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Jets - Helden der Lüfte

Meinungen
1

3 Sterne aus 9 Bewertungen

Originaltitel: Ot vinta
Kinostart: 27.06.2013
FSK: o. Al.
Genre: Animationsfilm, Familienfilm, Abenteuer
Tags: Ferienlager, Show, Herausforderung, Wettbewerb, Flieger

Schrotthaufen der Lüfte

Es gibt im Kinogeschäft ein Phänomen, das von Filmfans mit dem Begriff "Mockbuster" belegt worden ist. Das sind schnell und meist sehr preiswert produzierte Filme, die sich in Thema, Ästhetik und vor allem Titel an bekannte Blockbuster oder kommende Großproduktionen anlehnen, um von deren wirtschaftlichem Erfolg zu profitieren – entweder, indem man darauf hofft, dass Zuschauer die Filme verwechseln, oder schlichtweg um auf einer Erfolgswelle mitzuschwimmen. Meist landen diese Filme als Direct-To-Video-Titel in den Videotheken und Verkaufsregalen.

Zu den Mockbustern muss man auch Jets – Helden der Lüfte zählen, der fast auf den Tag genau zwei Monate vor der Disney-Produktion Planes sogar in deutsche Kinos kommt. Planes wiederum ist ein Disney-Spin-Off der extrem erfolgreichen Pixar-Produktion Cars und damit schon selbst ein wahrscheinlich nicht allzu originelles Filmunterfangen. Disney wird sich aber schon sehr anstrengen müssen, um einen noch langweiligeren, unansehnlicheren und liebloseren Film zu machen als Jets – Helden der Lüfte.

Die Welt von Jets ist, man ahnt es schon, eine Welt der belebten Flugzeuge; es gibt aber auch belebte Autos, Mikrofone und dann auch ganz normal organische Dinge wie Bäume und sprechende Vögel. Der kleine Jet Maverick, der unter gelegentlicher Höhenangst leidet, würde gerne bei einer ganz bekannten Akrobatenstaffel mitfliegen, den "Top Guns". Er bekommt die Chance, sich bei einem Vorfliegen zu bewerben, und wird dafür zu einem Trainingscamp geschickt, wo er neben viel Wüste und rostigen Flugzeugen auf seinen Widersacher Iceman trifft, während er sich zugleich vielleicht ein wenig in die Flugzeugdame Lightning verliebt...

Doch, doch, die Staffel heißt wirklich "Top Guns" und die Flugzeuge Maverick und Iceman – das sind sicher nicht ganz zufällig auch die Spitznamen der Hauptkontrahenten in Tony Scotts Actionfliegerknaller Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel von 1986. Das wäre nicht so schlimm, wenn die Macher von Jets sonst irgendeine eigenständige Idee gehabt hätten. Hatten sie aber nicht.

Die Figuren sind nicht nur stereotyp, sondern auch völlig unterentwickelt, die Handlung ist eine Underdog-Geschichte des Formats 08/15, die vage Behauptungen nur mühsam zusammenhalten. Der so entstandene Brei wird von zum Teil unfassbar bedeutungsloser Fahrstuhlmusik unterspült, und bis hierhin habe ich ja noch nicht einmal begonnen, mich über die Animation des Films aufzuregen. Diese gehört nämlich mit zum Lieblosesten, was man je an computergenerierten Bildern auf der Leinwand gesehen hat.

Die Flugzeuge sind weit entfernt vom Charme der Pixar-Kreationen und wirken physisch starr und emotional steif; die Bildhintergründe sind flächig oder von erschreckend grässlicher Textur, Bewegungen sind oft innerhalb des Filmuniversums unlogisch oder inkonsequent – und komplexe Bilder wie z.B. Feuer, Rauchentwicklung oder Wolken sehen aus wie in den allerbilligsten Fernsehproduktionen. Die Akrobatiksequenzen im Flug sind so verwirrend, dass man zu kaum einem Zeitpunkt weiß, wo sich die Flugzeuge gerade befinden oder warum dieses Kunststück so atemberaubend sein soll. Selbst die obligatorische Trainings-Montage wirkt ungelenk und fade. Mit anderen Worten: Der Film ist ein einziger Schrotthaufen, dem man 87 Minuten lang beim Sich-Auftürmen zusehen kann.

Entstanden ist das Projekt im Armenischen Animationsstudio Touch FX Animation Studio, in Deutschland wird es von Splendid Animation ins Kino gebracht, einem Label der Kölner Splendid Film GmbH. Bleibt zu hoffen, dass man bei Splendid für die nächsten Animationsfilme ein glücklicheres Händchen hat.

(Rochus Wolff)

Daten & Fakten

Produktionsland: Russland
Produktionsjahr: 2012
Länge: 83 (Min.)
Verleih: Splendid Filmverleih
Kinostart: 27.06.2013

Cast & Crew

Regie: Olga Lopato
Drehbuch: Armen Adilkhanyan, Tilek Cherikov, Timur Cherikov, Mychal Simka
Kamera: Gabriel Mirakyan
Musik: Gari Miller

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Thorsten am: 11.08.13
Eines vorab: Der Film ist im Vergleich zu den Disney/Pixar-Produktionen schlecht. Der Filmkritik hätte aber auch ein wenig mehr Recherche nicht geschadet. Dieser Film ist vor ca. einem Jahr in Russland herausgekommen, also eine ganze Weile vor Disneys "Planes". Die Grundidee der sprechenden Flugzeuge ist natürlich klar von "Cars" geklaut, das geben die Macher sogar zu. Aber dass hiermit dem Disney-Film "Planes" direkt Konkurrenz gemacht werden soll, muss man vor allem den Leuten unterstellen, die diesen Film jetzt in die deutschen Kinos bringen. Die Macher des Films "Jets" (im Original "Ot Vinta") hatten vermutlich gar nicht vor, diesen Film international zu vermarkten. Die Flugzeuge in dem Film sind an russische Flugzeugtypen angelehnt, und "Top Gun", "Maverick" und "Iceman" sind in den deutschen Synchronstudios entstanden und haben mit den Namen in der russischen Originalfassung GAR NICHTS zu tun. Ebenso enthalten die Szenen und die russischen Dialoge hier und da Anspielungen, die man nur dann -- und wirklich nur dann -- verstehen kann, wenn man sich mit Russland und mit russischen Filmklassikern einigermaßen auskennt. Hinzu kommt, dass der Film letztes Jahr in Russland anlief, als man dort das Jubiläum "100 Jahre russische Fliegerei" feierte. All dies und mehr deutet darauf hin, dass alleine der deutsche Vertreiber hier die Chance wittert, aus dem kommenden Filmstart von Disneys "Planes" auf Kosten ge- und enttäuschter Zuschauer ein wenig Reibach zu machen. Der Film kam übrigens auch in Russland schlecht an. Man hätte ihm eine noch stärkere russische Identität geben müssen, damit er sich von den Disney-Produktionen wenigstens dadurch abheben kann -- da hätte man viel machen können, und es wäre originell gewesen. Dass die deutsche Fassung nun auch noch die wenigen Spuren russischer Identität durch Namen wie "Top Gun" und "Maverick" wegwischt, macht den Film nicht nur noch blöder, sondern unterstützt außerdem die These, dass die Täuschung und Abzocke eines unmündigen Kinopublikums hier das Hauptziel der Vertreiber in Deutschland ist.

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