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In stilisierten Bildern, die in Superzeitlupe wie zum Leben erwachte Gemälde, wie kunstvoll inszenierte Fotografien voller magischem Realismus wirken, sehen wir die Apokalypse kommen - und es ist nicht nur das Ende des Films, das in diesem grandiosen Prolog gezeigt wird, sondern es ist das Ende allen Seins. Ein gewaltiger Planet namens Melancholia, um ein Vielfaches größer als unsere Erde hat sich auf eine Reise durch das Universum gemacht, hat alle Planeten unseres Sonnensystems passiert, ohne eine Kollision zu verursachen, hat sich hinter der Sonne versteckt wie ein heimtückischer Meuchelmörder, um dann der finalen Kollision mit dem blauen Planeten zuzusteuern.
Melancholie ist auch der Name der Krankheit, unter der Justine (Kirsten Dunst) leidet. Doch man braucht eine Weile, bis man das realisiert. Weil wir sie ausgerechnet an jenem Tag kennenlernen, der allgemein als der schönste Tag im Leben gilt - bei ihrer Hochzeit. Anfangs scheint auch noch alles in bester Ordnung zu sein mit der schönen und strahlenden Braut. Auch wenn bereits die Anreise zu dem Hotel, in dem die Feier stattfindet, nicht gerade einfach ist, denn die Stretch-Limousine kann die engen und gewundenen Straßen kaum passieren. Ein eher kleines Problem, das zur Erheiterung der Braut und ihres Bräutigams Michael (Michael Skarsgård) beiträgt. Überhaupt herrscht eine ausgelassene Stimmung bei der Feier, der Vater der Braut mopst ziemlich offensichtlich die Silberlöffel und flirtet mit den zwei Bettys an seinem Tisch, die Reden sind launig, man spürt die Liebe und Zuneigung des jungen Paares zueinander. Doch dann mischen sich zunehmend Misstöne in die Feier, es kommt zum Streit der geschiedenen Elterns Justines, plötzlich ist die Braut verschwunden und erscheint wieder in sichtlich gedrückter Stimmung, Justines Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg), die das Fest organisiert hat und deren Mann (Kiefer Sutherland) zeigen sich zunehmend genervt, so dass die Hochzeit schließlich in eine Katastrophe mündet - kein Wunder, denn sie steht buchstäblich unter einem schlechten Stern, der in wenigen Tagen sein Ziel erreichen wird. Hier endet der erste Tei des Films, der nach Justine benannt ist und der zweite mit dem Titel Claire beginnt.
Claire, die das Hotel, in dem die aus dem Ruder gelaufene Hochzeitsfeier stattfand, betreibt, nimmt ihre strauchelnde Schwester bei sich auf, kümmert sich um sie und versucht sie wieder aufzurichten. Zur gleichen Zeit nähert sich Melancholia immer schneller der Erde und die Prognosen, ob sich der Planet auf Kollisionskurs befindet oder nicht, gehen erheblich auseinander. Je greifbarer und unausweichlicher die Katastrophe ist, desto ruhiger und gefasster wird Justine, während Claire zunehmend panischer...
Lars von Triers neues, mit Spannung erwartetes Werk Melancholia ist kein Film, sondern eine Erfahrung, eine apokalyptische Verkündigung des Endes der Welt. Während Terrence Malicks Auseinandersetzung mit dem Wesen der Welt am Ende mehr Fragen aufwirft als beantwortet, bleibt der dänische Filmemacher stets klar, konkret und unbarmherzig in seiner pessimistischen Weltsicht.
Am Ende ist Schweigen und Dunkelheit. Und Fassungslosigkeit über einen Film, der überwältigt und von so großer, dunkler, monolithischer Größe ist, dass man nichts dagegen hätte, wenn damit das Filmfestival von Cannes enden würde. Denn mal ehrlich: Was soll, was kann nach dem Ende der Welt noch kommen? Außer der Goldenen Palme von Cannes natürlich...
