Gomorrha ‑ Reise in das Reich der Camorra (Cannes 2008)
Originaltitel:
Gomorra - Cannes 2008
Leserbewertung:
Bericht aus der Hölle der Camorra
Es ist noch kein Jahr her, dass Roberto Savianos Enthüllungsbuch Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra in Deutschland erschienen ist und aufgrund der Hintergründe für einiges Aufsehen und ein großes Medienecho sorgte. Der Autor hatte sich in seinem Buch mit den Machenschaften der neapolitanischen Camorra auseinander gesetzt und zu diesem Zweck jahrelang undercover recherchiert, weswegen er seitdem unter Personenschutz steht und sein Aufenthaltsort geheim gehalten wird. Der italienische Regisseur Matteo Garrone hat verschiedene Episoden des Buchs in seinem Film Gomorrha ‑ Reise in das Reich der Camorra / Gomorra aufgegriffen und zu einem Spielfilm verarbeitet, der wie die literarische Vorlage Fiktion und Analyse real existierender Missstände mischt und einen ganz neuen Blick auf das organisierte Verbrechen in Italiens Süden wirft. In scheinbar lose miteinander verknüpften Episoden erzählt Garrone in seinem Film vor allem von den kleinen Leuten aus den abbruchreifen und heruntergekommenen Vororten Neapels und entwirft ganz nebenbei das Bild einer Gesellschaft, die durch und durch korrupt ist.
Rüdiger Suchsland konstatiert bei bei telepolis.de: "Ohne klare Hauptfiguren, erst recht ohne jene "Sympathieträger", ohne die deutsche Fernsehsender kein Drehbuch mehr finanzieren, entfaltet der Film ein soziales System und stellt dieses selbst ins Zentrum." Und weiter heißt es dort: "Ähnlich wie in Altmans Short Cuts und all jenen Kinowerken, die seitdem entstanden, kristallisieren sich aus diesem Figurennetzwerk dann doch gewisse Erzählstränge und Geschichten heraus."
Angetan zeigt sich auch Christina Nord in der taz und schreibt in ihrer Besprechung, dies sei "kein Film der lauten Empörung, sondern des kalten Registrierens".
Dominik Kamalzadeh vom der Tageszeitung Der Standard aus Österreich sieht in Gomorrha ‑ Reise in das Reich der Camorra / Gomorra gar einen der Exponenten einer Wiederkehr des politischen Kinos. "Garrone und Saviano, der auch das Drehbuch konzipiert hat, durchdringen das wuchernde System anhand von Fallbeispielen, bleiben dabei aber ganz auf Augenhöhe mit der Wirklichkeit", so ist dort zu lesen. Für den Autor des Artikels ist Matteo Garrones Film aufgrund seiner Qualitäten gar einer der Favoriten auf eine Auszeichnung: "In visuell oft verblüffenden Einstellungen, die den Sozialrealismus des Films auf fast surreale Weise erweitern, geraten die Figuren in Gomorrha in Zwickmühlen, aus denen sie sich nicht mehr befreien können. Wie im Vorbeigehen habe er den Film inszeniert, meint Garrone. Es könnte ihm eine der begehrten Palmen einbringen".
Die internationale Fachpresse beurteilt den Film etwas gespaltener: So bezeichnet Lee Marshall von Screen International Gomorrha ‑ Reise in das Reich der Camorra / Gomorra zwar als den "möglicherweise authentischsten und unsentimentalsten Mafiafilm, der jemals aus Italien gekommen ist", doch andererseits leidet das Werk "an seinem eigenen Mut". Garrone und seine fünf Co-Autoren, so der Kritikpunkt hätten "den journalistischen Kontext des Camorra-Krieges über Bord geworfen", der Film böte ähnlich wie die Drogen, die in dem Film eine wichtige Rolle spielen, nur "einen kurzfristigen Rausch, aber keinen nachhaltigen Eindruck".
Jay Weissenberg von Variety hebt vor allem Garrones Art und Weise hervor, „wie Fiktion und ein leidenschaftsloser Dokumentar-Stil vermischt werden“ und ist sich sicher, dass der Film sein internationales Arthouse-Publikum erreichen wird.
