My home is my castle
Einen "Anti-Road-Movie" könnte man das Spielfilmdebüt Home der Schweizer Regisseurin Ursula Meier nennen, das bereits auf einigen Festivals für Furore sorgte. Denn statt Freiheit steht die Straße, um die es hier geht, für Einengung und Isolation. Angesichts des zunehmend kritischen Hinterfragens der Mobilität, wie wir sie bislang kannten, wäre es ein Leichtes, den Film als utopische Farce auf den Mobilitätswahn unserer Zeit abzutun. Doch Home beschränkt sich keineswegs darauf, sondern bietet durchaus auch Ansätze für andere Lesarten und Betrachtungsweisen. Eine echte absurde Parabel, wie sie Eugene Ionesco oder andere Literaten des Absurden nicht eindrucksvoller hätten gestalten können.
Am Anfang erscheint noch alles voller Ruhe, Frieden und Harmonie. Das idyllische Häuschen mitten in einer (beinahe) unberührten Landschaft ist ein Hort der Geborgenheit, die Familie, die hier lebt, ist schräg genug, um nicht als glatt gebügelte Spießer durchzugehen und nett genug, um nicht als vollkommen verrückt zu erscheinen. Neben den beiden Eltern Michel und Marthe (Olivier Gourmet und Isabelle Huppert) sind es drei Kinder, die die Familie vervollständigen: Die heftig pubertierende Judith (Adélaïde Leroux), die versponnene Marion (Madeleine Budd), die total für Zahlen und Statistiken schwärmt und der kleine Julien (Kacey Mottet Klein) führen ein freies und unbeschwertes Leben. Das einzige, was hier stört, ist die Autobahn, die direkt am Haus vorbeiführt. Auch wenn sie aufgrund eines Baustopps vor vielen Jahren nicht befahren ist, so nimmt sich das Asphaltband doch als Fremdkörper aus, den die Familie allerdings längst in ihr Leben integriert hat. Trotzdem: Die Bedrohung ist permanent vorhanden.
Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass die vergessene Autobahn doch schon bald in Betrieb genommen werden soll. Zunächst sind es nur die Bauarbeiter, die die Straße bevölkern. Doch dann ist der Tag der Eröffnung plötzlich da. Während die Familie anfangs noch Spaß daran hat zu wetten, welche Farbe wohl das erste Auto hat, das ihr Heim passiert, sorgt der anschwellende Verkehrsfluss schnell dafür, dass die Nerven blank liegen. Die Idylle verwandelt sich schnell in eine verkehrsbeunruhigte Zone, die sämtliche bisherigen Lebensgewohnheiten der Familie auf den Kopf stellt. Konnten bislang die Einkäufe locker von der anderen Seite der Autobahn zu dem nicht ans Straßennetz angeschlossenen Haus getragen werden, stellt die neue Situation die Familie nun vor erhebliche logistische Probleme. Jeder Weg zur Schule oder zur Arbeit wird zu einem Spießrutenlauf und birgt Gefahren für Leib und Leben in sich. Bis der Vater beschließt, dem Spuk ein Ende zu machen und sich und seine Familie schlichtweg einzumauern, um dem Lärm und den Abgasen zu entfliehen...
Auch wenn Ursula Meiers Film gegen Ende hin zunehmend ins vollkommen Absurde abdriftet und die teilweise recht seltsamen Reaktionen der verschiedenen Familienmitglieder heftig an den Nerven des Zuschauers zerren: Home ist insgesamt gesehen eine sehr sehenswerte Parabel auf eine Familie, die sich vor den Anfeindungen der Umwelt in eine selbst gewählte Isolation zurückzieht und daran beinahe zugrunde geht. Wer mag, kann darin durchaus Parallelen zu der Sonderrolle der Schweiz und der seit Jahrhunderten gepflegten Neutralität sehen. Auch wenn der Titel bereits nahe legt, dass es bei Home um das Zuhausesein geht: Einen derart schrägen, hintersinnigen und fordernden Heimatfilm gab es bislang viel zu selten im Kino zu bestaunen.