Als Lars von Trier seinem Produzenten das Drehbuch zu lesen gegeben hatte, fragte dieser ihn nach der Lektüre, was denn nach diesem Film eigentlich noch kommen solle. Diese Frage stellt sich wahrhaftig - eine Antwort darauf steht noch aus. Man wagt es gar nicht darüber nachzudenken, wenn dies tatsächlich Lars von Triers letzter Film sein sollte. Kaum ein Regisseur hat sich im Verlauf seiner Karriere immer wieder so radikal neu erfunden, kaum einer hat so viele Impulse gegeben und ist mit seinen Werken immer wieder den Schritt an die Grenzen des Filmemachens und darüber hinaus gegangen. Es besteht kein Zweifel: Lars von Trier ist einer der größten Regisseure unserer Zeit, was Melancholia einmal mehr aufs Eindrucksvollste unterstreicht.
(Joachim Kurz)
Melancholia
| Kinostart: | 06.10.2011 |
|---|---|
| FSK: | 12 |
| Genre: | Drama, Thriller, Science Fiction |
| Tags: | Hochzeit, Apokalypse, Schwestern, Cannes 2011, Cannes 2011 Wettbewerb |
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Jedem Ende wohnt ein Zauber inne
In seinem gewaltigen Prolog nimmt Lars von Trier das Ende vorweg, gerade so, als würde er dem Zuschauer von Anfang an gar nicht erst die Möglichkeit geben, sich dem Unausweichlichen zu entziehen. Wie die Protagonisten in seinem Film, so ist auch der Zuschauer dem Ende hilflos ausgeliefert, sehenden Auges steuern wir auf das Unglück zu und können uns ihm nicht entziehen.In stilisierten Bildern, die in Superzeitlupe wie zum Leben erwachte Gemälde, wie kunstvoll inszenierte Fotografien voller magischem Realismus wirken, sehen wir die Apokalypse kommen - und es ist nicht nur das Ende des Films, das in diesem grandiosen Prolog gezeigt wird, sondern es ist das Ende allen Seins. Ein gewaltiger Planet namens Melancholia, um ein Vielfaches größer als unsere Erde hat sich auf eine Reise durch das Universum gemacht, hat alle Planeten unseres Sonnensystems passiert, ohne eine Kollision zu verursachen, hat sich hinter der Sonne versteckt wie ein heimtückischer Meuchelmörder, um dann der finalen Kollision mit dem blauen Planeten zuzusteuern.
Claire, die das Hotel, in dem die aus dem Ruder gelaufene Hochzeitsfeier stattfand, betreibt, nimmt ihre strauchelnde Schwester bei sich auf, kümmert sich um sie und versucht sie wieder aufzurichten. Zur gleichen Zeit nähert sich Melancholia immer schneller der Erde und die Prognosen, ob sich der Planet auf Kollisionskurs befindet oder nicht, gehen erheblich auseinander. Je greifbarer und unausweichlicher die Katastrophe ist, desto ruhiger und gefasster wird Justine, während Claire zunehmend panischer...
Lars von Triers neues, mit Spannung erwartetes Werk Melancholia ist kein Film, sondern eine Erfahrung, eine apokalyptische Verkündigung des Endes der Welt. Während Terrence Malicks Auseinandersetzung mit dem Wesen der Welt am Ende mehr Fragen aufwirft als beantwortet, bleibt der dänische Filmemacher stets klar, konkret und unbarmherzig in seiner pessimistischen Weltsicht.
Am Ende ist Schweigen und Dunkelheit. Und Fassungslosigkeit über einen Film, der überwältigt und von so großer, dunkler, monolithischer Größe ist, dass man nichts dagegen hätte, wenn damit das Filmfestival von Cannes enden würde. Denn mal ehrlich: Was soll, was kann nach dem Ende der Welt noch kommen? Außer der Goldenen Palme von Cannes natürlich...
Als Lars von Trier seinem Produzenten das Drehbuch zu lesen gegeben hatte, fragte dieser ihn nach der Lektüre, was denn nach diesem Film eigentlich noch kommen solle. Diese Frage stellt sich wahrhaftig - eine Antwort darauf steht noch aus. Man wagt es gar nicht darüber nachzudenken, wenn dies tatsächlich Lars von Triers letzter Film sein sollte. Kaum ein Regisseur hat sich im Verlauf seiner Karriere immer wieder so radikal neu erfunden, kaum einer hat so viele Impulse gegeben und ist mit seinen Werken immer wieder den Schritt an die Grenzen des Filmemachens und darüber hinaus gegangen. Es besteht kein Zweifel: Lars von Trier ist einer der größten Regisseure unserer Zeit, was Melancholia einmal mehr aufs Eindrucksvollste unterstreicht.