Der Film startet in Deutschland am 11. September diesen Jahres im Verleih des Prokino Filmverleihs.
(Red.)
Rüdiger Suchsland konstatiert bei bei telepolis.de: "Ohne klare Hauptfiguren, erst recht ohne jene "Sympathieträger", ohne die deutsche Fernsehsender kein Drehbuch mehr finanzieren, entfaltet der Film ein soziales System und stellt dieses selbst ins Zentrum." Und weiter heißt es dort: "Ähnlich wie in Altmans Short Cuts und all jenen Kinowerken, die seitdem entstanden, kristallisieren sich aus diesem Figurennetzwerk dann doch gewisse Erzählstränge und Geschichten heraus."
Angetan zeigt sich auch Christina Nord in der taz und schreibt in ihrer Besprechung, dies sei "kein Film der lauten Empörung, sondern des kalten Registrierens".
Dominik Kamalzadeh vom der Tageszeitung Der Standard aus Österreich sieht in Gomorrha ‑ Reise in das Reich der Camorra / Gomorra gar einen der Exponenten einer Wiederkehr des politischen Kinos. "Garrone und Saviano, der auch das Drehbuch konzipiert hat, durchdringen das wuchernde System anhand von Fallbeispielen, bleiben dabei aber ganz auf Augenhöhe mit der Wirklichkeit", so ist dort zu lesen. Für den Autor des Artikels ist Matteo Garrones Film aufgrund seiner Qualitäten gar einer der Favoriten auf eine Auszeichnung: "In visuell oft verblüffenden Einstellungen, die den Sozialrealismus des Films auf fast surreale Weise erweitern, geraten die Figuren in Gomorrha in Zwickmühlen, aus denen sie sich nicht mehr befreien können. Wie im Vorbeigehen habe er den Film inszeniert, meint Garrone. Es könnte ihm eine der begehrten Palmen einbringen".
Die internationale Fachpresse beurteilt den Film etwas gespaltener: So bezeichnet Lee Marshall von Screen International Gomorrha ‑ Reise in das Reich der Camorra / Gomorra zwar als den "möglicherweise authentischsten und unsentimentalsten Mafiafilm, der jemals aus Italien gekommen ist", doch andererseits leidet das Werk "an seinem eigenen Mut". Garrone und seine fünf Co-Autoren, so der Kritikpunkt hätten "den journalistischen Kontext des Camorra-Krieges über Bord geworfen", der Film böte ähnlich wie die Drogen, die in dem Film eine wichtige Rolle spielen, nur "einen kurzfristigen Rausch, aber keinen nachhaltigen Eindruck".
Jay Weissenberg von Variety hebt vor allem Garrones Art und Weise hervor, „wie Fiktion und ein leidenschaftsloser Dokumentar-Stil vermischt werden“ und ist sich sicher, dass der Film sein internationales Arthouse-Publikum erreichen wird.
Der Film startet in Deutschland am 11. September diesen Jahres im Verleih des Prokino Filmverleihs.
(Red.)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Gomorrha ‑ Reise in das Reich der Camorra (Cannes 2008)
Originaltitel:
Gomorra - Cannes 2008
Produktionsland:
Italien
Produktionsjahr:
2008
Länge:
135 (Min.)
Verleih:
Prokino
VERÖFFENTLICHUNGEN
CAST & CREW
Regie:
Matteo Garrone
Hauptdarsteller:
Toni Servillo, Gianfelice Imparato, Maria Nazionale, Salvatore Cantalupo, Gigio Morra
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 3 von insgesamt 3)
Von: SLAYER666 am: 27.09.08
Erstklassiger film streifen der die wirklichkeit der gettos hautnah miterleben lässt
Unbedingt anschaun
Von: Gast am: 12.09.08
Muss man sehen!Genial!!
Von: am: 25.07.08
Außerordentlicher Film. Eindrücklich, nachhaltiig! Bedrückend ohne zu erdrücken. Fantastische Regie.
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