Zurück zur Übersicht

Hanni und Nanni 2

Meinungen
9

4 Sterne aus 96 Bewertungen

Kinostart: 17.05.2012
FSK: o.Al.
Genre: Familienfilm
Tags: Sequel, Internat, Zwillinge
 

Im Zweifel heile Welt

Friede, Freude, Eierkuchen Teil zwei. Weiter geht’s im Schlossinternat Lindenhof, denn Hanni und Nanni sind nach den Sommerferien wieder da und müssen sich in allerlei neuen Abenteuern behaupten. Inszeniert wird die filmische Fortsetzung Enid Blytons bekannter Kinderbücher von Julia von Heinz. Bereits in ihrer Eröffnungssequenz verortet sie den Zuschauer sofort wieder im bekannt bunten Universum der beiden charakterlich gegensätzlichen Zwillinge, ist sie doch der Eröffnung des ersten Teils sehr ähnlich. Hier wird der Zuschauer von Hanni und Nanni 2 auf ein junges, wildes Lebensgefühl eingestellt, bildästhetisch realisiert in einer Mischung aus amerikanischen Vorabendjugendserien Mitte der 1990er Jahre und MTV, der Takt ist dabei vorgegeben. Mit temporeichen Schnitten und Überblendungen wird eine Aura von Urbanität und moderner Hipness der angesagten Metropole Berlin beschworen. Man sieht sehr viele schöne Menschen, die die Straße überqueren und in der Sonne Kaffee trinken, alles untermalt von fetziger Popmusik. Enid Blytons etwas antiquierte Geschichten sind für die Verfilmung gründlich auf Gegenwart frisiert und aufgepeppt, doch dabei stets verträglich gehalten für ein breites Familienpublikum.

Im neuen Schuljahr des Internats Lindenhof warten verschiedenste Probleme auf Hanni und Nanni. Das Budget der Schule ist knapp, weswegen das Hockeyfeld an einen benachbarten Bauern vermietet wurde, der dort jetzt seine Schafe weiden lässt. Direktorin Theobald (Hannelore Elsner) muss als einzige Erbin auf die Bestattung eines entfernten Onkels und übergibt für diese Zeit die Schulleitung an die chaotische, doch liebenswerte Mademoiselle Bertoux (Katharina Thalbach). Die liegt fortan im Clinch mit ihrer Kollegin, der strengen, miesepetrigen Frau Mägerlein (Suzanne von Borsody). Die Chefköchin der Mensa kündigt wegen der Sparmaßnahmen am Essen, Mademoiselle Bertoux erweist sich der Gesamtsituation nicht im Geringsten gewachsen. Denn ihr Neffe Philippe (Sven Gielnik) ist auch noch für zwei Wochen im Mädcheninternat zu Gast. Da er ein versierter Fechter ist, und da Hockey fürs Erste vom Stundenplan gestrichen ist, nehmen die Mädchen fortan bei ihm Fechtstunden. Pubertät und Interesse an Jungs halten damit Einzug in Schloss Lindenhof, beides Faktoren, die im ersten Teil fast gänzlich bei Seite gelassen wurden, als Jungs höchstens als tumbe Dorftypen auftauchten. Um der ganzen Turbulenz die Krone aufzusetzen, befindet sich angeblich eine echte Prinzessin unter den Mitschülerinnen, und alle würden gerne herausfinden, wer von den Neuen es ist.

