Leise kriselt das Paar
Im Jahre 2003 war es in Cannes durchaus eine kleine Sensation, als der Film Uzak / Weit des türkischen Regisseurs Nuri Bilge Ceylan gleich doppelt abräumte und neben dem Großen Preis der Jury auch noch jenen für den besten Darsteller zugesprochen bekam. Im aktuellen Wettbewerb ist Ceylan nun mit seinem neusten und fünften Film Iklimler / Climates vertreten, bei dem er zugleich Regie führt und den Hauptdarsteller mimt, während seine Frau Ebru den weiblichen Part eines Paares in Krisenzeiten besetzt.
Iklimler zeichnet mit radikalen Bildern jenseits von Hektik und Aktionismus die Chronik des Scheiterns einer Liebesbeziehung im bürgerlichen Milieu des türkischen Mittelstandes nach, deren Stimmungen und Befindlichkeiten sich in Bezug zur klimatischen Umgebung gestalten, von sommerlicher Hitze bis zu eisigen Winterstürmen. Entfremdung und die Unfähigkeit des authetischen Ausdrucks von Empfindungen sind die großen Themen, die Ceylan weniger verbalisiert als mit bewegenden Bildern von Hilflosigkeit und Ohnmacht unmittelbar darstellt.
Die Geschichte einer abgekühlten Liebe beginnt mit eindringlicher Symbolik inmitten von antiken Ruinen an der türkischen Mittelmeerküste, wo der Archäologieprofessor Isa (Nuri Bilge Ceylan) mit seiner Frau Bahar (Ebru Ceylan), einer TV-Produzentin, einen Urlaub verbringt. Die gewaltige Sprachlosigkeit, die zwischen der Frau und dem Mann herrscht, manifestiert die Krise, in der ihre Beziehung verharrt, bis sich die überladene Atmosphäre in provokanten Ausbrüchen niederschlägt. Letztendlich trennt sich Isa von seiner Gefährtin, was er im Laufe der Zeit als einen großen Fehler erkennt, und nach Zeiten der Trennung bemüht er sich erneut um Bahar, um ihre einstige gemeinsame Liebe zurückzuerobern.
Die häufig statischen Bilder in Iklimler, die dem Wunsch des Regisseurs folgend bei der Präsentation an der Croisette in der digitalen Version ihrer Entstehung gezeigt wurden, werden von einem intensiven Ton flankiert, der den Fokus auf begleitende Geräusche aus der Natur und banale menschliche Töne jenseits von Dialogen legt. Auf diese Weise wird der Zuschauer mehr zum Beobachter der stillen und sich unspektakulär vollziehenden inneren Prozesse der Protagonisten als zum Konsumenten eines weiteren wortreich ausgetragenen Beziehungsdramas, das seine Variante der Gründe für das Ende einer Liebe in ausführlichen Diskussionen darstellt.
Auf der Pressekonferenz in Cannes bekennt Ceylan, dass sein Film Iklimler eine persönliche Reflexion auf Liebesbeziehungen zwischen den Geschlechtern zum Ausdruck bringt, die nicht nur an die Verhältnisse der türkischen Gesellschaft gebunden ist. Dabei hat er sich auf winzige Details konzentriert, die nicht selten große Konsequenzen für die Haltung und Handlungen der Charaktere nach sich ziehen. Der Regisseur brilliert neben seiner fiktiven wie realen Gattin als facettenreicher Akteur, und es ist nicht zuletzt die enorme schauspielerische Qualität ihres Zusammenwirkens, die Iklimler zu einem ganz besonderen Film werden lässt.
Fasziniert von der Präzision und Komposition seiner Bilder sowie von ihrem stillen Symbolismus äußert sich arte und feiert den großartigen Regisseur als einen ebensolchen Schauspieler. Der Standard zeigt sich besonders von den mimischen Fähigkeiten Ebru Ceylans beeindruckt, deren Ausdrucksfähigkeit ganz großes Kino repräsentiere, und sieht das neue Werk des türkischen Filmemachers ebenso als Spiegel seiner Herkunftsgesellschaft an wie es von dem umstrittenen Film Tal der Wölfe von Serdar Akar behauptet wird – wenn dieser Regisseur die Haltung der Türkei transportiere, dann auch Nuri Bilge Ceylan mit Iklimler, dessen leise Facetten lediglich weniger zur Kenntnis genommen würden. Die Berliner Zeitung belächelt ein wenig den für leichte Heiterkeit bei der Vorführung verantwortlichen Umstand, dass Ceylan seine Hauptdarstellerin zu Beginn des Films allzu häufig in die Kamera gähnen lässt, doch dies kann sicherlich auch als eine der symbolischen Gesten über die Stimmung der Beziehung gewertet werden, die der Regisseur so meisterhaft zu installieren weiß.