(Joachim Kurz)
Am Anfang erscheint noch alles voller Ruhe, Frieden und Harmonie. Das idyllische Häuschen mitten in einer (beinahe) unberührten Landschaft ist ein Hort der Geborgenheit, die Familie, die hier lebt, ist schräg genug, um nicht als glatt gebügelte Spießer durchzugehen und nett genug, um nicht als vollkommen verrückt zu erscheinen. Neben den beiden Eltern Michel und Marthe (Olivier Gourmet und Isabelle Huppert) sind es drei Kinder, die die Familie vervollständigen: Die heftig pubertierende Judith (Adélaïde Leroux), die versponnene Marion (Madeleine Budd), die total für Zahlen und Statistiken schwärmt und der kleine Julien (Kacey Mottet Klein) führen ein freies und unbeschwertes Leben. Das einzige, was hier stört, ist die Autobahn, die direkt am Haus vorbeiführt. Auch wenn sie aufgrund eines Baustopps vor vielen Jahren nicht befahren ist, so nimmt sich das Asphaltband doch als Fremdkörper aus, den die Familie allerdings längst in ihr Leben integriert hat. Trotzdem: Die Bedrohung ist permanent vorhanden.
Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass die vergessene Autobahn doch schon bald in Betrieb genommen werden soll. Zunächst sind es nur die Bauarbeiter, die die Straße bevölkern. Doch dann ist der Tag der Eröffnung plötzlich da. Während die Familie anfangs noch Spaß daran hat zu wetten, welche Farbe wohl das erste Auto hat, das ihr Heim passiert, sorgt der anschwellende Verkehrsfluss schnell dafür, dass die Nerven blank liegen. Die Idylle verwandelt sich schnell in eine verkehrsbeunruhigte Zone, die sämtliche bisherigen Lebensgewohnheiten der Familie auf den Kopf stellt. Konnten bislang die Einkäufe locker von der anderen Seite der Autobahn zu dem nicht ans Straßennetz angeschlossenen Haus getragen werden, stellt die neue Situation die Familie nun vor erhebliche logistische Probleme. Jeder Weg zur Schule oder zur Arbeit wird zu einem Spießrutenlauf und birgt Gefahren für Leib und Leben in sich. Bis der Vater beschließt, dem Spuk ein Ende zu machen und sich und seine Familie schlichtweg einzumauern, um dem Lärm und den Abgasen zu entfliehen...
Auch wenn Ursula Meiers Film gegen Ende hin zunehmend ins vollkommen Absurde abdriftet und die teilweise recht seltsamen Reaktionen der verschiedenen Familienmitglieder heftig an den Nerven des Zuschauers zerren: Home ist insgesamt gesehen eine sehr sehenswerte Parabel auf eine Familie, die sich vor den Anfeindungen der Umwelt in eine selbst gewählte Isolation zurückzieht und daran beinahe zugrunde geht. Wer mag, kann darin durchaus Parallelen zu der Sonderrolle der Schweiz und der seit Jahrhunderten gepflegten Neutralität sehen. Auch wenn der Titel bereits nahe legt, dass es bei Home um das Zuhausesein geht: Einen derart schrägen, hintersinnigen und fordernden Heimatfilm gab es bislang viel zu selten im Kino zu bestaunen.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Home
Produktionsland:
Frankreich, Schweiz, Belgien
Produktionsjahr:
2008
Länge:
97 (Min.)
Verleih:
Arsenal Filmverleih
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
25.06.2009
CAST & CREW
Regie:
Ursula Meier
Drehbuch:
Ursula Meier, Antoine Jaccoud, Raphaëlle Valbrunne
Kamera:
Agnès Godard
Hauptdarsteller:
Isabelle Huppert, Olivier Gourmet, Adelaide Leroux, Kacey Mottet Klein, Madeleine Budd
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 4 von insgesamt 4)
Von: Sabein am: 12.08.09
Ein großartiger und sehr ungwöhnlicher Film mit großartigen Darstellern. Tolles Debüt von Ursula Meier!
Von: Cordula Brahm am: 18.07.09
ein wirklich sehenswerter Film !!
Von: jurvo am: 06.07.09
Mit Sicherheit keine verlorene Zeit... gerade die absurde Situation und das sonderbare Verhalten der Figuren macht die aus dem üblichen Rahmen fallende Geschichte spannend. Man sollte allerdings Sinn für Phantasie und Skurrilität mitbringen; es muß ja im Film nicht immer alles auf Realitätsnähe geprüft werden.
Von: Guido am: 05.07.09
Überall hochgelobt, ja war in der Tat mal was anderes - trotzdem kann ich in das Jubilieren der Kritiker nicht einstimmen..ich empfand ihn als völlig absurd und dazu noch langatmig. Einfach verlohrene Zeit....
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