Neben den eben erwähnten drei Lehrerinnen erweist sich das Besetzungsrezept von Hanni und Nanni 2 auch in den weiteren Rollen dem ersten Teil sehr ähnlich: Man nehme die beiden Zwillinge, nach wie vor gespielt von Jana und Sophia Münster, die zwei Jahre älter geworden sind, wie auch Hanni und Nanni zwei Jahre älter geworden sind. An ihre Seite stellt man fast dasselbe namhafte Schauspielerensemble wie im ersten Teil: Heino Ferch und Anja Kling sind als Elternpaar Jule und Georg Sullivan wieder mit von der Partie. Zudem sind zwei für die Geschichte entscheidende Neuzugänge im Erwachsenenensemble zu verzeichnen: Barbara Schöneberger als Karrierefrau Daphne und Carolin Kebekus als zwielichtige Vertretungslehrerin Frau Goethe. Die beiden Figuren sind nämlich einer inhaltlichen Erweiterung der Geschichte geschuldet. Gegenüber dem ersten Teil fügt das Drehbuch dem Film zwei dramaturgische Facetten hinzu: beigemischt wäre erstens ein wenig Krimi in Form der Entführungsgeschichte der Prinzessin neben zweitens etwas sozialer Realität in Form von Job- und Eheproblemen der Eltern. Beide Punkte mischen der Fortsetzungsgeschichte eine Spur Düsterkeit hinzu, um aus der scheinbar perfekten Welt des ersten Teils auszubrechen.

Einer derjenigen, der im zweiten Teil nicht so wirklich in die porträtierte Sauberwelt hineinpassen möchte, ist der Vater von Hanni und Nanni. Er ist arbeitslos, schreibt zwar eine Bewerbung nach der anderen, bekommt aber einfach keine positive Antwort. Seine Figur ist nachdenklich und melancholisch, schon anhand seiner Kleidung fällt er aus dem Rahmen, ist diese doch wie er selbst vom Zustand her ein wenig schlaff. Im ersten Teil noch fesch eingekleidet in Hemd und schickem Halstuch, zieht er im zweiten Teil in ausgeleiertem T-Shirt aus dem gemeinsamen Zuhause aus und kommt in einer billigen Pension unter. Die Bilder von dort, atmosphärisch düster, mit blinkender Neonreklame direkt vor dem Fenster, zeigen einen gesellschaftlich vermeintlichen Versager beim einsamen Nachdenken über seine Situation.

Der andere Faktor, der etwas düstere Realität in den entrückten Mikrokosmos von Schloss Lindenhof einbrechen lässt, ist die Vertretungslehrerin Frau Goethe (!), die zusammen mit ihrem Komplizen die Prinzessin aufspüren und entführen möchte. Die optischen Eindrücke des Entführerpärchens gleichen in ihrer Düsternis den Bildern des grübelnden Vaters in der Pension. Doch eben gerade diese beiden Elemente des Drehbuchs, die den Inhalt der Geschichte realitätsnäher gestalten sollen, werden gegen Ende vom selben Drehbuch einfach beiseite gewischt. Damit wird einem strikten Harmoniegebot gehorcht, dem der gesamte Ausgang des Films unterliegt: einerseits wird ganz spielerisch die Entführung der Prinzessin durch die strategische Zusammenarbeit und den heldenhaften Einsatz der Kinder im letzten Moment vereitelt, andererseits bestehen die Spannungen zwischen den beiden Eltern am Ende einfach nicht mehr. Anstatt des kriselnden Zustands dominiert auf einmal wieder ein liebliches Familienklischee. Alle nehmen sich einfach in den Arm und alles ist wieder gut. Spätestens an diesem Punkt entlarven sich die beiden düsteren Einschübe von nicht nur schöner Realität als dramaturgisches Mittel, um das glückliche Ende als noch glücklicher herauszustellen.

Das Problem hierbei ist nicht, dass am Ende alles gut ist, sondern wie es zum Beispiel im Falle der Beziehung der Eltern überhaupt dazu kommt, dass am Ende alles gut ist. Leider finden in Hanni und Nanni 2 kaum stringente Figuren- bzw. Situationsentwicklungen statt. Bei der Beziehung der Eltern wirkt es, als seien nur einzelne Episoden aneinandergereiht, die Klischees abbilden: Da wäre der Streit aufgrund ihrer mangelnden Zeit zu Beginn im Auto. Das Gespräch zu Hause, als er vorschlägt auszuziehen und sie zustimmend schweigt. Das Aufeinandertreffen bei seinem Holen der Post, das wie zu Beginn von einem Arbeitsanruf unterbrochen wird. Das Erwischen beim Anbandeln mit Daphne (Barbara Schöneberger) in der Internatsküche. Kurz darauf: Die finale Umarmung im Schlosshof. Diese Knotenpunkte sind lediglich Stationsbeschreibungen einer Beziehung, die einfach gut enden muss. Fragen nach inhaltlicher Kohärenz werden keine gestellt. Die Bilder erklären sich in diesem Zuge nicht aus sich heraus, sie stehen lediglich nebeneinander, fast ohne Beziehung zueinander. Am Ende darf sich der Vater neben der wiedererlangten Familie darüber freuen, dass ihm der Vater der Prinzessin anbietet, ein Kochbuch für ihn zu schreiben. Alle noch bestehenden Schattenseiten des Lebens, seien sie auch noch so winzig, werden konsequent getilgt.