(Joachim Kurz)
Daten & Fakten
| Produktionsland: | Deutschland, Dänemark, Schweden, Frankreich, Italien |
|---|---|
| Produktionsjahr: | 2011 |
| Länge: | 136 (Min.) |
| Verleih: | Concorde Filmverleih |
|
|
| Kinostart: | 06.10.2011 |
Cast & Crew
| Regie: | Lars von Trier |
|---|---|
| Drehbuch: | Lars von Trier |
| Kamera: | Manuel Alberto Claro |
| Schnitt: | Molly M. Stensgaard |
| Hauptdarsteller: | Charlotte Gainsbourg, Kirsten Dunst, Stellan Skarsgård, Charlotte Rampling, John Hurt, Udo Kier, Kiefer Sutherland, Brady Corbet |
MEINUNGEN
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Bisherige Meinungen
(Anzeige: 5 von insgesamt 21)- Von: me am: 14.10.11
- ein meisterwerk in opulenten wunderschönen bildern vielleicht sollte man vor deem fiml warnen, denn er macht die depression körperlich spürbar und zeigt den unterschied von lebensangst und todesangst nein , das ist kein film für jeden...besonders nicht für latent depressive menschen auch meiner freundin und mir war übel als wir aus dem kino kamen und ich denke, das war durch bildschnitt und kameraführung auch willentlich so angelegt große kunst, großes kino...keine worte...
- Von: Der Barmbeker am: 13.10.11
- Der Film zieht einen in das Zentrum von Geisteskrankheit, ob man will oder nicht. Hinterher war mir übel. Was hilft es, die Todessehnsucht einer Depressiven erfüllt zu sehen? und zwar für alle. Der Film ist nicht zu empfehlen. Die nur zum Teil schönen Bilder werden durch den überwiegenden Einsatz einer wackeligen Handkamera zunichte gemacht. Der erste Teil lebt von der Schauspielkunst der Hautdarstellerin, nur deswegen gebe ich 2 Punkte.
- Von: @kinofan am: 12.10.11
- Tss, tss - nur will jemand nicht gut und verständlich sprechen kann, heißt dass noch lange nicht, dass er keine Filme drehen kann. Anderes Medium, mehr Zeit zum Überlegen, usw...
- Von: kinofan am: 11.10.11
- Zitat aus: Artikel zum Thema (s.u.) Lars von Trier: Weiter Ärger wegen Nazi-Äußerungen Im Mai hatte von Trier bei der Pressekonferenz zu seinem Film Melancholia beim Filmfestival von Cannes eine reichlich wirre Rede von sich gegeben, die so interpretiert werden konnte, dass er Sympathien für den Faschismus hege. Der Regisseur wurde daraufhin vom Festival ausgeschlossen. Erste Konsequenzen hat der Regisseur bereits für sich selber gezogen. Von Trier gesteht ein, dass er "nicht die Fähigkeit besitzt, sich klar und eindeutig auszudrücken"... Kinofan: Ein bisschen größenwahnsinnig der Herr, und wenn er sich nicht klar ausdrücken kann, sollte er auch aufhören, Filme zu produzieren. Auf seine aufpolierte Gefühlsduselei kann man verzichten.
- Von: Herr K am: 10.10.11
- Im Groben und Ganzen sehr guter Film. Er hat zwar so seine Längen, aber da muss man halt mal durchhalten. Duchhaltefilme sind sowie so das beste, da kommen vielleicht mal andere Filmfassetten zum Vorschein, die den Einen oder Anderen Standartfilmliebhaber stören könnten. Die sehen Kirsten Dunst aber wenigstens mal nackt und am Ende gibst auch aktionmässiges Feuer. Jedenfalls spürt man teilweise eindrucksvoll die Unsicherheit und Bedrückung Einiger sowie die Coolness und Selbstsicherheit Anderer. Das sich im Zweiten Teil bei den Protagonisten völlig umkehrt (Kinder sind davon natürlich ausgeschlossen). Die ganze bröckelnde Fassade des menschlichen Daseins wird eindrucksvoll durch das Hochzeitsfest offenbart. Wer sollte nun in die Klapsmülle, wohl doch alle „Normalen“! Und was bleibt – wie würden Sie sich verhalten im Angesicht des jüngsten Gerichts? Gott zum Gruße all euch elitären Cineasten
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