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Naked Lunch

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Skandal, Skandal ...

Mit Eastern Promises – Tödliche Versprechungen, der in Deutschland am 27.12. starten wird, kündigt sich bereits die Rückkehr eines der exzentrischsten Filmemacher unserer Zeit an, der wie nur wenige in seinen Filmen die Abgründe der Seele erforscht hat. David Cronenberg ist neben David Lynch eine der Ausnahmeerscheinungen des Kinos unserer Tage – ein Schöpfer von Bildwelten, die Außen und Innen, psychische Zustände und die materielle Realität zusammenfließen lassen, ein Visionär und Magier, dessen Filme unseren Blick auf die Welt verändert haben. Auch in Naked Lunch, Cronenbergs Werk aus dem Jahre 1991, präsentiert Cronenberg eine Welt, wie sie so vorher noch nicht zu sehen war.

Der Film erzählt von dem Kammerjäger William "Bill" Lee (Peter Weller), der eines Tages die wahre Ursache für den bedenklichen Schwund seines Insektengiftes herausfindet – seine Frau Joan (Judy Davis) injiziert sich das Teufelszeug wie eine Droge. Und auch er – früher ernsthaft rauschgiftanhängig – lässt sich darauf ein, das Gift zu spritzen. Doch die Droge hat es in sich, William bekommt Visionen von sprechenden, mutierten Riesenkäfern, die behaupten, seine Frau sei in Wirklichkeit Geheimagentin von "Interzone Incorporated". Als William seine Frau mit einem Kollegen in flagranti erwischt, fordert er sie zum "Wilhelm-Tell-Spiel" auf, doch statt des Wasserglases, das sie zu diesem Zweck balanciert, trifft der Kammerjäger seine Frau in den Kopf. Nach dem Tod seiner Frau driftet William endgültig in eine Fantasiewelt ab, er wird als Geheimagent angeworben und in die Interzone geschickt, wo er Berichte ohne Sinn und Zweck anfertigen soll. Außerdem trifft er auf Tom und dessen Ehefrau Joan Frost, die ihn fatal an seine eigene tote Frau erinnert. Immer tiefer verstrickt er sich in einem Strudel von Fantasie, undurchsichtigen Manövern und Sexualität, bis schließlich aus diesem Wahn heraus ein Text namens "Naked Lunch" entsteht…

David Cronenbergs Umsetzung des Skandalromans Naked Lunch von William S. Burroughs ist nicht einfach nur eine Literaturverfilmung, sondern zugleich auch ein wüster Trip in die Welt der Drogen und ein psychedelisches Protokoll der Entstehungsgeschichte von Burroughs’ Buch. Geschickt verflechtet Cronenberg biographische Details des Autors mit Handlungssträngen, -splittern und –segmenten aus dem Buch. So war beispielsweise William Lee eines der Pseudonyme, mit denen Burroughs arbeitete. Und der Tod der Frau des schriftstellernden Kammerjägers ähnelt haargenau jenem, den Burroughs’ Frau Joan Vollmer erlitt. Naked Lunch entstand nach dem Unglücksfall und aus der Absicht heraus, das Geschehene zu überwinden und die Drogensucht zu kurieren. Die verworrene Handlung des Romans und das wilde extreme Leben von William S. Burroughs finden in den expressiven Bildern Cronenbergs eine genaue und kongeniale Entsprechung, der man sich trotz mancher Verständnisschwierigkeiten kaum entziehen kann.

(Joachim Kurz)

Daten & Fakten

Produktionsland: Kanada, Japan, Großbritannien
Produktionsjahr: 1991
Länge: 111 (Min.)

Cast & Crew

Regie: David Cronenberg
Hauptdarsteller: Julian Sands, Judy Davis, Roy Scheider, Ian Holm, Peter Weller

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