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Luks Glück

Meinungen
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4 Sterne aus 6 Bewertungen

Kinostart: 28.06.2012
FSK: keine Angabe
Genre: Drama, Komödie
Tags: Liebe, Hotel, Familienbeziehung, Migranten, Lottogewinn, Ex-Freundin

Erwachsenwerden auf Umwegen

Was wäre, wenn ich im Lotto gewinnen würde? Was würde ich tun mit so viel Geld? Bei vielen Menschen und Lottospielern mögen diese Fragen häufig durch den Kopf schwirren, für eine türkische Familie in Deutschland sind sie plötzlich Realität. Die Lottogemeinschaft der Familie Karaca hat den Jackpot geknackt und eine Menge Geld gewonnen. Für die Eltern ist klar: Sie erfüllen sich – alle zusammen – den lang gehegten Traum, ein Hotel in der Türkei zu erwerben und somit in ihr Heimatland zurückzukehren. Ihre beiden Söhne jedoch sind sich da nicht so sicher. Murat hat – mit seiner eigenen kleinen Familie – andere Pläne mit seinem Geld. Und Luk weiß nicht so recht, was er mit dem gewonnen Glück anfangen möchte, einen Hotel-Anteil will er jedoch in keinem Fall.

Im Zentrum des Films steht Luk, der jüngste Sohn der Familie, der ständig sein Leben ändern beziehungsweise in den Griff kriegen will, dies bisher aber noch nicht geschafft hat. Was genau er so im Leben getan hat, wird nicht deutlich, und er kann es (sich) selbst auch nicht erklären. Er ist ständig pleite, leiht sich Geld fürs Taxi bei seiner Mutter und hängt bei seinem Freund Anton ab, der ähnlich verloren in der Welt wirkt wie Luk. Nur die Zuneigung – oder ist es Liebe? – zu Gül, seiner Ex-Freundin, Nachbarin und Bald-Wieder-Freundin, hat Bestand.

Als er Gül bei einer Hochzeit singen hört, hat Luk plötzlich eine Idee: Er setzt sein Geld ein, um mit Gül eine Platte aufzunehmen. Revolutionär soll sie sein und traditionelle anatolische Lieder mit schnellen Ska-Rhythmen verbinden. Onkel Cem will ihm dabei helfen, und so fliegen die Familie und Gül nach Istanbul, um ihre unterschiedlichen Träume wahr werden zu lassen. Während sich die Eltern schon als angehende Hotelbesitzer fühlen, verhandelt Luk mit einer Plattenfirma und bereitet den Dreh des Videoclips einer ersten Songauskopplung vor. Gül ist skeptisch, macht jedoch alles mit, was Luk für sie organisiert. Am ersten Drehtag jedoch gerät alles aus den Fugen: Luks Vater haut mit der jungen Nebahat ab, mit der Luk eigentlich hätte verheiratet werden sollen; seine Mutter erleidet daraufhin einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen; und Cem verschwindet – mit Luks gesamten Anteil des Lottogewinns – von der Bildfläche.

Luks Glück ist ein Film über das Erwachsenwerden eines jungen Mannes, aber auch über die Frage nach dem Glück. Der Film arbeitet mit beiden Bedeutungen des deutschen Wortes, beschäftigt sich mit dem zufälligen Aspekt des Glücks ebenso wie mit dem Glücklichsein. Und er macht deutlich, dass diese Fragen nicht nur einen Menschen im Übergang vom Kind zum Erwachsenen beschäftigen, sondern ein Leben lang Thema sind.

Fragen der Kultur(en) und der Integration werden ebenso angedeutet, wenn sich Luks Eltern darüber freuen, dass Luk mit seinem Plattenprojekt die türkische Kultur weiterführen will und dies auch tun soll, denn: "Die eigenen Wurzeln darf man nicht vergessen." Die Familie pendelt gedanklich immer wieder zwischen Hamburg und Istanbul hin und her, skypt regelmäßig mit der Verwandtschaft in der Türkei und genießt auch in der Hamburger Wohnung die türkische Küche. Besonders deutlich wird die Sehnsucht der Eltern nach ihrem Heimatland aber vor allem durch ihren unbedingten Wunsch, mit dem gewonnenen Geld ein Hotel in Kappadokien zu kaufen. Da scheint es egal, wo es sich befindet und wie erfolgsversprechend das Projekt ist – Hauptsache, ein Hotel in der Heimat!

Luks Glück ist eine liebenswürdige Tragikomödie, die zwar viele Klischees bedient, aber doch nicht so recht ins Schema passen will. Ein unkonventioneller Coming-of-Age-Film, der keine Antworten gibt, sondern viele – ganz natürliche und deshalb ehrliche und spannende – Fragen aufwirft. Ein sympathischer Film über eine sympathische Figur und ein Film mit einem wunderschönen Soundtrack.

(Verena Schmöller)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2010
Länge: 91 (Min.)
Verleih: Real Fiction
Kinostart: 28.06.2012

Cast & Crew

Regie: Ayse Polat
Drehbuch: Ayse Polat
Kamera: Patrick Orth
Schnitt: Marty Schenk
Musik: machnixingang, Alain Monnet, Piet Abele
Hauptdarsteller: Kida Ramadan, Sinan Bengier, Aylin Tezel, René Vaziri, Sumru Yavrucuk, Maximilian Vollmar

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: christoph linge am: 21.09.12
.....ich kann`s nicht so recht nachvollziehen, wieso der film in den meisten besprechungen so schlecht wegkommt. sicherlich gibt es "tiefere" charaktere als die figur des "helden" -- es ist aber eben keine klassische griechische tragödie, sondern die geschichte eines "dummen" jungen, dem wir beim erwachsenwerden(wollen) zuschauen. natürlich wird mit klischees nicht gespart -- allerdings transportieren sie, aller kritik zum trotz, auch immer ein gutes stück wirklichkeit. ich habe schon weitaus plattere, aber auch viele verkopftere versuche gesehen, "coming of age" ins kino zu bringen. sicherlich kein ganz grosses kino, aber sympathisch.

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