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Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger

Meinungen
13

3 Sterne aus 890 Bewertungen

Originaltitel: Life of Pi
Kinostart: 27.12.2012
FSK: 12
Genre: Literaturverfilmung, Abenteuerfilm
Tags: Reise, Natur, Ozean, Insel, Schiffbruch, Tiger, Rettungsboot
 

Auf schwankendem Boot zu optischen Wunderwelten

Am gleichnamigen, 2002 mit dem Booker Prize ausgezeichneten Roman des Kanadiers Yann Martel schieden sich die Geister. Die Geschichte eines indischen Jugendlichen, der 227 Tage auf einem Rettungsboot im Pazifik treibt und zwar in Gesellschaft eines bengalischen Tigers, erfuhr viel Lob als spannendes und lebensbejahendes Abenteuer vor spirituellem Hintergrund. Aber nicht jeder konnte sich mit dem ehrgeizigen Ineinandergreifen von erzählerischer Fantasie und Überlebensdrama anfreunden. Regisseur Ang Lee, der schon mit Sinn und Sinnlichkeit, Tiger & Dragon oder Brokeback Mountain Interesse an den unterschiedlichsten Filmstoffen bewies, begriff den Roman als Herausforderung: "In vielerlei Hinsicht geht es um die Kostbarkeit des Erzählens und darum, Geschichten weiterzugeben."

Lee verwendet das Jugendabenteuer in ähnlicher Weise wie es Martin Scorsese mit Hugo Cabret getan hat, als die Spiellust fördernde Vorlage für Erkundungen in den neuen Gefilden des digitalen und 3-D-Mediums. Mit der Übersetzung in fantastische Bilder entspricht die Filmversion von „Life of Pi“ dem Zwittercharakter von Martels Geschichte zwischen physischer Ausnahmesituation und geistig-emotionaler Fülle. Ohne die Anwesenheit des Tigers mit Namen Richard Parker im Rettungsboot hätte die Odyssee des 17-jährigen Pi Patel (Suraj Sharma) wohl die eintönige Trostlosigkeit anderer Survivalgeschichten ausgestrahlt. Aber Pi, der in ständiger Angst leben muss, vom Tiger angegriffen zu werden, sieht darin schließlich sogar ein lebensrettendes Element. Zu Wachsamkeit gezwungen, kann er sich nicht unmerklich, schleichend aufgeben. Er muss sich ein kleines Floß aus Schwimmwesten basteln als Rückzugsmöglichkeit vor dem Tiger, für das hungrige Tier Fische fangen und es sogar mühevoll mit Trillerpfeife und gezielter Provokation von Seekrankheit dressieren, um sich den Zugang zu einer Bootshälfte zu sichern.

Schon die ersten Bilder in Pis indischer Heimat Pondicherry, unterlegt mit sanftem Folkloregesang, stimmen auf einen Erzählstil unschuldiger Verklärung ein. Zebras, Raubkatzen, Elefanten, exotische Vögel tummeln sich im Zoo, den der Vater des Jungen betreibt. Pi (als Kind: Ayush Tandon) wächst behütet in einer Familie auf, die sogar seine religiösen Eskapaden toleriert, nämlich dass der Junge allen Ernstes sowohl praktizierender Hindu, als auch Christ und Moslem zugleich sein will. Ende der 1970er Jahre beschließt die Familie, nach Kanada auszuwandern und geht mit einem Teil der Tiere an Bord eines japanischen Frachters. Wie im Roman, umschließt auch im Film eine Rahmenhandlung das Geschehen: Viele Jahre später bekommt der längst erwachsene Pi (Irrfan Khan) Besuch von einem Schriftsteller (Rafe Spall), dem er seine Geschichte erzählt.

