Ken Park

Kinostart: 22.07.2004
Leserbewertung:
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Ein Panoptikum der Kleinstadthölle

Ein sommersprossiger rothaariger Junge rollt auf seinem Skateboard durch die kalifornische Kleinstadt Visalia, ein langweiliges Kaff irgendwo im Niemandsland des Sunshine State. Aus seinem Discman dröhnt Oi!-Punk. Im örtlichen Skatepark inmitten von Gleichgesinnten setzt er sich in aller Seelenruhe hin, baut seine Videokamera auf, holt eine Pistole aus seinem Rucksack und jagt sich eine Kugel in den Kopf. Sein Name, so erfahren wir, ist Ken Park.

Mit diesem Paukenschlag beginnt der neue Film von Larry Clark, der 1995 mit dem Streifen Kids bereits für einiges Aufsehen gesorgt hatte. Und auch Ken Park ist schon wieder in aller Munde, in den USA erhielt der Film wegen seiner freizügigen Sexualität keine Jugendfreigabe und konservative Kritiker unterstellten Clark pädophile Neigungen. Was daran stimmt, ist dass Larry Clark wie bereits in Kids sich wieder intensiv mit der Situation amerikanischer Teenager auseinandersetzt. Daraus und aus seinen sehr freizügigen Bildern (die heutzutage allerdings bereits zum Standard-Abendprogramm jedes deutschen Privatsenders gehören) allerdings solche Schlussfolgerungen zu ziehen, ist mehr als fragwürdig. Denn es geht dem Regisseur und seinem Drehbuchautor Harmony Korine, der bereits das Skript zu Kids besorgte, ganz offensichtlich um etwas anderes als um einen publicityträchtigen Skandal.

Mittels einer Gruppe von Freunden, Shawn, Peaches, Tate und Claude, die ausschließlich von jungen Laiendarstellern gespielt werden und die wie Ken Park ebenfalls Skater sind, seziert Clark schonungslos und radikal die bedrückende Atmosphäre und die unterschwelligen Konflikte in Visalia. Nahezu alle Beziehungen hier sind kaputt, insbesondere zwischen den Generationen der Kids und ihrer Eltern herrscht mehr oder weniger offener Krieg. Unverständnis, Mangel an Kommunikation und abgrundtiefer Hass prägen das Verhältnis, Sex scheint hier die einzige Abwechslung zu sein und die einzige Form der Verständigung. Und doch bietet auch diese Form des Austauschs keine Gnade und erst recht keine Erlösung.

Shawn beispielsweise schläft mit der Mutter seiner Freundin, die ihn lediglich dazu benutzt, um sich zu holen, was sie braucht. Als Shawn sich in sie verliebt oder glaubt, so zu empfinden, ist klar, dass diese Liebe keinen Bestand haben kann. Claude lebt im Dauerclinch mit seinem meist besoffenen Vater, dem er zu weich und zu sensibel ist und der ihn für einen verkappten Schwulen hält. Was diesen allerdings nicht daran hindert, nach einer nächtlichen Sauftour seinen Sohn zu vergewaltigen. Tate lebt bei seinen Großeltern und auch hier ist die Situation zum Zerreißen gespannt, denn die beiden Alten nerven den Jungen so sehr, dass er sie schließlich eines Abends im Schlaf umbringt. Peaches, das einzige Mädchen in der Gruppe, wird von ihrem Vater, einem verwitweten christlichen Fundamentalisten, beim Sex mit ihrem Freund erwischt und brutal zusammengeschlagen, anschließend muss sie das Brautkleid ihrer verstorbenen Mutter anziehen und wird zur Heirat mit ihrem Vater gezwungen.

Schockierend ist an Ken Park NICHT die Drastik seiner Bilder, die zudem durch Momente großer Zärtlichkeit gemildert werden, sondern die schonungslose Analyse des Regisseurs und seines Drehbuchautors über die Machtverhältnisse in den amerikanischen Familien. Selbst die Utopien der Kids von einem eigenen, selbstbestimmten Leben – die einzige Hoffnung, die der Film anbietet – werden immer wieder unterlaufen, karikiert und bloßgestellt als Fortsetzung der verlorenen Wünsche ihrer Eltern. Zu tief, so scheint es, sitzt der Keim des Bösen in ihnen allen, um sich ihm dauerhaft entledigen zu können. Die Hölle, das sind im Falle von Larry Clark nicht die Satre’schen anderen, sondern ALLE.

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Ken Park
Produktionsjahr: 2002
Länge: 95 (Min.)
Verleih: Independent Partners/Neue Visionen

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 22.07.2004

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FILMBEWERTUNG

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Von: konsum am: 12.01.07
kommt so ein bullshit...der film schockt zwar und der befreiungsefekt am ende ist auch zu spüren ABER das zeigt doch nicht die wirklichkeit, im gegenteil! die krassesten der krassesten ausnahmefälle werden auf eine stadt und einen freundeskreis überzogen drastisch fokosiert! wer da aufklärerisches potenzial sieht kommt nicht klar!
Von: am: 14.11.05
radikale Analyse
Von: hagi am: 11.05.05
ein irgendwie merkwürdiger und doch guter film. zwischen den jugendlichen darstellern gibt es kaum irgendwelche verbindungen und doch verbindet sie das kaputte verhältnis zum erlternhaus und das einödige leben die darsteller auf eine besondere art und weise. sex und drogen werden sehr freizügig dargestellt und zeigen einfach die pure realität in der heutigen jugend und deren verzweiflung an einer spießigen scheingesellschaft wo jeder seine eigene leiche im keller hat. sollte man gesehen haben
   
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