Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler

Kinostart: 11.01.2007
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Mehr brav als witzig: Eine Fantasie über Hitler

Charlie Chaplin hat ihn gespielt, Bruno Ganz, Robert Carlyle, Anthony Hopkins ebenso und nun reiht sich Helge Schneider ein in die Riege der Hitler-Schauspieler. Wenn man das Stichwort „Hitler“ in die IMDb eingibt, erscheinen rund 150 Filme, die sich mit dem Führer beschäftigt haben. In den Buchläden stapeln sich Hitler-Bücher von Autoren wie Joachim Fest und Sebastian Haffner. Ein unsterbliches Schreckgespenst, das durch Bücher, Filme und unsere Köpfe geistert und über das wir sogar lachen können, denkt man an Filmkomödien wie Der große Diktator von Charlie Chaplin oder Sein oder Nichtsein von Ernst Lubitsch.

Uns zum Lachen bringen, will auch der Regisseur Dani Levy in seiner neuen Komödie Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler. Schon der Titel lässt erahnen, dass der Film nicht aufklären will oder gar minutiös die Realität nachstellen. Nein, hier handelt es sich um ein Kontrastprogramm zum Hirschbiegel/Eichinger-Film Der Untergang. Levy fantasiert, vermischt das Wahre mit dem Unwahren, funkt rein in die moralisierende Beschäftigung mit der Vergangenheit, persifliert einen kranken, depressiven Hitler (Helge Schneider) am Ende seines totalen Krieges. Von der einstigen „Größe“ ist ein deprimierter Jammerlappen übrig geblieben, verschanzt in der Reichskanzlei im zertrümmerten Berlin. Propaganda-Chef Goebbels (Sylvester Groth) will ihn aufpeppeln lassen, einer Therapie unterziehen, so dass er vor einer Pappkulisse in einer furiosen Neujahrsansprache die Massen wieder zum Krieg mobilisieren kann. Und jetzt kommt’s bitter: Ausgerechnet ein Jude soll Hitler aus der Misere helfen, Adolf Grünbaum aus dem Sachsenhausen-KZ, der Hitler einst in der Schauspielerei unterrichtet hat (Ulrich Mühe).

Eine skurrile Konstellation: Helge-Hitler hilflos und klein, der Jude überlegen und stark. Es ist köstlich, den beiden zuzusehen, wie der Jude den Helge-Hitler an der Nase herum führt, ihn die lächerlichsten Lockerungsübungen machen lässt. Einen engen, gelben Trainingsanzug muss Hitler tragen, auf allen Vieren am Boden liegen, wie ein Hund bellen. Nicht weniger komisch sind die tiefenpsychologischen Übungen, die den Führer in die Kindheit zurückversetzen und die menschlichsten Gefühle aus ihm heraus kitzeln. Die Voyeure sind aber nicht nur wir Zuschauer, im Film sind es Goebbels, Albert Speer (Stefan Kurt) und Himmler (Ulrich Noethen), die die beiden hinter einer Spiegelwand beobachten. Sie trauen dem Brei nicht ganz, aber Grünbaums Maßnahmen greifen und als dieser von Goebbels die Freilassung der Gefangenen von Sachsenhausen fordert als Entlohnung für seine Arbeit, wird er samt Familie zurück ins KZ geschickt. Doch Goebbels hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Hitler kann ohne seinen Juden nicht mehr auskommen. „Ich will meinen Juden“, schreit er erbost, als dieser nicht mehr auftaucht. Grünbaum wird zurück gebracht und weiter geht’s mit den therapeutischen Übungen, bis Hitler fit ist für seine letzte große Rede, die es in Wirklichkeit nie gegeben hat. Alles scheint für Hitler ein gutes Ende zu nehmen, aber ein versehentlich abrasierter Bart und ein geplantes Attentat aus den eigenen Reihen lässt alles anders als geplant ausgehen...

Levy hat sich an die Fakten gehalten, Alice Millers Auseinandersetzung mit der „Schwarzen Pädagogik“ studiert, ihr Buch Am Anfang war Erziehung (1980) gelesen, ebenso das Tagebuch von Hitlers Schauspiellehrer Paul Devrient. Dieser wahre Stoff war Grundlage für Levys Hitler-Fantasie, ein Drehbuch zu schreiben, dass das Wahre mit dem Unwahren kombiniert. Dani Levy wolle an die Tradition von Lubitschs Sein oder Nichtsein oder Chaplins Der große Diktator anknüpfen, merkt er im Presseheft an. Und zu Teilen gelingt ihm es auch. Levy, selbst Jude, bedient sich dem jüdischen Witz auf bissige und pointierte Art, doch der Film als Ganzes bleibt viel zu harmlos und ist vom Witz seiner letzten Komödie Alles auf Zucker! (2005) Welten entfernt.

(Katrin Knauth)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2006
Länge: 95 (Min.)
Verleih: X-Verleih

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 11.01.2007

Trailer

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FILMBEWERTUNG

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Von: H. D. Alter am: 14.02.07
Ob Mehdorn, Sharon, Ackermann, Bush, Sharaon: Helge Schneider ist besser.
Von: Stefan am: 04.02.07
Der Film ist der reinste mist (man bleibt lieber die 1.45 Stunden zuhause auf der Couch) man kann kaum lachen und eine Komödie ist das bei weiten nicht. Naja und so doof wie da die Deutschen dargestellt werden war der deutsche Landser auf keinen fall.
Von: Hatschi am: 22.01.07
Wenn der Film so humorvoll und mutig ist, wie des Regisseurs Gegrätsche über die Filmkritik in der Welt am Sonntag, dann Gesundheit. Da hat sich wohl einer den grossen Reibach erhofft mit dem Dauerstar Hitler und ist jetzt bitter enttäuscht, dass die Rechnung nicht aufgeht.
Von: Henry am: 20.01.07
Also absolute Entäuschung(Katastrophe), weder komisch, lustig oder witzig. Der Film plätschert vor sich hin und man fragt sich die ganze Zeit ja wann geht die "Komödie" denn los ? Ich habe 2 mal kurz "gelächelt" mehr auch nicht. Der Film hat finde ich, keine höhen oder tiefen und am schluss fragt man sich was sollte das eigentlich Komödie ? Drama ?
Von: am: 20.01.07
Au Au Au
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