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Iron Sky

Meinungen
14

4 Sterne aus 217 Bewertungen

Kinostart: 05.04.2012
FSK: 12
Genre: Science Fiction
Tags: Nationalsozialismus, Invasion, Mond, Berlinale 2012, Berlinale 2012 Panorama

The Return of the Nazis from Outer Space

Mehr als drei Jahre hat es gedauert bis die Idee, einen Gemeinschaftsfilm über Nazis auf dem Mond zu machen, in die Tat umgesetzt werden konnte und endlich auf großer Leinwand zu sehen ist. Das Besondere an "Iron Sky" ist seine Entstehung, die durch eine Schwarmfinanzierung zustande kam und dessen Drehbuch unter anderem durch Crowdsourcing entstand.

Bei dieser Entstehungsgeschichte werden vor dem Sehen des Filmes aber gleich zwei Befürchtungen wach: erstens wird ein so lange und so massiv gehypter Film fast nie den überhöhten Erwartungen stand halten können, die man an ihn stellt. Zweitens führt ein Crowdsourcing, also eine kollektive Ideensammlung meistens dazu, dass das Endprodukt eines voller Kompromisse ist, das auf den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergebrochen ist.

Das Endergebnis dieser ungewöhnlichen Art einen Film zu machen, premiert nun auch in ungewöhnlicher Weise: auf der Berlinale. Erzählt wird die Geschichte einer versprengten Gruppe von Nazis, die sich 1945 auf die dunkle Seite des Mondes mit UFOs (hier "Reichsflugscheiben") retten können und dort verharren, um den besten Zeitpunkt abzuwarten, die Erde anzugreifen und das 4. Reich auszurufen. Leider wird dieser Plan maximal beschleunigt, als ihr Camp von einem afroamerikanischen Astronauten entdeckt wird, der den Mond als PR-Aktion besucht. Diese Werbemaßnahme dient der Wiederwahl der amerikanischen Präsidentin, die eine mehr als deutliche Reminiszenz an die Tea Party-Ikone Sarah Palin ist. Die Entdeckung des nationalsozialistischen Mondquartiers veranlasst Nachrichtenübermittlungsoberführer Klaus Adler (Götz Otto) auf die Erde zu fliegen, um sich Telefone und Computer einer bekannten Apfelfirma zu besorgen, denn diese eignen sich hervorragend für den Antrieb des Großkampfschiffes "Götterdämmerung", welches den Angriff auf die Erde leiten soll. Was im Nazi-Hauptquartier auf der dunklen Seite des Mondes aber niemand weiß: Adler will die Invasion dazu benutzen, um selbst die Macht im Himmel und auf der Erde an sich zu reißen - zumal der bisherige Führer (Udo Kier) dank seines Namens unte reinem erheblichen Autoritätsverlust leidet - denn wem geht ein "Heil, Krotzfleisch" schon leicht von den Lippen?

Die Kurzzusammenfassung lässt es schon vermuten, Iron Sky ist ganz großer Nazi-Exploitation-Trash. Guten Trash zu produzieren, ist gar nicht so einfach und trotz aller eingangs genannten Befürchtungen - der Film ist gelungen. Das Drehbuch ist zwar ein wenig schwach auf der Brust und einige Witze wirken gestelzt und fallen sehr flach aus, doch im Großen und Ganzen ist das Gemeinschaftswerk ein Filmspaß, der nur so strotzt vor Popkultur- und Genrereferenzen, die es zu erkennen gilt. Von Star Wars über Matrix bis hin zu Mad Max und einem Charakter, der eine eindeutige Persiflage auf Samuel L. Jackson ist, die kollektive Ideensammlung ist eindeutig erkennbar und speist sich vor allem aus Zitaten kontemporärer Fankultur.

Wäre dies alles was der Film zu bieten hat, müsste man sich schon sehr wundern, wieso er auf der Berlinale seine Weltpremiere feiern kann. Doch Iron Sky ist keinesfalls ein Snakes on the Plane im Weltall; der Inhalt beschränkt sich nicht nur auf trashigen Insiderspaß, wie es die meiste Berichterstattung der letzten Monate erwarten ließ. Der Film hat einen überraschend bissigen, politischen Subtext und kommentiert immer wieder mit bitterbösem Humor die augenblickliche politische Weltlage und zieht gekonnt Parallelen zwischen den einstigen nationalsozialistischen Machtstrukturen zum aktuellen Verhalten der US-amerikanischen Regierung im Krieg gegen den Terror. Dieser, fast den ganzen Film durchziehende, politische Kommentar, der an manchen Stellen eindeutiger ausfällt, als er je in einem Mainstreamfilm erscheinen würde, stellt Iron Sky damit ganz eindeutig in die Nachfolge der frühen Exploitationfilme der 1960er und 1970er Jahre.

