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Hell

Meinungen
12

4 Sterne aus 103 Bewertungen

Kinostart: 22.09.2011
FSK: 16
Genre: Thriller, Science Fiction
Tags: Apokalypse, Wasser, Fantasy Filmfest 2011, Filmfest München 2011, Sonne
 

In der Hitze der Postapokalypse

Hell, so heißt Tim Fehlbaums Kinodebütfilm. Ein klug gewählter Titel, den man so oder so verstehen kann. "Hell" steht hier für "lichtdurchflutet", doch es könnte ebenso gut das englische Wort für Hölle sein. Denn genau so mutet die Welt an, die der Film hier beschreibt.

Die Sonne hat sich aufgeheizt, ihre unglaubliche Strahlkraft hat auf der Erde alles getötet, alles verbrannt, was vorher einmal Leben war. Es gibt keine Regierungen mehr, keine Staaten oder Gesellschaften. Nur eine Menge versprengter Überlebender, die täglich ums Überleben kämpfen. Unter ihnen sind Marie (Hannah Herzsprung), ihre kleine Schwester Leonie (Lisa Vicari) und Maries überforderter Freund Philipp (Lars Eidinger). In einem verdunkelten Auto mit letzten Essensvorräten sind sie auf dem Weg in die Berge. Dort soll es angeblich noch Wasser geben. Auf dem Weg treffen sie auf Tom (Stipe Erceg), den sie mitnehmen. Nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern weil Tom im Tausch dafür Benzin und seine mechanischen Fähigkeiten anbietet. Als die Gruppe am Waldrand ankommt, geraten sie in einen Hinterhalt.

Hell, so möchte man meinen, ist The Road, nur andersherum. Hier stirbt die Sonne nicht, sondern strahlt immer heftiger. Die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind quasi dieselben. Statt der in The Road zentralen Vater-Sohn-Konstellation sind die ProtagonistInnen hier Marie und ihre kleine Schwester – das letzte Stück Kernfamilie und damit die Keimzelle der Menschlichkeit, die es unter allen Umständen zu retten gilt. Der Hinterhalt am Waldrand – nun ja, auch hier gibt es nicht allzu viele Unterschiede. Doch die Tiefe der Aussagekraft von The Road, zum Beispiel in Sachen Umweltverschmutzung, kann und möchte Fehlbaums Film gar nicht erreichen. Das kann man ihm durchaus negativ auslegen, muss man aber nicht zwangsläufig.

Es kann wohl mit Fug und Recht behauptet werden, dass das Genre des post-apokalyptischen Films repetitiv ist und immer wieder die gleichen Geschichten erzählt, mit den selben Grundängsten spielt, die selben Bilder reproduziert. Es ist eine Art psychoanalytischer Wiederholungszwang, der sich hier ins Kino einschleicht. Die Erfahrung, das Leben nach der Apokalypse wird reproduziert, immer und immer wieder. In diesem Sinne erledigt Hell seine Arbeit tadellos.

Und so stellt sich auch hier wieder die Frage wie der Mensch reagiert, wenn seine Existenz massiv bedroht ist. Sind Konstrukte wie Moral, Demokratie und Liebe überhaupt aufrecht zu erhalten? Verhandelt werden die zwischenmenschlichen Fragen vor allem durch das Pärchen Marie und Philipp. Es stellt sich die Frage, in wie weit ihre Verbindung mit Liebe oder doch eher mit Opportunismus zu tun hat. Vor allem in der Konstellation mit ihrer Schwester, ihrem eigen Fleisch und Blut, kommt es schon bald zu Spannungen, die durch das Zusammentreffen mit einer noch halbwegs intakten (im Sinne von lebendigen) christlichen Familie dem Familienthema nochmals einen ganz anderen Dreh geben. Sämtliche Charaktere in Hell fungieren als statische Identifikationsflächen mit bestimmten Stereotypen. Viel Entwicklung der Figuren innerhalb des Filmes ist nicht zu erwarten – von der Hauptprotagonistin Marie abgesehen, die mal zart, mal stark, eine klassische "Final Girl"- Genese durchlebt und sich aufgrund des Horrors, dem sie ausgesetzt ist, zu einer Überlebenskämpferin mausert.

Auch ästhetisch bietet Hell grundsolide Arbeit, die Atmosphäre ist geprägt von Hitze und Helligkeit, die Bilder sind manchmal so durchflutet von dem gleißenden Licht, dass das Geschehen nur noch schemenhaft wahrnehmbar ist. Der Film kommt im Grundton ruhig daher, fast scheint es so, als wäre es zu heiß, um sich schneller zu bewegen. Auch der Ton, beziehungsweise die Stille überzeugt und trägt zur glutheißen, apokalyptischen Atmosphäre bei. Handwerklich überzeugt das Werk auf ganzer Linie.

