FILM
Jack Kerouacs Roman "On the Road" gehört zu den wichtigsten Bücher der US-amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts und wurde zum Kult der Beatnik-Generation, die nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges zuhause keine Ruhe mehr fand und die sich deshalb auf Reisen begab, um sich selbst zu finden. Die Romanfiguren entsprechen dabei den realen Protagonisten der Beat-Generation, was sich in Walter Salles' Verfilmung des Buches ebenfalls widerspiegelt. Sowohl das Buch wie auch der Film balancieren auf dem schmalen Grat zwischen Fiktion und (autobiografischer) Realität und bildet plastisch die unruhigen Zeiten nach dem Jahre 1945 nach.
Zwischen ganz viel aalglattem, sauberem Kino in Cannes tummelt sich hier und da auch gern etwas Schmutziges. So wie das kleine Biest Hushpuppy (Quvenzhané Wallis), ein Mädchen, das bei ihrem Vater (Dwight Henry) aufwächst und vor allem eins lernt: wild und unabhängig zu sein. Die beiden bewohnen eine Gemeinschaft an einem sumpfigen Flussarm irgendwo im Süden der USA zusammen mit anderen Aussteigern, Hippies oder wie auch immer man diese Menschen nennen mag, die sich nicht in die übliche Gesellschaft eingliedern wollen. "Bathtub" heißt ihr Ort, wahrscheinlich weil er schon halb überflutet ist und man gerade auf den großen Sturm wartet. Und der wird kommen, das weiß auch Hushpuppy und mit ihm kommt das Ende der Welt.
Früher war die Welt noch in Ordnung. Da zogen die Kumpel fröhlich unter Tage und die Industrie lief geschmiert wie die Bohrmaschinen. Kohle gab es im Überfluss, im Ruhrgebiet, in Duisburg und in der Bude. Großvater Frey (Peter Bongartz) hat den Curry-Imbiss aufgemacht, um in "Freys Feynem Imbiss" Wurst und Pommes zu verkaufen, nur echt mit der Spezialsoße nach hauseigenem Geheimrezept. "Pommes essen" , wie es Tina von Traben im Titel ihres dickköpfigen Kinodebüts nennt, war zu Zeiten hungriger Arbeiterströme eine brillante Geschäftsidee.
Über Woody Allen kann man denken, was man will: keiner wird jedoch bestreiten, dass er zu den ganz Großen des amerikanischen Kinos gehört. Ein Geschichtenerzähler, der sich immer wieder neu erfindet, ständig die Drehorte und Erzählstränge wechselt und dabei doch immer wieder um die gleichen Themen kreist: Einsamkeit, Liebe, Existenzängste, Tod. Ein Martin Heidegger im Komödienfach.
Seit vielen Jahren sind Georges (Jean-Louis Trintignant) und Anne (Emmanuelle Riva) miteinander verheiratet, ein Paar, das gemeinsam alt geworden ist, das sich immer noch gut versteht und das einander mit Respekt und Hochachtung behandelt. Zu Beginn des Films sehen wir sie im Bus auf der Heimfahrt von einem Konzert, das einer von Annes früheren Klavierschülern gegeben hat - mittlerweile ist er ein berühmter Pianist. Es ist die einzige Szene, die außerhalb der gemeinsamen Wohnung spielen wird, was diesem Auftakt (vor den Haneke den Schlusspunkt gesetzt hat) folgt, ist ein beklemmendes Kammerspiel über das Ende eines Lebens und einer Liebe, über den ganz normalen Gang der Dinge, an dessen Ende der Tod steht.
"Das wird dem Feind ein Lächeln ins Gesicht zaubern", ruft der oberste Führer der Volksrepublik Wadiya und könnte damit genauso gut die streitlustige Entlarvungskomödie seines alter egos Sacha Baron Cohen meinen. Deren aggressiver Humor zwingt selbst Antagonisten des britischen Stand-up Comedian ein anerkennendes Grinsen ins Gesicht.
Als Zwölfjähriger hat sich Wes Anderson unsterblich in ein Mädchen verliebt. Es überkam den Regisseur, der damals Pfadfinder war, wie aus heiterem Himmel. Noch nie hat er so gefühlt, noch nie hat er so gelitten. Nicht umsonst heißt es: man ist "verknallt". Die Amerikaner sagen dazu "crush". Jene Heftigkeit der Gefühle, dieses unvorstellbare Beben der Emotionen, lässt sich kaum in Worte fassen. Doch nicht umsonst ist Wes Anderson Regisseur und kein Poet. Wenn ihm auch die Worte fehlen, die passenden Bilder für jenes einschneidende Erlebnis hat er allemal.
Es ist Liebe auf den ersten Blick. Auf einer einsamen Insel lernt der Engländer David (Xavier Samuel) die hübsche Australierin Mia (Laura Brent) kennen. Sie verbringen zehn romantische Tage miteinander – und als ihre gemeinsame Zeit zu Ende geht, macht David ihr einen Heiratsantrag. Mia sagt begeistert ja! Auf ihren Wunsch werden sie in Australien heiraten und sich erst einen Tag vor der Trauung wiedersehen – das sei nämlich besonders romantisch.
