L’Auberge Espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg

Originaltitel: Les Poupées Russes
Kinostart: 03.11.2005
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Ein Wiedersehen mit alten Freunden

Lang lang ist’s her, dass eine bunte Studi-Truppe – Erasmus sei Dank – in Cédric Klapischs L’Auberge Espagnole für ein Jahr Barcelona aufmischen durfte. Und seitdem hat sich vor allem der smarte Romain Duris (Der wilde Schlag meines Herzens) als charmanter Hallodri in die Herzen nicht nur französischer Kinobesucherinnen gespielt. Und weil das Ganze beim Publikum gut ankam und derzeit bereits die knapp Dreißigjährigen in der Rückschau auf Ereignisse, die gerade mal wenige Jahre zurückliegen, zu melancholischer Verklärung neigen, ist es denn auch kein Wunder, dass die Fortsetzung mit dem geographisch etwas holprigen Titel L’Auberge Espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg nun auf dem Fuß folgt.

In der Zwischenzeit sind fünf Jahre vergangen, und noch immer denkt Xavier sehnsüchtig an die unbeschwerte Zeit in Barcelona zurück. Wohl auch deshalb, weil sich seine Träume von Ruhm und Ehre als Schriftsteller sich bislang kaum erfüllt haben. Stattdessen hält sich der smarte Sunnyboy mit schlechten Drehbüchern für noch schlechtere TV-Soaps mühsam über Wasser. Dummerweise läuft sein Liebesleben nicht viel besser, offensichtlich hat Xavier bislang nicht die richtige gefunden. Als der Sender, für den er arbeitet, an ein britisches Unternehmen verkauft wird, erhält er ausgerechnet seine ehemalige Mitbewohnerin Wendy (Kelly Reilly) aus Barcelona als Co-Autorin zur Seite gestellt. Und prompt funkt es zwischen den beiden. Nun könnte alles in schönster Ordnung sein, wenn da nicht noch das Top-Model Celia (Lucy Gordon) wäre, für die Xavier als Ghostwriter zur Feder greifen soll. Erst eine Reise nach St.Petersburg zur Hochzeit von Wendys Bruder William (Kevin Bishop) bringt schließlich die Auflösung der kniffligen Frage, wen Xavier denn nun wirklich liebt...

Irgendwie erinnert L’Auberge Espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg an die Fortsetzung von Richard Linklaters Interrail-Romanze Before Sunrise. In beiden Fällen deutlich auf ein junges Publikum abzielend, sind es hier wie dort amouröse Altlasten, die den Helden der jeweiligen Geschichte – in beiden Fällen sind es angehende oder bereits arrivierte Schriftsteller – umtreiben, bis er schließlich die Antwort auf seine drängenden Probleme weiß. Zwei Filme, die einen bestimmten Teil des Heranwachsens unter die Lupe nehmen und auf charmante Weise verbrämen und glorifizieren, zwei Filme, die – so ist zu vermuten – das Lebensgefühl der Generation der 20- bis 35-jährigen authentisch einfangen, ohne authentisch sein zu wollen. Freilich ist die Tonalität der beiden Filme vollkommen unterschiedlich, denn während Linklater unablässig um Fragen und Probleme der Kommunikation kreist und dies vornehmlich an einem Ort tut, setzt Klapisch voll auf rasante Szenenwechsel und ein überbordendes Gefühl der Ausgelassenheit, bei dem – darauf kann sich der Zuschauer verlassen – jedes Problem lediglich dazu dient, gelöst zu werden. Realistisch ist das ebenso wenig wie die hippen Berufe, doch es macht (immer noch) verdammt viel Spaß, der multikulturellen Truppe bei ihren Liebeswirrungen zuzuschauen. In Frankreich erlagen bereits 3 Millionen Zuschauer dem Charme der Fortsetzung.

Für Jungakademiker mit gelegentlichen Nostalgie-Flashbacks mit Sicherheit unverzichtbar, zumal die fulminanten Hauptdarsteller – unter ihnen auch Audrey Tautou - bestens über zu erwartende Bafög-Rückzahlungen hinwegtrösten.

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: L’Auberge Espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg
Originaltitel: Les Poupées Russes
Produktionsland: Frankreich
Produktionsjahr: 2005
Länge: 125 (Min.)
Verleih: Tobis

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 03.11.2005

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FILMBEWERTUNG

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Bisherige Kommentare (Anzeige: 5 von insgesamt 6)
Von: Ex-Student am: 24.11.05
Wenn der mal nicht in Göttingen, Tübingen, Freiburg und Heidelberg gut läuft, weiß ich auch nicht mehr...
Von: am: 15.11.05
Für ein paar lascher sorgt er schon, aber wie so viele Sequels kommt er nicht an das Origfinal ran. Oder liegts daran, dass ich älter geworden bin?
Von: ido am: 08.11.05
Am Anfang sehr gut. Wird aber irgendwann sehr langatmig. War wohl zuviel Geld übrig. Wenn man den Film 20 Minuten kürzer gemacht hätte, wäre er ansprechender. Schade eigentlich.
Von: sukram am: 07.11.05
Genial! Absolut chaotisch und voller Ideen. Mal wieder grosses französisches Kino! Klapisch hat sehr fein beobachtet. Wer allerdings eine Fortsetzung der Studenten-WG-Komödie aus Teil eins erwartet wird enttäuscht. Aber irgendwann ist die Studentenzeit ja auch vorbei. Ich persönlich finde Teil 2 fast noch besser. Auf alle Fälle ansehen.
Von: bert am: 05.11.05
Ganz netter, aber total überflüssiger Film.
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