Wenn Kinder Kinder bekommen...
Sie sind selbst noch fast Kinder, der 20-jährige Bruno (Jérémie Renier) und die 18-jährige Sonia (Déborah François) und dementsprechend unsicher und fragil in allem, was sie tun. Ihre Liebe ist von einer kindlichen Naivität und anscheinend grenzenlos, trotz aller finanziellen Nöte. Bruno hat meist kein Dach über dem Kopf, er hält sich mit kleinen Gaunereien über Wasser, lässt Schulkinder für sich klauen und verhökert die Beute, um den Löwenanteil daran in die eigene Tasche zu stecken. Und seine Freundin Sonia lebt mehr schlecht als recht von der Sozialhilfe. Ohne Skrupel vermietet Bruno schließlich die kleine Sozialwohnung weiter, während Sonia im Krankenhaus ist und das gemeinsame Kind auf die Welt bringt. Doch damit ist seine Sorglosigkeit noch längst nicht am Ende, denn seine Lebensgier, sein Überlebensinstinkt und seine Angewohnheit, alles zu versilbern, macht auch vor dem eigenen Kind nicht Halt – wahrscheinlich ist es für ihn nichts weiter als ein Ding, ein Gegenstand. Als ihm ein Angebot für das Kind gemacht wird, sagt Bruno zu und verhökert seinen Sohn, den kleinen Jimmy an eine illegale Adoptionsvermittlung. Als Sonia das erfährt bricht sie zusammen, ihr Freund aber ist sich keiner Schuld bewusst und schlägt vor, sie könnten ja noch ein Kind zeugen. Als Bruno ihr zuliebe vergebens versucht, das Kind zurückzubekommen, zerbirst ihre kleine Welt.
Die Filme von Jean-Pierre und Luc Dardenne, die 1999 mit Rosetta die Goldene Palme von Cannes (und den Preis für die beste Hauptdarstellerin) gewannen, sind hyperrealistische Reportagen vom Rande der Gesellschaft in Mitteleuropa, neo-neorealistisches Sozialkino, das das Leben zeigt wie es ist, ohne emotionale Überhöhung, sondern als seismographische Wahrnehmungen der Verwerfung zwischen Individuum und Gesellschaft. Sie enthalten sich jeder Form der Anklage, bleiben beunruhigend neutral und kreisen hektisch um ihre Protagonisten, die heimatlos sind wie die beiden quasi obdachlosen Akteure, deren Kind, so mag man hoffen, es irgendwo einmal besser haben wird. Intensives „Direct Cinema“, das für einen gehörigen Klos im Hals sorgt, falls man noch nicht ganz und gar abgebrüht und abgestumpft ist.
Die Filme von Jean-Pierre und Luc Dardenne, die 1999 mit Rosetta die Goldene Palme von Cannes (und den Preis für die beste Hauptdarstellerin) gewannen, sind hyperrealistische Reportagen vom Rande der Gesellschaft in Mitteleuropa, neo-neorealistisches Sozialkino, das das Leben zeigt wie es ist, ohne emotionale Überhöhung, sondern als seismographische Wahrnehmungen der Verwerfung zwischen Individuum und Gesellschaft. Sie enthalten sich jeder Form der Anklage, bleiben beunruhigend neutral und kreisen hektisch um ihre Protagonisten, die heimatlos sind wie die beiden quasi obdachlosen Akteure, deren Kind, so mag man hoffen, es irgendwo einmal besser haben wird. Intensives „Direct Cinema“, das für einen gehörigen Klos im Hals sorgt, falls man noch nicht ganz und gar abgebrüht und abgestumpft ist.
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
L’Enfant
Originaltitel:
The Child – Cannes 2005
Produktionsland:
Frankreich, Belgien
Produktionsjahr:
2004
Länge:
95 (Min.)
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
01.01.2005
CAST & CREW
Regie:
Luc Dardenne
Hauptdarsteller:
Jérémie Renier, Déborah François, Jérémie Segard, Fabrizio Rongione, Olivier Gourmet
FILMBEWERTUNG
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