ihre ehemalige Mitbewohnerin und beste Freundin Ruth (Chiara Schoras) in der Kleinstadt. Ruth ist seit kurzem mit Raoul (Stipe Erceg) zusammen, für den auch Caro sofort Augen hat. Und weil Raoul kein Mann für eine feste Beziehung ist , kann es auch Caro nicht lassen, etwas mit ihm anzufangen.

Die fünfte Episode dreht sich um Marion (Fritzi Haberland), die nach Venedig gereist ist, um Abstand von ihren Sorgen und der Einsamkeit daheim zu finden. Dort trifft sie auf ihre anstrengenden Eltern und auf einen zwar gut aussehenden, aber ziemlich perversen jungen Mann, der sie verfolgt und in einem Straßencafé vor ihren Augen demonstrativ masturbiert.

Alle diese Episoden bleiben die ganze Zeit in einer Art Schwebezustand. Kaum etwas wird aufgelöst und erklärt, aber gerade das ist das Schöne an dem Film. Es geht hier um Nuancen, Gesichtsausdrücke, Andeutungen – all das was in zwischenmenschlichen Beziehungen eine Rolle spielt. Nichts als Gespenster ist ein Darstellerfilm, aber er lebt nicht nur ausschließlich von dem wunderbaren Schauspiel seiner Protagonisten, sondern auch von der Gewaltigkeit seiner Bilder, die Eeva Fleig grandios einzufangen weiß. Auch bei Gypkens erstem Kinofilm Wir stand sie bereits hinter der Kamera. Wenn man jede Episode mit einer Farbe und einer Stimmung beschreiben und diese miteinander vermischen würde, dann würde ein fantastisches buntes Bild wie bei einem Kaleidoskop entstehen.

Nichts ist Gespenster ist im Endeffekt die logische Fortführung von Wir, nur dass Gypkens mit seinem zweiten Film ein viel reiferes, vollendeteres Werk vorlegt. Die Figuren sind älter geworden. Sie flüchten sich nicht in Partys, sondern Reisen. Ihre Sehnsucht zieht sie in die Ferne, weil sie zu Hause nicht das finden, nachdem sie suchen.

Der Film hatte außer Konkurrenz seine Weltpremiere bei der Open-Air-Vorführung auf dem diesjährigen Filmfestival Locarno – und wurde heftig umjubelt. Zu Recht, denn Nichts als Gespenster ist eine grandiose, verdichtete Regiearbeit mit einer ungemein subtilen Intensität, wie man sie selten im deutschen Kino zu sehen bekommt.

(Katrin Knauth)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Nichts als Gespenster
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2007
Länge: 124 (Min.)
Verleih: Senator Filmverleih

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 29.11.2007

Trailer

Fotogalerie

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FILMBEWERTUNG

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Von: am: 11.02.08
genial
Von: am: 26.01.08
Meisterwerk! Es zu begründen, würde soviel Zeit in Anspruch nehmen, dass dieses einfache "Urteil" ausreichen dürfte!!
Von: Holger Dreiseitl am: 09.12.07
optisch hervorragend, insbesondere im umgang mit farbe/ licht. manchmal manchmal sind die bilder sogar ein bisschen zu groß für die "kleinheit" der menschlichen gefühle, die im mittelpunkt stehen? tolle schauspieler, in der tat aber ist die kritik einer vorkommentatorin bedenkenswert, ob sie nicht durchgehend eine spur zu schön und finanziell unabhängig sind. da könnten einige der probleme der protagonsiten letztlich auch in die ecke "luxussorgen" abdriften. ertsaunlich finde ich, wie der film die grundstimmugn der kurzgeschichten ziemlich treffischer reproduzieren kann.
Von: SarahLee am: 09.12.07
Ich habe den Film gestern Abend gesehen und war total enttäuscht. Pausenlos diese jungen, hübschen Schauspieler, die nichts tun als tiefsinnig und lethargisch in die Leere zu starren. Das ist eine halbe Stunde lang interessant, aber danach wirkt es einfach überzogen.
Von: swisschris am: 28.10.07
Habe den Film bei seiner Open-Air-Premiere in Locarno erlebt. Endlich einmal wieder eine gelungene Literaturverfilmung: Grandiose Bilder, wunderbare Musik, fantastische Darsteller und ein Regisseur, der die fünf Kurzgeschichten kongenial zu verweben weiss. Der beste Film in Locarno in diesem Jahr und nichts weniger als ein Meisterwerk! Unbedingt ansehen!
   
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