Friede, Freude, Eierkuchen Teil zwei. Weiter geht’s im Schlossinternat Lindenhof, denn Hanni und Nanni sind nach den Sommerferien wieder da und müssen sich in allerlei neuen Abenteuern behaupten. Inszeniert wird die filmische Fortsetzung Enid Blytons bekannter Kinderbücher von Julia von Heinz.
"Das sind Extremisten, Grenzgänger, Borderliner - das ist Wahnsinn. Und ich denke, von denen kann man einiges lernen." Gerade hat die Röntgenmedizinerin wieder einen von ihnen in die Röhre geschoben und schaut, wie Knochen und Muskeln das Abenteuer durchhalten, auf das sich 2009 siebenundsechzig Extremläufer eingelassen haben, einige von ihnen sogar schon zum zweiten Mal: Diesmal geht es von Bari in Süditalien rauf nach Norwegen bis ans Nordkap.
Kübra sagt, im Knast werde einem alles genommen, auch der eigene Geruch. Vor ihrer Entlassung nach über vier Jahren in der JVA für Frauen in Berlin-Lichtenberg hat die junge Deutsche kurdischer Abstammung ein wenig Angst. In die eigene Wohnung komme dann keiner, um nach einem zu schauen, befürchtet sie. Kübra steht am Fenster eines fahrenden Zuges und saugt die ungewohnten Eindrücke auf.
Von München aus ist Tania (Birge Schade) in ein Dorf im hohen Norden gezogen. Es war vielleicht einfach eine Suche nach Distanz, die sie dazu veranlasste. Tania ist Künstlerin, fertigt Skulpturen aus Industriegummi, und bleibt den Einwohnern hier oben so fremd und unergründlich, dass sie von ihnen misstrauisch beäugt wird und von der Dorfjugend begrapscht.
Spätestens seit Hape Kerkeling seine Pilgerfahrt in einem Bestseller festgehalten hat, ist der Jakobsweg wieder ins Bewusstsein der Allgemeinheit zurückgekehrt. So war es wohl auch nur eine Frage der Zeit bis sich auch das amerikanische Kino diesem Thema widmen würde. Im Falle von Emilio Estevez’ Film "Dein Weg" handelt es sich jedoch nicht nur um eine Modeerscheinung, sondern auch um eine Auseinandersetzung mit den spanischen Wurzeln seiner Familie.
Recherchen waren die Leidenschaft des Künstlers Mark Lombardi. Nächtelang las er Sachbücher über Skandale der Vergangenheit und die Verflechtungen von Macht, Einfluss und Geld. Wichtige Details notierte er sich auf Karteikarten, über die er schon bald den Überblick verlor. Also nutzte er sie als Grundlage für großformative Diagramme, die Namen, Firmen und Ereignisse durch Pfeile und Zuordnungen miteinander verband.
Der israelische Filmemacher und Hochschuldozent Arnon Goldfinger wusste zwar, dass seine 1935 aus Deutschland emigrierten Großeltern die alte Heimat zeitlebens im Herzen trugen. Wenn er als Kind ihre Wohnung in Tel Aviv mit den vielen Büchern deutscher Schriftsteller betrat, fühlte er sich nach Berlin versetzt.
Alles fängt mit einem Besuch bei der Schulkrankenschwester an. Auf dem Flur stehen zahlreiche Mädchen in Unterwäsche, sie sind zwischen 15 und 17 Jahre alt und warten auf eine Routineuntersuchung. Bei einem spaßigen Gerangel um die Reihenfolge setzt sich Camille (Louise Grinberg) durch, sie ist offensichtlich die Anführerin. Als sie schließlich den Untersuchungsraum betritt, offenbart sie, dass sie glaubt, schwanger zu sein.
Jean Tinguely (1925 – 1991) starb vor über 20 Jahren, seine Kunstwerke sind immer noch sehr lebendig. Sie rattern, klappern, spritzen, und quietschen. In Museen, unter freiem Himmel, in Brunnen. Räder, Riemen, Gestänge und Kleinteile, zusammengezimmert zu Maschinen, "monströs, lächerlich und sinnlos","dazu verdammt, in einem beschränkten Raum immer wieder die gleiche Bewegung auszuführen, ist das nicht eine verrückte Geschichte?".
Der Film von Regisseur Gerardo Olivares erzählt die wahre Geschichte von Marcos Rodríguez Pantoja, der als Kind mehrere Jahre in der Wildnis überlebte und während dieser Zeit in engem Kontakt zu einem Wolfsrudel stand. Auf Grund großer Armut wird der kleine Marco von seinen Eltern an den Großgrundbesitzer verkauft, der ihn zum Ziegenhüten in die Wildnis schickt. Doch nachdem sich der kleine Junge erst einmal in der Natur eingelebt hat, gibt es für ihn keinen Grund mehr in die weitaus grausamere Welt der Menschen zurückzukehren.
Halluzinogene Drogen wie LSD und Acid sind inzwischen aus der Mode gekommen und haben chemischen Wachmachern Platz gemacht. Dennoch geht von der psychoaktiven Wirkung der unter anderem aus dem Mutterkorn generierten Droge noch immer eine große Faszination aus – auch in der psychopathologischen Forschung hat LSD inzwischen wieder Einzug gehalten.