(Marie Anderson)
Iklimler zeichnet mit radikalen Bildern jenseits von Hektik und Aktionismus die Chronik des Scheiterns einer Liebesbeziehung im bürgerlichen Milieu des türkischen Mittelstandes nach, deren Stimmungen und Befindlichkeiten sich in Bezug zur klimatischen Umgebung gestalten, von sommerlicher Hitze bis zu eisigen Winterstürmen. Entfremdung und die Unfähigkeit des authetischen Ausdrucks von Empfindungen sind die großen Themen, die Ceylan weniger verbalisiert als mit bewegenden Bildern von Hilflosigkeit und Ohnmacht unmittelbar darstellt.
Die Geschichte einer abgekühlten Liebe beginnt mit eindringlicher Symbolik inmitten von antiken Ruinen an der türkischen Mittelmeerküste, wo der Archäologieprofessor Isa (Nuri Bilge Ceylan) mit seiner Frau Bahar (Ebru Ceylan), einer TV-Produzentin, einen Urlaub verbringt. Die gewaltige Sprachlosigkeit, die zwischen der Frau und dem Mann herrscht, manifestiert die Krise, in der ihre Beziehung verharrt, bis sich die überladene Atmosphäre in provokanten Ausbrüchen niederschlägt. Letztendlich trennt sich Isa von seiner Gefährtin, was er im Laufe der Zeit als einen großen Fehler erkennt, und nach Zeiten der Trennung bemüht er sich erneut um Bahar, um ihre einstige gemeinsame Liebe zurückzuerobern.
Die häufig statischen Bilder in Iklimler, die dem Wunsch des Regisseurs folgend bei der Präsentation an der Croisette in der digitalen Version ihrer Entstehung gezeigt wurden, werden von einem intensiven Ton flankiert, der den Fokus auf begleitende Geräusche aus der Natur und banale menschliche Töne jenseits von Dialogen legt. Auf diese Weise wird der Zuschauer mehr zum Beobachter der stillen und sich unspektakulär vollziehenden inneren Prozesse der Protagonisten als zum Konsumenten eines weiteren wortreich ausgetragenen Beziehungsdramas, das seine Variante der Gründe für das Ende einer Liebe in ausführlichen Diskussionen darstellt.
Auf der Pressekonferenz in Cannes bekennt Ceylan, dass sein Film Iklimler eine persönliche Reflexion auf Liebesbeziehungen zwischen den Geschlechtern zum Ausdruck bringt, die nicht nur an die Verhältnisse der türkischen Gesellschaft gebunden ist. Dabei hat er sich auf winzige Details konzentriert, die nicht selten große Konsequenzen für die Haltung und Handlungen der Charaktere nach sich ziehen. Der Regisseur brilliert neben seiner fiktiven wie realen Gattin als facettenreicher Akteur, und es ist nicht zuletzt die enorme schauspielerische Qualität ihres Zusammenwirkens, die Iklimler zu einem ganz besonderen Film werden lässt.
Fasziniert von der Präzision und Komposition seiner Bilder sowie von ihrem stillen Symbolismus äußert sich arte und feiert den großartigen Regisseur als einen ebensolchen Schauspieler. Der Standard zeigt sich besonders von den mimischen Fähigkeiten Ebru Ceylans beeindruckt, deren Ausdrucksfähigkeit ganz großes Kino repräsentiere, und sieht das neue Werk des türkischen Filmemachers ebenso als Spiegel seiner Herkunftsgesellschaft an wie es von dem umstrittenen Film Tal der Wölfe von Serdar Akar behauptet wird – wenn dieser Regisseur die Haltung der Türkei transportiere, dann auch Nuri Bilge Ceylan mit Iklimler, dessen leise Facetten lediglich weniger zur Kenntnis genommen würden. Die Berliner Zeitung belächelt ein wenig den für leichte Heiterkeit bei der Vorführung verantwortlichen Umstand, dass Ceylan seine Hauptdarstellerin zu Beginn des Films allzu häufig in die Kamera gähnen lässt, doch dies kann sicherlich auch als eine der symbolischen Gesten über die Stimmung der Beziehung gewertet werden, die der Regisseur so meisterhaft zu installieren weiß.
(Marie Anderson)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Iklimler
Originaltitel:
Climates – Cannes 2006
Produktionsland:
Türkei
Produktionsjahr:
2006
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
01.01.2006
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 3 von insgesamt 3)
Von: @Sara am: 02.10.07
Der Film läuft bereits seit dem 27.9. in den deutschen Kinos. Über den "Kinofinder" kannst Du Dir anzeigen lassen wo.
Von: Sara am: 02.10.07
wann kommt dieser film raus und in welchen kinos in mannheim läuft er?
Von: doro am: 12.08.06
wann kommt dieser film in deutschland raus????
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