Ob Iron Sky den Erwartungen entsprechen wird, ist eine Frage, die jeder Zuschauer für sich selbst beantworten muss. Gelohnt hat sich der immense Aufwand der Macher aber auf jeden Fall. Und ein Kultstatus ist dem Werk sowieso sicher.

(Festivalkritik Berlinale 2012 von Beatrice Behn)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland, Australien, Finnland
Produktionsjahr: 2011
Länge: 93 (Min.)
Verleih: Polyband / 24 Bilder
Kinostart: 05.04.2012

Cast & Crew

Regie: Timo Vuorensola
Drehbuch: Johanna Sinisalo, Michael Kalesniko, Jarmo Puskala
Kamera: Mika Orasmaa
Schnitt: Suresh Ayyar
Musik: Laibach
Hauptdarsteller: Tilo Prückner, Udo Kier, Götz Otto, Julia Dietze

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 14)
Von: Wolfgang Schnorts am: 16.04.12
Von FrankDef ***Am Donnerstag war "Humpentag" im Studio. Für einen geringen Geldbetrag gab es ein großes Glas Bier. Vielleicht kamen daher auch die Lacher. Und das Vorglühen machte den Film lustig. Nix für mich. Beides, Film und Bier.*** --- Da frage ich mich doch warum FrankDef am *Humpentag* dort war - wo es doch so überhaupt nichts für ihn ist. Unsachliche Kritik. Natürlich kann man über den Film geteilter Meinung sein. SF ist nun mal nicht unbedingt realitätsbezigen und überzeichnet hier und da heftig.
Von: DasGroßeBild am: 13.04.12
Beeindruckend! Einer der besten SF-Filme seit langem, der mit bescheidenen Mitteln, auf einer handvoll normalen PCs gerendert, die big-budget Produktionen ala Transformers und das gleichzeitig anlaufende Battleship in den Schatten stellt und als kindischen Kitsch im Regen stehen lässt. Denn hier kommt neben tollen Bildern welche die hohen Erwartungen erfüllen auch der von mir bevorzugte intelligente und böse politische Humor zum Tragen. Über die Gags und Witze kann man in der Tat streiten, allerdings ist der Film auch seinem Wesen nach gar nicht als Gag-Feuerwerk mit hunderten Lachern konzipiert. Vielmehr kam ich über längere Passagen, und auch im Nachhinein, um ein breites Grinsen über die bizarren Szenen und die erfolgreichen Breitseiten gegen die lächerliche (insbesondere) US-Politik nicht umhin. Und das Ende ist überraschend brilliant gelöst, ein krönender Abschluss des satirischen politischen Kommentars, welcher vergangene und aktuelle Weltlage und -politik der Lächerlichkeit preisgibt.
Von: FrankDef am: 13.04.12
Na, ja. Zählen wir mal zusammen, was gestern im Kino bei "Iron sky" im Studio in Kiel los war: - Ca. gefühlte 95 % männliche Zuschauer. - Ca. gefühlte 95 % IT-Studenten mit einem sehr starken Hang zu SF-Geraffel. - Gefühlte 95 % Piratenwähler. - Für die genannten Personengruppen schien der Film lustig gewesen zu sein, da sehr oft lautes Lachen zu hören war. Ach , da war auch noch der Film: - Geschichte durch die mediale Präsenz ja hinlänglich bekannt. - Sehr klamaukig. Witze auf selben Niveau. Es herrschte der Tenor, das man diese Witzischkeit schon als Satire ansieht. Als regelnbrechend. Als tabubrechend. - Die Lacher wurden auch schon gut vorbereitet. D. h. sie waren entweder erwartbar oder die Handlung wurde auf bestimmte Gags hingetrimmt. Streckenweise hatte ich das Gefühl, das sich jemand hingesetzt hat und sämtliche Witze mit diesem Hintergrund aufgeschrieben hat und diese durch eine "Rähmchenhandlung" zusammengefügt hat. Die Inkredenzien waren drin, aber der Geschmack wollte trotzdem nicht kommen. Gab es einen Lichtblick? Ja, für die o. g. Zuschauergruppe ja. Am Donnerstag war "Humpentag" im Studio. Für einen geringen Geldbetrag gab es ein großes Glas Bier. Vielleicht kamen daher auch die Lacher. Und das Vorglühen machte den Film lustig. Nix für mich. Beides, Film und Bier.
Von: xxx am: 11.04.12
Nur mäßig guter Film die Weltraumschlacht hätte man mehr ausbauen können dan währe vieleicht etwas mehr spannung drinnenund überhaupt nicht gerade sehr fastzinierend
Von: so lala am: 11.04.12
schließe mich Snacki an...aus der (guten) Filmidee hätte man viel mehr herausholen können. Einen Hype um diesen Film muss es wirklich nicht geben. Die übrigen Besucher des Kinos waren auch nicht gerade begeistert, eher enttäuscht. Insbes. die Rolle der Wahlkampfmanagerin von Fräulein Palin hätte man anders gestalten können bzw. das was sie von sich gibt...

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