Mit den Augen eines Malers dokumentieren
Früher, vor der Erfindung von Fotografie und Film, galt die Malerei als zuverlässiges Medium zur Erfassung und Dokumentation von Wirklichkeit. Sie war – so dachte man zumindest – so unbestechlich, dass Peter Greenaway in seinem Film Der Kontrakt des Zeichners sogar einen veritablen Kriminalfall durch die bildende Kunst aufklären ließ. Doch die Zeiten haben sich geändert – mit dem Siegeszug des Films als Dokumentationsmedium Nummer Eins hat die Malerei diesen Anspruch auf Wahrhaftigkeit eingebüsst und changiert seitdem zwischen bloßer Dekoration, Abstraktion, Expressivität und verzweifelten Versuchen, die alte Bedeutung wieder zurück zu erlangen.
Angesichts dieser Entwicklung ist es umso erstaunlicher und bemerkenswerter, dass es immer noch Künstler gibt, die mit ihren Bildern einen dokumentarischen Anspruch erheben – wie im Falle des vorliegenden Films Malerei Heute. In ihm schildern Stefan Hayn und Anja-Christin Remmert den ganz eigenen Ansatz Hayns zur Verknüpfung der Malerei mit dem Moment des Dokumentarischen: Im Sommer 1998 begann Stefan Hayn, ein ausgebildeter Dokumentarfilmer, Aquarelle von Werbetafeln zu malen, die er in Berlin vorfand. Jedes Blatt war von Anfang an als "Einstellung" eines Dokumentarfilms gedacht, der die wirtschaftlichen, politischen und die zwischenmenschlichen Veränderungen (1998 - 2005) protokolliert, die auf den "öffentlichen" Bildern sichtbar werden. Der Zeitraum war günstig gewählt, denn die zurückliegende Wiedervereinigung, der Regierungswechsel von Kohl zu Schröder, der Wandel durch die Globalisierung, all das findet sich auch in den Werbelandschaften Hayns wieder. Und erst der Verfremdungseffekt der Aquarelle öffnet die Augen für die Skurrilitäten mancher Botschaft, für beabsichtige und unbeabsichtige Kommentare zu Wichtigem und Trivalem, zu Ikonen und Sternchen, zu unserem Träumen, Wünschen, Hoffnungen und Ängsten. Bis 2005 entstanden so 156 Blätter, die zu diesem Film verknüpft und durch wenige Realfilmsequenzen sowie Kommentare ergänzt wurden.
Bisweilen eröffnet Malerei Heute ungeahnte Ansichten und Einblicke in die letzten Jahre, doch es ist vor allem der penetrante Kommentar mit seiner oberlehrerhaften Attitüde, die diesen Film trotz der kurzen Laufzeit von nur 60 Minuten zu einer echten Kraftprobe macht.
(Joachim Kurz)
Angesichts dieser Entwicklung ist es umso erstaunlicher und bemerkenswerter, dass es immer noch Künstler gibt, die mit ihren Bildern einen dokumentarischen Anspruch erheben – wie im Falle des vorliegenden Films Malerei Heute. In ihm schildern Stefan Hayn und Anja-Christin Remmert den ganz eigenen Ansatz Hayns zur Verknüpfung der Malerei mit dem Moment des Dokumentarischen: Im Sommer 1998 begann Stefan Hayn, ein ausgebildeter Dokumentarfilmer, Aquarelle von Werbetafeln zu malen, die er in Berlin vorfand. Jedes Blatt war von Anfang an als "Einstellung" eines Dokumentarfilms gedacht, der die wirtschaftlichen, politischen und die zwischenmenschlichen Veränderungen (1998 - 2005) protokolliert, die auf den "öffentlichen" Bildern sichtbar werden. Der Zeitraum war günstig gewählt, denn die zurückliegende Wiedervereinigung, der Regierungswechsel von Kohl zu Schröder, der Wandel durch die Globalisierung, all das findet sich auch in den Werbelandschaften Hayns wieder. Und erst der Verfremdungseffekt der Aquarelle öffnet die Augen für die Skurrilitäten mancher Botschaft, für beabsichtige und unbeabsichtige Kommentare zu Wichtigem und Trivalem, zu Ikonen und Sternchen, zu unserem Träumen, Wünschen, Hoffnungen und Ängsten. Bis 2005 entstanden so 156 Blätter, die zu diesem Film verknüpft und durch wenige Realfilmsequenzen sowie Kommentare ergänzt wurden.
Bisweilen eröffnet Malerei Heute ungeahnte Ansichten und Einblicke in die letzten Jahre, doch es ist vor allem der penetrante Kommentar mit seiner oberlehrerhaften Attitüde, die diesen Film trotz der kurzen Laufzeit von nur 60 Minuten zu einer echten Kraftprobe macht.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Malerei Heute
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
2005
Länge:
60 (Min.)
Verleih:
Freunde der deutschen Kinemathek
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
23.11.2006
CAST & CREW
FILMBEWERTUNG
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