Frischer Wind aus dem Osten
Es ist eine altbekannte Tatsache, dass deutsche Kinofilme ohne die Unterstützung des Fernsehens heute gar nicht mehr möglich wären. Insbesondere die Debüts junger Nachwuchsregisseure entstehen vor allem dank Institutionen wie dem Kleinen Fernsehspiel des ZDF und anderen, ähnlich ausgerichteten Programmschienen. Allerdings gereicht diese Allianz den Filmen selbst nicht immer zum Vorteil, denn viele der so entstandenen Werke stehen der spezifischen Dramaturgie und Bildsprache des Fernsehens näher als der des Kinos. Eine der bemerkenswertesten Reihen der filmischen Nachwuchsförderung wird gemeinsam vom ZDF und dem RBB veranstaltet und trägt das Label Ostwind. Wie der Name andeutet, geht es hierbei vor allem um Stoffe, die sich mit dem Fall der Mauer vor mehr als 15 Jahren und den Folgen dieses historischen Ereignisses beschäftigen. Der wohl bekannteste Film aus dieser Reihe war auch gleich der Startpunkt der ersten Staffel Berlin is in Germany von Hannes Stöhr, der auf zahlreichen internationalen Festivals für Furore sorgte und bei der Berlinale den Publikumspreis des Panoramas erhielt. Auch Hallesche Kometen von Susanne Irina Zacharias entstammt der Reihe Ostwind und ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein vom Fernsehen co-produzierter Film seine ganz eigene Bildsprache finden kann.
Von der vielfach eingeforderten Aufbruchsstimmung im Osten Deutschlands ist bei Ben (Hanno Koffler) und seinem Vater Karl (Peter Kurth) wenig zu spüren. Gemeinsam leben, nein hausen die beiden in einer kleinen, verwahrlosten Wohnung in einem der zahlreichen seelenlosen Plattenbauten in Halle. Karl ist arbeitslos, und auch Ben hat keine Perspektive. Seinen Traum vom Reisejournalist hat er anscheinend schon aufgegeben und verdingt sich stattdessen als Auslieferer von Prospekten. Die Situation wird überschattet vom Unfalltod der Mutter vor zwei Jahren, seitdem scheint der zurückgebliebenen Restfamilie jeglicher Lebensmut abhanden gekommen zu sein. Ben würde gerne weggehen, um sein Glück zu suchen, doch er bringt es nicht übers Herz, seinen Vater allein zurückzulassen, der seit langem bereits kaum mehr die Wohnung verlässt. Als Ben sich in Jana (Marie Rönnebeck) verliebt, die für ein Jahr nach Kanada gehen will, und als er bei dubiosen Geschäften seines Freundes Ingo (Max Riemelt) einsteigt, macht er die erste Schritte hin zu mehr Selbstständigkeit. Doch sein Abnabelungsprozess führt gleichzeitig zu heftigen Konflikten mit seinem Vater, denn die erstarrte Symbiose der beiden im Schmerz Vereinten droht nun endgültig aufzubrechen.
Abseits gängiger Klischees gelingt Susanne Irina Zacharias das eindringliche Porträt einer verhängnisvollen Vater-Sohn-Beziehung, in der die Rollen vertauscht zu sein scheinen. Es ist Ben, der den erwachsenen Part übernommen hat und seinen Vater bis zur Selbstaufgabe immer wieder aufbaut, bis er feststellt, dass er auch an sein eigenes Leben denken muss. Trotz (oder gerade wegen) des bescheidenen Budgets gelingen immer wieder beeindruckende Szenen von großer emotionaler Dichte, die trotz der Schwere und Traurigkeit des Themas niemals in düsterer Melancholie erstarren, sondern einen Weg aus dem Dunkel zeigen. Das macht diesen Film neben vielem anderen so beeindruckend.
Von der vielfach eingeforderten Aufbruchsstimmung im Osten Deutschlands ist bei Ben (Hanno Koffler) und seinem Vater Karl (Peter Kurth) wenig zu spüren. Gemeinsam leben, nein hausen die beiden in einer kleinen, verwahrlosten Wohnung in einem der zahlreichen seelenlosen Plattenbauten in Halle. Karl ist arbeitslos, und auch Ben hat keine Perspektive. Seinen Traum vom Reisejournalist hat er anscheinend schon aufgegeben und verdingt sich stattdessen als Auslieferer von Prospekten. Die Situation wird überschattet vom Unfalltod der Mutter vor zwei Jahren, seitdem scheint der zurückgebliebenen Restfamilie jeglicher Lebensmut abhanden gekommen zu sein. Ben würde gerne weggehen, um sein Glück zu suchen, doch er bringt es nicht übers Herz, seinen Vater allein zurückzulassen, der seit langem bereits kaum mehr die Wohnung verlässt. Als Ben sich in Jana (Marie Rönnebeck) verliebt, die für ein Jahr nach Kanada gehen will, und als er bei dubiosen Geschäften seines Freundes Ingo (Max Riemelt) einsteigt, macht er die erste Schritte hin zu mehr Selbstständigkeit. Doch sein Abnabelungsprozess führt gleichzeitig zu heftigen Konflikten mit seinem Vater, denn die erstarrte Symbiose der beiden im Schmerz Vereinten droht nun endgültig aufzubrechen.
Abseits gängiger Klischees gelingt Susanne Irina Zacharias das eindringliche Porträt einer verhängnisvollen Vater-Sohn-Beziehung, in der die Rollen vertauscht zu sein scheinen. Es ist Ben, der den erwachsenen Part übernommen hat und seinen Vater bis zur Selbstaufgabe immer wieder aufbaut, bis er feststellt, dass er auch an sein eigenes Leben denken muss. Trotz (oder gerade wegen) des bescheidenen Budgets gelingen immer wieder beeindruckende Szenen von großer emotionaler Dichte, die trotz der Schwere und Traurigkeit des Themas niemals in düsterer Melancholie erstarren, sondern einen Weg aus dem Dunkel zeigen. Das macht diesen Film neben vielem anderen so beeindruckend.
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Hallesche Kometen
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
2005
Länge:
83 (Min.)
Verleih:
Zauberland Filmverleih
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
19.01.2006
CAST & CREW
Regie:
Susanne Irina Zacharias
Hauptdarsteller:
Max Riemelt, Hanno Koffler, Peter Kurth, Marie Rönnebeck, Patrick Güldenberg
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Bisherige Kommentare
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Von: katja am: 18.05.06
kann mir jemand sagen vom wem die version "where is my mind" in dem Film gesungen wurde? finde das lied klasse, aber finde nicht den richtigen interpreten im netz!! Danke für info!!
Von: M.O. am: 18.05.06
Habe den Film gestern im TV gesehen und war gefesselt. Realistisch, authentisch und romantisch. Ein sehr schönes Werk!
Von: Steven am: 16.01.06
Hab den Film schon letztes Jahr beim Ophüls-Festival gesehen, der bekam zurecht einen Verleih-Förderpreis. Schön, dass der Film es jetzt ins Kino geschafft hat.
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