Natürlich, der Film soll gute Laune für und in Familien verbreiten und wird das auch tun, doch fragt man sich, ob das nicht auch noch anders möglich wäre als hier gesehen. Zugute halten kann man dem Film, dass viele Figuren, darunter vor allem das gegensätzliche Lehrerinnenduo Frau Mägerlein und Mademoiselle Bertoux, stark überzeichnet sind, was zur rasanten Inszenierung passt. Viele Episoden sind ausbaufähig, die Dialoge sprechen ganz unpeinlich ein junges, weibliches Publikum an. Beim Zuschauer kommt keine Langeweile auf, der Film geht allerdings auch genauso flott wieder aus dem Kopf heraus, wie er in den Kopf hinein kam. Mehr als ein weichgezeichneter Teeniespass ist Hanni und Nanni 2 an keiner Stelle.

Das ist soweit auch völlig in Ordnung, nur: die jugendlichen Mädchen sind wohl cleverer als das, was der Film ihnen bietet. Der Film wird sein Zielpublikum erreichen, nicht zuletzt angesichts des massiven Medienkonzepts, das hinter allem steht. Im Angebot auf der Internetseite des Films gibt es zu kaufen: den Titelsong, Hanni und Nanni – das Buch, Hanni & Nanni – Das Magazin, Hanni und Nanni – Das Hörspiel, SMS-Sprüche für Freundinnen, man wird verlinkt mit dem Deutschen Fechterbund und kann fechten lernen wie Hanni und Nanni im Film und sich darüber hinaus für einen Tanzchoreografiekurs für Jugendliche bei Detlef Soost anmelden, den meisten zu Recht nicht mehr bekannt als erster Choreograf der No Angels. Na, wenn das so ist. Dann kann ja beim geplanten Erfolg der Fortsetzung nichts mehr schief gehen.

(Stephan Langer)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2012
Länge: 95 (Min.)
Verleih: Universal Pictures International Germany
Kinostart: 17.05.2012

Cast & Crew

Regie: Julia von Heinz
Drehbuch: Christoph Silber, Jane Ainscough
Kamera: Felix Poplawsky
Schnitt: Andreas Radtke, Florian Miosge
Musik: Alex Geringas
Hauptdarsteller: Hannelore Elsner, Heino Ferch, Katharina Thalbach, Barbara Schöneberger, Anja Kling, Suzanne von Borsody, Sophia Münster, Jana Münster

MEINUNGEN

Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)

Kommentar Seiten « 1 2 »

Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 9)
Von: ls fan am: 11.03.13
Der Film ist einfach cool Habe ihn schon auf DVD
Von: Jana am: 09.02.13
Liebe Tanja, sie heißt Sophia, nicht Sopfia. Aber danke und viel Spaß mit HuN3 euch beiden (Tanja & Ganga) LG Jana :)
Von: Daniele Negroni 4-ever am: 23.07.12
Wie alt seid ihr eigentlich?
Von: Hanni und Nanni Fan 12 am: 09.07.12
Ich will mir den film noch angucken alle sagen der ist super mega hammer gail...!
Von: @Lol-Girl am: 20.06.12
"Hanni und Nanni 2" erscheint am 28. Dezember auf DVD. Grüsse, Mike

Kommentar Seiten « 1 2 »

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg
  • Filmfest München
  • Festival Scope