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Kinsey

Meinungen
3

3.9 Sterne aus 20 Bewertungen

Kinostart: 24.03.2005

Porträt eines sexuellen Aufklärers und Wegbereiters

Der Name Alfred C. Kinsey ist auch heute noch weltberühmt für den Kinsey-Report, in dem der Naturwissenschaftler das sexuelle Verhalten des Mannes und der Frau in den späten Vierzigern und frühen Fünfzigern untersuchte und damit die Gesellschaft schockte. Die Offenheit, mit der der Revolutionär die „schönste Nebensache der Welt“ gleichsam wissenschaftlich anpackte, passte so gar nicht in die prüde Zeit, in der man über solche gewagten Themen am liebsten schwieg. Doch wer war der Mann, der die USA und die gesamte westliche Hemisphäre so freizügig aufklärte? Ein Biopic der ungewöhnlichen Sorte macht sich auf die Spurensuche nach dem Wegbereiter des sexuellen Diskurses, der heute längst alle Formen des Lebens durchdrungen hat, und der doch immer wieder auf die gleichen Widerstände und Tabuisierungen trifft wie damals.

Kinseys Kindheit und Jugend war allerdings nicht gerade von Modernität und einer freien Art des Denkens geprägt, im Gegenteil. Sein Vater, im Film verkörpert von John Lithgow, ist ein äußerst strenger und harter Mann, der ihm immer wieder Verzicht und strenge moralische Prinzipien predigt und den sensiblen Jungen in ein enges restriktives Korsett aus Selbstkasteiung und absurden Theorien zwängt, das sich gegen jede Form des Fortschritts und der Erkenntnis erbittert zur Wehr setzt – selbst ein einfacher Reißverschluss gerät zum Hort des Bösen. Erst der Bruch mit dem Vater und die Hinwendung zur Naturwissenschaft bringen Kinsey schließlich auf seinen Weg, den er nun weiter verfolgen wird. Mit der gleichen Besessenheit, mit der sich der junge Biologe und Psychologe Kinsey auf die Varianzen der Gallwespe stürzt, wird er sich später dem Liebesleben der Gattung Mensch zuwenden und nach langen Untersuchungen zwei Bücher veröffentlichen, von denen vor allem das Werk über das Sexualverhalten der Frau einen Sturm der Entrüstung auslösen wird.

Die konventionell und gefällig inszenierte Biographie Kinseys, der von Liam Neeson als leidenschaftlicher Forscher und unbeirrbarer Wahrheitssucher dargestellt wird, unterbricht Regisseur Bill Condon (Gods and Monsters) immer wieder mit Einschüben der berühmten Interviews, mit deren Hilfe der Wissenschaftler die gesamte Bandbreite menschlichen Sexualverhaltens abzudecken versuchte. Manche der Geständnisse sind tragisch und rühren beinahe zu Tränen, weil sie die Last der tabuisierten und verdrängten Wünsche erahnen lassen, andere wiederum reizen zum Lachen oder schockieren ob ihrer Drastik, ohne dass der Film deswegen voyeuristisch wäre. Und es sind genau jene Szenen, die den Film über den Rang eines normalen Biopics herausheben und zu einer Reflektion über die Sexualität im Allgemeinen werden lassen. Auch werden Kinseys eigene Fehler nicht unter den Tisch gekehrt, sondern der Wissenschaftler und sexuelle Aufklärer muss sich durchaus an seinen eigenen Maßstäben messen lassen, ein Maßstab, der nicht immer zu seinen Gunsten ausfällt. Dass Kinsey nicht zur platten Heiligenverehrung ausartet, liegt vor allem an Condons behutsamer Regie und dem ausgewogenen und klugen Script und an Liam Neeson, den man selten in den letzten Jahren so gut gesehen hat.

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2004
Länge: 119 (Min.)
Verleih: 20th Century Fox
Kinostart: 24.03.2005

Cast & Crew

Regie: Bill Condon
Hauptdarsteller: Liam Neeson, Laura Linney, Peter Sarsgaard, Timothy Hutton, Chris Donnell

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 3 von insgesamt 3)
Von: am: 04.04.05
Ich hätte mir mehr von diesem Film erwartet. Das Thema ist ganz schön weich gespült worden, wahrscheinlich damit der Film überhaupt in den USA gezeigt werden kann.
Von: am: 06.03.05
also ich hätte der lauralinney den oscar gegönnt. spielt eine klasse rolle in kinsey.
Von: am: 14.02.05
Ich bin ein großer Fan von Liam Neeson und bin sehr gespannt auf den Film. Was ich bisher gesehen habe, fande ich durchaus beeindruckend!

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