Als der Frachter sinkt, kennt man schon etliche skurrile, komische und wundersame Anekdoten aus Pis Leben, von der merkwürdigen Wahl seines Vornamens bis zu der nachdrücklichen Lektion seines Vaters, dass ein Tiger niemals ein Freund des Menschen wird. In den Wirren der Sturmnacht fällt ein Zebra aus dem Schiff zu Pi in das Rettungsboot und ohne dass er es verhindern kann, erobert es kurzerhand auch der aus den Fluten aufgetauchte Richard Parker. Der Tiger verschwindet zunächst unter der Plane des Bootes, von wo auch eine Hyäne auftaucht. Ein Orang-Utan kann sich zwar ebenfalls auf das Boot retten, doch dann attackiert die Hyäne und schließlich der Tiger, der als einziges Tier übrigbleibt.

Die visuelle Gestaltung verbindet Realitätsnähe in Form von Dreharbeiten in Indien und einem riesigen Wassertank mit einer täuschend echt aussehenden Tigerfigur, die am Computer erschaffen wurde. Die 3-D-Aufnahmen bringen Dinge aus den Tiefen des Raumes glasklar heran. Das Wasser erhält eine einladend durchlässige, bis zur Unsichtbarkeit wandlungsfähige Textur. Allmählich gesellen sich künstlich wirkende Kompositionen hinzu, die das Wunder nicht in der Natur suchen, sondern in der Vorstellungskraft. Martels Geschichte vertraute ja die schwimmende Kontur der Wirklichkeit dem auch nach innen gerichteten Auge ihres Betrachters Pi an. Ang Lee zeigt, wie verführerisch die Möglichkeiten des Mediums Film geworden sind, objektive Wahrnehmung und subjektive Bildwelten zu vermischen.

(Bianka Piringer)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
Länge: 125 (Min.)
Verleih: Twentieth Century Fox
Kinostart: 27.12.2012

Cast & Crew

Regie: Ang Lee
Drehbuch: David Magee
Kamera: Claudio Miranda, Yann Martel
Schnitt: Tim Squyres
Musik: Mychael Danna
Hauptdarsteller: Tobey Maguire, Gérard Depardieu, Irfan Khan, Suraj Sharma, Tabu, Adil Hussain, Ayush Tandon

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 13)
Von: Ingrid Schmidt am: 25.05.13
Hallo;) ich wi auch in den Film gehen. Der soll ja ganz gut sein.
Von: benjamin am: 10.02.13
geiler film
Von: Die Checker am: 03.02.13
Dieser Film ist nicht für kinder gedacht es sollten nur 30+ Leute kommen
Von: bester angie am: 22.01.13
unglaublicher film mit übersinnlich schönen bildern ein film über die liebe zum glauben zum leben und zu der schöpfung über toleranz gegenüber allem was auf der welt existiert so einen film habe ich noch nie gesehen und ich verstehe nicht wie es möglich ist innere seelenzustände und bilder auf diese art zu verknüpfen unbedingt ansehen
Von: Daniela am: 16.01.13
denke, dass er roman ein guter stoff ist, in dem mit vielen sinnbildern gearbeitet wird, die sich wohl im kopf besser ausrollen lassen, als auf einer leinwand.. die geschichte als solche, die sache mit den tieren, die für die menschen stehen und v.a. der kampf pi´s mit dem tiger respektive mit sich selbst, sind sehr schöne metaphern! es artete aber zu sehr in kitsch und unglaubwürdigkeit aus, zumal sich die auflösung des ganzen ja erst zum schluss zeigt.. der hauptdarsteller selbst ist zwar hübsch anzusehen ;-), aber so manche emotion hab ich ihm an der einen od anderen stelle nicht wirklich abgekauft.. und was die 3d-effekte angeht: sie wirkten sehr oft wie vorgeschobene, an alte teleramas erinnernde 2d-kulissen. ich frage mich sowieso, wieso musste es überhaupt 3d sein?? reichen bei so einem bombastischen film nicht eh schon die bilder? und für den schluss noch eine ganz simple interpretation: pi könnte dem jungen, bisher eher erfolglosen autor die geschichte auch einfach erzählt haben, damit dieser endlich zu einem guten stoff kommt! :) alles in allem kein muss, aber eine ganz nette unterhaltung.

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