Hell, übrigens eine Produktion von Roland Emmerich und deshalb mit einem Budget ausgestattet, von dem andere Erstlingsregisseure nur träumen können, ist nicht überraschend oder erfindet sich neu. Aber er bietet genau das, was man sich von diesem (zumal in Deutschland selten bis nie behandelten) Genre vorstellt. Und ganz nebenbei bemerkt: Es empfiehlt sich, vor Filmantritt eine Flasche Wasser zu kaufen. Mindestens.

(Beatrice Behn)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland, Schweiz
Produktionsjahr: 2011
Länge: 90 (Min.)
Verleih: Paramount Pictures Germany
Kinostart: 22.09.2011

Cast & Crew

Regie: Tim Fehlbaum
Drehbuch: Tim Fehlbaum, Oliver Kahl, Thomas Woebke
Kamera: Markus Förderer
Schnitt: Andreas Menn
Hauptdarsteller: Angela Winkler, Stipe Erceg, Hannah Herzsprung, Lars Eidinger, Lisa Vicari

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 12)
Von: Pepe am: 11.10.11
Wieso werden Filme gemacht, die es schon gab? Wieso werden Filmemacher ausgezeichnet, die so offensichtlich klauen, dass man sie am liebsten anzeigen würde? Das verstehe ich nicht. Ist das eine Leistung, Ideen, Dialoge, Figuren und beinahe die komplette Handlung abzukupfern? Ist ja schön und gut, dass der Film aus Deutschland kommt und so ein Genre anpackt, aber der Versuch an sich ist doch noch nicht lobenswert, oder? Einfach traurig, dass es auch hier nach "Gutenbergscher Moral" zugeht und es niemanden zu interessieren scheint. Jurys UND Kritiker sollten mal anfangen, das zu unterscheiden. Und wenn der Film wenigstens mehr könnte, als Bilder in Hülle zu werfen, dann würde ich es an dieser Stelle gerne anmerken. Aber leider kann ich mir das nicht rauspressen. Tut mir leid um jeden Zuschauer, der sich verarschen lässt und Geld für diesen wirklich langweiligen und oberflächlichen Mist ausgibt. Das ist leider keine Regiekunst. Die Kunst des Klauens leider auch nicht. Denn die würde man nicht mitkriegen...
Von: LilaLauneAmeisenbär am: 09.10.11
Der Film,wessen Namen es nicht lohnt ausgesprochen zu werden,hatte einen blöden Anfang...usw. zwischen zeitig gar nicht schlecht,zum Schluss kam es mir so vor als ob das nur ein kleiner Ausschnitt aus einem Geilen umfangreichen bombastischen Film(was man mit etwas Geduld und mehr liebe hätte machen können)ist.Im großen und ganzen,....geht so.von den Noten eins bis sechs bekommt er vom Ameisenbär eine 5.
Von: @die_heldin am: 29.09.11
Dann würde ich mal behaupten, dass Sie noch nicht allzu viele gelesen haben. Und wie fanden Sie den Film denn überhaupt?
Von: die_heldin am: 29.09.11
das ist einer der schlechtesten rezensionen die ich je gelesen habe. man möchte ihnen sätze wie "Sind Konstrukte wie Moral, Demokratie und Liebe überhaupt aufrecht zu erhalten?" mal ordentlich um die ohren hauen. da werfen sie drei dinge in eine schublade und das klingt dann schön. ist aber leider nicht klug. aber das findet sich ja selten zusammen. auch: "das letzte Stück Kernfamilie und damit die Keimzelle der Menschlichkeit, die es unter allen Umständen zu retten gilt." familie als keimzelle der menschlichkeit? ernsthaft? es klingt zudem so, als sei das genre de "postapokalyptische films" für sie einzig "the road", dessen offenbare schwächen (insbesondere im vergleich zur buchvorlage) unter den tisch fallen. aber bei ihnen ist ja auch die schwester das "eigene fleisch und blut" - wenngleich dieser vergleich doch eher bei eltern-kind-beziehungen heraufbeschworen wird, denn wenn die schwester der anderen schwester mutter wäre...nunja, da kommen sie bestimmt alleine drauf.
Von: Cleo S. am: 26.09.11
Ich habe den Film mit voller Spannung und Emotionen verfolgt. Ich finde der Cast ist perfekt besetzt und vor allem Hannah Herzsprung überzeugt durch ihre großartige schauspielerische Leistung. Vor allem aber haben mich die dynamische Kameraführung und die phantasievollen Bilder beeindruckt. Ich kann den Film sehr empfehlen.

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