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Der Film It Looks Pretty from a Distance ist langsam, behäbig gar und schwer. Die Darsteller, allesamt Laien, die tatsächlich auch in diesem Ort unter diesen Umständen leben, scheinen fernab zu sein von jeglichen Emotionen; Empathie und Nächstenliebe haben hier keinen Platz. Es geht nur ums Überleben, ums Weiterkommen – egal wie.
Auf der Kunstebene funktioniert It Looks Pretty from a Distance dann doch ganz anders. Denn Pawels Geschichte ist nichts weiter als die Oberfläche einer viel tieferen Geschichte. Was die Sasnals eigentlich bewegte dieses Werk zu kreieren, ist ein Stück polnische Geschichte, die lange Zeit keiner hören wollte. Während des 2. Weltkrieges ergab es sich, dass deutsche Truppen ein polnisches Dorf okkupierten, welches aus Polen und einer kleinen jüdischen Gemeinde bestand. Die Deutschen ließen die Polen entscheiden, was sie mit den Juden machen wollen. Ohne viel Gezeter sperrten diese ihre jüdischen Nachbarn, mit denen sie jahrzehntelang zusammen gelebt hatten, in einen Schuppen, zündeten diesen an und teilten dann ihre Besitztümer unter sich auf.
Wie zeigt man den Holocaust? Sollte man ihn überhaupt zeigen, wieder erzählen, auf die Leinwand bringen? Schon Claude Lantzmann hat sich ausführlich mit dieser Frage beschäftigt und suchte die Antwort in Shoah in einer langen Kamerafahrt auf den Schienen, die nach Auschwitz führen. Die Sasnals rekreieren den Kern des Verbrechens – Gier – und transportieren diesen in eine Geschichte in der Jetzt-Zeit, weit weg vom Damals, das sich für unsere Generation schon komplett überladen hat mit einer Patina aus (oftmals falsch verstandener) Historizität. Was bleibt ist ein Kunstwerk, ein Film, der abstrakt versucht dem Unbegreiflichen etwas Greifbares entgegenzustellen, das ausschließlich auf einer subtilen, emotionalen Ebene zum Einsatz kommt. Wer als Zuschauer die Hintergrundgeschichte nicht kennt, wird diese auch niemals erahnen, wohl aber wird ihn das Gefühl besteigen, welches auch die Dorfbewohner im Polen des 2. Weltkrieges spürten (und die ja letztendlich nur Stellvertreter sind für unzählige solcher Augenblicke und Entscheidungen).
(Beatrice Behn)
It Looks Pretty from a Distance
| Originaltitel: | Z daleka widok jest piekny |
|---|---|
| FSK: | keine Angabe |
| Genre: | Drama |
| Tags: | Polen, Verschwinden, Filmfestival Rotterdam 2012 , Filmfest München 2012 |
Kunst und Film
Anka und Wilhelm Sasnal haben einen Film gemacht. Obwohl, schon diese Aussage würde das Künstlerpaar vehement bestreiten. Daher muss wohl gesagt werden: Anka und Wilhelm Sasnal haben ein Stück Bewegtbildkunst gemacht. Aber eigentlich ist It Looks Pretty from a Distance beides: Kunst und Film. Als Film beschreibt das Stück eine kurze Geschichte in einem Dorf irgendwo in Polen, weit ab, so scheint es, von Zivilisation. Die Lebensumstände sind einfach bis hart. Pawel (Marcin Czarnik) lebt hier mit seiner dementen Mutter und seiner Verlobten in einfachen Verhältnissen. Er sammelt Altmetall und Müll, er lebt in und von Müll. Die Mutter macht ihm das Leben schwer, bis er sie eines Tages fortbringt. Keiner weiß wohin, es ist auch allen egal. Menschen und Müll, so scheint es, sind auf gleicher Ebene: Was nicht verwertet werden kann, kommt weg. Doch eines Tages verschwindet Pawel ebenfalls und die Nachbarn warten nicht lang, bis sie sein Hab und Gut an sich nehmen und sein Haus zerstören.Der Film It Looks Pretty from a Distance ist langsam, behäbig gar und schwer. Die Darsteller, allesamt Laien, die tatsächlich auch in diesem Ort unter diesen Umständen leben, scheinen fernab zu sein von jeglichen Emotionen; Empathie und Nächstenliebe haben hier keinen Platz. Es geht nur ums Überleben, ums Weiterkommen – egal wie.
Auf der Kunstebene funktioniert It Looks Pretty from a Distance dann doch ganz anders. Denn Pawels Geschichte ist nichts weiter als die Oberfläche einer viel tieferen Geschichte. Was die Sasnals eigentlich bewegte dieses Werk zu kreieren, ist ein Stück polnische Geschichte, die lange Zeit keiner hören wollte. Während des 2. Weltkrieges ergab es sich, dass deutsche Truppen ein polnisches Dorf okkupierten, welches aus Polen und einer kleinen jüdischen Gemeinde bestand. Die Deutschen ließen die Polen entscheiden, was sie mit den Juden machen wollen. Ohne viel Gezeter sperrten diese ihre jüdischen Nachbarn, mit denen sie jahrzehntelang zusammen gelebt hatten, in einen Schuppen, zündeten diesen an und teilten dann ihre Besitztümer unter sich auf.
Wie zeigt man den Holocaust? Sollte man ihn überhaupt zeigen, wieder erzählen, auf die Leinwand bringen? Schon Claude Lantzmann hat sich ausführlich mit dieser Frage beschäftigt und suchte die Antwort in Shoah in einer langen Kamerafahrt auf den Schienen, die nach Auschwitz führen. Die Sasnals rekreieren den Kern des Verbrechens – Gier – und transportieren diesen in eine Geschichte in der Jetzt-Zeit, weit weg vom Damals, das sich für unsere Generation schon komplett überladen hat mit einer Patina aus (oftmals falsch verstandener) Historizität. Was bleibt ist ein Kunstwerk, ein Film, der abstrakt versucht dem Unbegreiflichen etwas Greifbares entgegenzustellen, das ausschließlich auf einer subtilen, emotionalen Ebene zum Einsatz kommt. Wer als Zuschauer die Hintergrundgeschichte nicht kennt, wird diese auch niemals erahnen, wohl aber wird ihn das Gefühl besteigen, welches auch die Dorfbewohner im Polen des 2. Weltkrieges spürten (und die ja letztendlich nur Stellvertreter sind für unzählige solcher Augenblicke und Entscheidungen).
(Beatrice Behn)
Daten & Fakten
| Produktionsland: | Polen |
|---|---|
| Produktionsjahr: | 2011 |
| Länge: | 77 (Min.) |
Cast & Crew
| Regie: | Anka Sasnal, Wilhelm Sasnal |
|---|---|
| Drehbuch: | Anka Sasnal, Wilhelm Sasnal |
| Kamera: | Wilhelm Sasnal, Aleksander Trafas |
| Schnitt: | Beata Liszewska |
| Hauptdarsteller: | Marcin Czarnik, Piotr Nowak, Elzbieta Okupska, Jerzy Lapinski, Hanna Chojnacka |
2013
16/05
Kinostarts
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