• Home
  • Filme
  • Mr. Shi und der Gesang der Zikaden
Zurück zur Übersicht

Mr. Shi und der Gesang der Zikaden

Meinungen
1

82 Bewertungen

Originaltitel: A Thousand Years of Good Prayers
Kinostart: 10.04.2008

Eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung

Dem in Hongkong geborenen und in den USA lebenden Regisseur Wayne Wang ist die diesjährige Retrospektive der Hofer Filmtage (23. bis 28. Oktober 2007) gewidmet. Er wird Gast in Hof sein und neben seinen beiden neuen Filmen The Princess of Nebraska und Mr. Shi / A Thousand Years of Good Prayers weitere sechs, von ihm ausgewählte Filme präsentieren, darunter die legendären Kult-Filme Smoke und Blue in the Face (1995) sowie The Center of the World (2001).

Wer es dieses Jahr nicht nach Hof schafft, muss sich immerhin noch bis Januar 2008 gedulden, um Wayne Wangs grandiosen neuen Film Mr. Shi / A Thousand Years of Good Prayers regulär im deutschen Kino sehen zu können. Aber das Warten lohnt sich, da der 58-jährige Regisseur, den sein Vater nach seinem Lieblingsschauspieler John Wayne benannt hat, einen wunderbaren, behutsamen, originellen Film realisiert hat.

Dem Filmtitel gemäß steht im Mittelpunkt Mr. Shi (Henry O), ein verwitweter Rentner aus China, der nach 12 Jahren Trennung seine einzige in der USA lebende Tochter Yilan (Faye Yu) besucht. Schon beim Wiedersehen am Flughafen prallen zwei Welten aufeinander: Das traditionelle China und der moderne Westen, den Yilan längst in sich aufgesogen hat. Sie spricht nicht nur fließend Englisch, sondern ist in ihrem ganzen Benehmen längst zur Amerikanerin geworden. Was natürlich um so befremdlicher auf ihren Vater wirkt, der sich lieber heute als morgen das Rot-China der Kommunisten zurückwünscht und auf alte Werte pocht.

Yilan, benannt nach einem Ort in China, ist ein sehr einsame Frau, die zurückgezogen in einer kleinen Siedlung am Stadtrand lebt. Sie verbringt ihre Abende lieber allein im Kino und wartet sehnsüchtig auf die Anrufe von Boris (Pasha Lychnikoff), dem Russen, mit dem sie eine unglückliche Affäre führt. Sie ist sehr ruhig und nahezu geheimnisvoll wenn es um das Thema Männer geht und reagiert sehr ungehalten, wenn ihr Vater sie darauf immer wieder anspricht. Hier prallen nicht nur unterschiedliche Kulturen aufeinander, sondern auch zwei weit auseinander liegende Generationen.

Mit Mr. Shi, der auf einer Kurzgeschichte von Yiyun Li basiert, kehrt Wayne Wang zu seinen chinesischen Wurzeln zurück. Er selbst wanderte gleich zweimal in die USA aus, einmal zum Film- und Malerei-Studium am California College of the Arts and Crafts in Oakland und ein zweites Mal Anfang der 1980er Jahre nachdem er einige Jahre in Hongkong beim Radio gearbeitet hatte. Kein Wunder also, dass er sich mit Yilan identifiziert, deren chinesischer Mann nach Peking zurückkehrte, während sie in den USA blieb.

Wangs Debütfilm war sein College-Abschlussfilm A Man, a Woman, and a Killer (1975). Sein zweiter Film Chan ist verschwunden drehte er sieben Jahre später basierend auf den Erfahrungen, die er als Sozialarbeiter mit jungen asiatischen Immigranten in San Franciscos Chinatown machte. Seitdem hat er über fünfzehn Filme in seiner amerikanischen Wahlheimat gedreht und gilt inzwischen als eine der Schlüsselfiguren des amerikanischen Independent-Kinos.

(Katrin Knauth)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA, Japan
Produktionsjahr: 2007
Länge: 83 (Min.)
Verleih: Pandora Filmverleih
Kinostart: 10.04.2008

Cast & Crew

Regie: Wayne Wang
Hauptdarsteller: Henry O, Faye Yu, Vida Ghahremani, Pasha Lychnikoff, Wes Deitrick

MEINUNGEN

Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)

Bisherige Meinungen

(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Jens am: 29.10.07
In Hof geshen. Ein wunderbarer Film, eine sehr interessante Retro und ein sympatischer Regisseur. Eigentlich das Highlight in diesem Jahr in Hof.

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg
  • Cineplex Kinos
  • Sala Web